Wissen: Angst

Was ist Angst?

Angst ist ein Gefühl bzw. eine Vielzahl von Gefühlsregungen und äußert sich - je nach Ausprägung der Angst - als Besorgnis und/oder Erregung und/oder Beengung/Bedrängnis.

Angst ist erst einmal etwas sehr Natürliches. Wer in gewissen Situationen keine Angst fühlt, ist vermutlich krank. Ihm fehlt ein natürlicher Schutzmechanismus. Oder er ist in Bezug auf negative Erfahrungen bereits vollkommen abgestumpft. Trotzdem kann Angst auch krankhaft sein, ja sogar eine Krankheit an sich sein. Man spricht dann zum Beispiel u.a. von einer Angststörung. Diese hat unterschiedliche Ausprägungen.

Bestandteil der Angst

Bestandteil der Angst können vielzählige körperliche Reaktionen und/oder andere zusätzliche (eigenständige) Gefühlsregungen und/oder Gefühlsstörungen sein, die mit Angst einhergehen und auf Angst basieren können z.B. Hemmung (bzw. Hemmungen), Blockaden, Scham, Misstrauen, Anspannung usw.). Diese Gefühlsregungen sind eigenständig, nicht mit Angst zu verwechseln und nicht zwingend mit Angst zu verbinden. Sie können jedoch in einem 

Zusammenhang mit Angst bzw. Ängsten stehen.

Auslöser von Angst

Der Angst liegen Wahrnehmungen und/oder Gedanken zu Grunde, die als bedrohlich empfunden werden.
Die Auslöser von Angst sind unterschiedlich:

a) Erwartete Bedrohungen (echt oder vermeintlich),

b) Schutz der Selbstachtung und des Selbstbildes oder

c) übersteigerte und krankhaft Angst (depressive, schizoide, zwanghafte, hysterische Angststörungen.

 

Spektrum der Angst

Das Spektrum der Angst reicht von Unsicherheiten (Beklommenheit, Scheu, Zaghaftigkeit usw.) und „Zwängen“ (Esszwang, Kontrollzwang, Reinigungszwang etc.) über „Furchtformen“ (Verletzungsfurcht, Versagensfurcht, Berührungsfurcht etc.), „Phobien“ (Akrophobie, Agoraphobie, Klaustrophobie usw.) und „Paniken“ (Angstanfall, Schockstarre etc.) bis hin zu schweren „Psychosen“ (Neurotische Ängste, Verfolgungswahn, Lebensangst usw.) Es gibt die unterschiedlichsten Ängste:


Es gibt Ängste in Bezug auf den Körper (z.B. Herzangst), Angst vor bestimmten Situationen und Umständen (z.B. Angst vor dem Tod, Angst vor dem Sterben, Angst vor Schmerzen, Angst vor Krankheiten, Angst vor Prüfungen, Angst vor Versagen usw.) oder Angst vor bestimmten Menschen oder bestimmten Dingen (Angst vor einem bestimmten Prüfer usw.). Es gibt allgemeine Angst (z.B. Angst vor der Zukunft, Angst vor Verlust, Angst vor Abhängigkeit usw.) oder ganz konkrete Ängste (z.B. Angst vor ganz bestimmten Hunden etc.). Es gibt Ängste vor Menschen und Ängste vor Tieren (Angst vor Spinnen usw.).

 

Begründung, Bewusstsein, Bezug und Basis der Angst

Einige Ängste sind eher rational begründet (z.B. Angst vor Höhe, Angst vor engen Räumen), andere wiederum wirken auf andere Menschen eher irrational (z.B. Angst vor großen Plätzen, Angst vor Liebe, Zuneigung und Nähe). Einige Ängste sind ängstlichen Menschen bewusst, andere hingegen unbewusst (z.B. Angst vor zu gut, zu schön, zu freundlich oder zu qualifiziert wirkenden Menschen). Derartige Ängste stehen in einem Zusammenhang mit der eigenen Persönlichkeit, dem Bild von einem selbst (z.B. Selbstwertgefühl) und weiteren Ängsten (z.B. Angst, nicht zu genügen, Angst vor Konkurrenz, Angst, einen "Korb" zu bekommen. Gefühle wie Neid (in Form von Missgunst) können ebenfalls eine Rolle spielen und mit entsprechenden Ängsten einhergehen. Angst kann situations- oder objektbezogen sein. Zudem muss zwischen einer diffusen allgemeinen Angst (z.B. Prüfungs-Angst) und einer ganz speziellen und konkreten Angst (z.B. die Furcht vor einem bestimmten Prüfer oder eine klar definierbare Situation) unterschieden werden.

 

Eine Sonderphänomen der Angst ist die „Angst vor der Angst“ (Phobophobie / Angstsensitivität). Angst kann sowohl bewusst als auch unbewusst wirken. Entstehen durch Angst andauernde Kontrollverluste oder Lähmungen, wird von einer Angststörung gesprochen. Ist diese Angst an ein bestimmtes Objekt oder eine bestimmte Situation gebunden, spricht man von einer Phobie. Angst basiert auch auf einer Verunsicherung. Dazu kann die Angst vor Veränderung, die Angst vor der Endgültigkeit, die Angst vor Nähe und die Angst vor Selbstwerdung zählen. Der gesunden Angst liegt in der Regel unser Selbsterhaltungstrieb zu Grunde. Angst basiert auch auf einer Verunsicherung. Dazu kann die Angst vor Veränderung, die Angst vor der Endgültigkeit, die Angst vor Nähe und die Angst vor Selbstwerdung zählen.

 

Körperliche Reaktionen

Angst kann die unterschiedlichsten körperlichen Reaktionen mit sich führen: Erhöhte Aufmerksamkeit, geweitete Pupillen, Gesteigerte Seh- und Hörnerven-Empfindlichkeit, erhöhte Muskelanspannung, erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit, erhöhte Herzfrequenz, erhöhter Blutdruck, flachere und schnellere Atmung, Energiebereitstellung in den Muskeln, Schwitzen, Zittern, Schwindelgefühl, Hemmung von Blasen-, Darm- und Magentätigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot, beklemmendes Gefühl oder Schmerzen in einer bestimmten Körperregion, Organissche Störungen und Ausfälle bis hin zum Tod durch Schock.

 

Natürliches Grundprinzip der Angst

Vom Grundprinzip her hat Angst eine nützliche Funktion. Sie ist ein Schutzmechanismus, der unsere Sinne schärft und in tatsächlichen oder vermeintlichen Gefahrensituationen ein entsprechendes Verhalten (z.B. Flucht) einleitet. Sie schützt uns vor Gefahr und hindert uns daran, blindlings ins Verderben zu rennen. Auch die körperlichen Symptome der Angst sind normale physische Reaktionen, die uns - ähnlich wie Stress - auf eine Kampf- oder Flucht-Situation vorbereiten - und bei einer realen oder vermeintlichen Gefahr die körperliche oder seelische Unversehrtheit sichern - sollen, im Extremfall sogar das Überleben.

 

Umgang mit Angst

Wie wir auf das Angst-Signal "Vorsicht Gefahr!" reagieren, ist eine andere Sache. Ergreifen wir die Flucht? Oder mobilisieren wir unsere Kräfte, um ein Problem zu lösen? Lassen wir uns von Angst entmutigen? Oder werden wir über Abwehrmaßnahmen nachdenken? Reagieren wie maßvoll? Oder reagieren wir über? Angst kann hemmen. Angst kann aber auch zum Handeln auffordern.

 

Um der eigentlich nützlichen Absicht der Angst gerecht zu werden, muss sowohl die Angst, als auch das Verhalten bei Angst angemessen sein. Es darf weder zu viel Angst unser Handeln blockieren noch zu wenig Angst reale Gefahren und Risiken ausblenden. Oft verfehlt die nützliche Angst ihre Wirkung. Sie führt zu übertriebener Aktivität (Panik) oder Passivität bis hin zur Lähmung. Was sind die Gründe?

 

Manchmal ist unsere von der Natur vorprogrammierte körpereigene Alarmanlage sehr empfindlich eingestellt, manchmal wird sie aber auch im Verlauf und unseres Lebens z.B. durch bestimmte Ereignisse auf "überrempfindlich" umprogrammiert, ähnlich einer allergischen Reaktion (Allergie), was dann zu entsprechenden Fehl-Alarmen führt. Wir überschätzen eine Angst auslösende Gefahr, weil wir zu wenig oder zu viel (Negatives) darüber wissen. Alternativ unterschätzen wir unsere Fähigkeit, mit der Angst umzugehen. Im Umgang mit der Angst spielen unsere vorausgegangenen Erfahrungen und unsere Gedanken eine ebenso entscheidende Rolle wie unsere Persönlichkeit. Somit ist Angst das, was unsere Gedanken daraus machen.

 

Manchmal ist unsere Persönlichkeit so gestört, dass aus natürlicher Angst etwas wächst, das uns unser natürliches Leben geradewegs behindert. Wir fühlen uns schlecht, stehen unter Zwang, trauen uns manches nicht zu, laufen weg oder verfallen in Starre. Manchmal ist es das Gegenteil: Es fehlt die natürliche Angst und damit zugleich natürliche Selbsterhaltungstrieb. Was der eine als "mutig" empfindet, kann eine gravierende Störung sein. 

 

Dies ist bei einigen Persönlichkeitsstörungen der Fall, insbesondere bei denen, bei denen ein gestörtes Selbstbild oder eine Störung des Ichs vorliegt. Was wir z.B. als "Ritzen" oder "Selbstmordversuch" kennen und ablehnen, leben andere gesellschaftlich etabliert und damit unauffällig aus, weil sie in der Masse der Gleichgesinnten verschwinden. Bei bestimmten Persönlichkeitsstörungen fehlt die natürliche Hemmung, gefahrenträchtige Situationen zu meiden. Alternativ wird gerade in gefahrenträchtigen und angstauslösenden Situationen der sogenannte "Kick" gesucht.

 

Behandlung von Angst

Gegen unbegründete Angst oder eine Angststörung hilft ein Coaching oder eine Psychotherapie. Manchmal schränkt die Angst den Lebensalltag aber auch derart stark ein, dass man ohne Medizin einfach nicht mehr klar kommt und der Alltag nicht mehr bewältigt werden kann. Ängst können nämlich unerträglich sein und einen Menschen geradewegs lähmen, im übertragenen Sinne aber auch im wahrsten Sinne des Wortes. Dann sind Psychopharmaka sinnvoll. Die verschreibt im besten Fall ein Facharzt für Psychiatrie. Standard-Psychopharmaka , die ein Hausarzt zumeist verschreibt oder direkt spritzt, lindern zwar akute Situationen, wirken aber in der Regel nicht in der Tiefe. Zudem wird hier gerne auf sehr allgemeine Medikamente zurückgegriffen, die zu kurzzeitiger Linderung führen. Ebenso besteht hier die Gefahr von Abhängigkeit. Fragen Sie am besten einen Psychiater.

 

Ist die Angst überaus groß und unerträglich kann ein wichtiger Baustein für die Behandlung von Angststörungen folglich die medikamentöse Therapie mit Psychopharmaka sein. Diese führen zu keiner Persönlichkeitsveränderung, sondern bewirken eine Normalisierung der Botenstoffe (z. B. Serotonin) in den Nervenzellen des Gehirns. Dazu stehen die Medikamentengruppen Antidepressiva, spezielle Anxiolytika sowie die Benzodiazepine zur Verfügung.

 

Viele Menschen haben bezüglich der Psychopharmaka große Vorurteile, diese sind aber nicht berechtigt, denn die Behandlung zielt auf die Normalisierung gestörter Funktionen im Gehirn, die auf eine Verschiebung der Botenstoffe (Neurotransmitter) zurückzuführen sind. Ein wichtiger Botenstoff ist z. B. das Serotonin. Psychopharmaka regulieren die Biochemie in Bezug auf außer Kontrolle geratene chemische Vorgänge im zentralen Nervensystem und bringen die Gehirn-Chemie wieder in Ordnung. Auch führen gute und moderne Medikamente nicht zur Abhängigkeit. Nur die Gruppe der Benzodiazepine führt bei längerer Anwendung zur Abhängigkeit, daher werden diese nur zur kurzfristigen Behandlung akuter Zustände eingesetzt.

 

Die besten Therapieerfolge werden bei Ängsten mit der Kombinationsbehandlung "Medikament plus Verhaltenstherapie" erreicht. Die Medikamente entspannen den Betroffenen und machen ihn zugänglich für die Verhaltenstherapie, die Verhaltenstherapie wiederum erhöht die Bereitschaft zur Medikamenteneinnahme. Besonders bewährt haben sich für die Langzeittherapie Antidepressiva. Antidepressiva machen nicht abhängig, müssen aber über einen längeren Zeitraum in ausreichend hoher Tagesdosierung eingenommen werden. Es dauert mehrere Wochen, bis die Wirkung eintritt.  Oft werden in den ersten 2-3 Wochen der Einnahme Nebenwirkungen wahrgenommen, die danach aber wieder nachlassen. 

 

Welchen Wirkstoff der behandelnde Facharzt verordnet, hängt von der Art der konkreten Angststörung und anderen individuellen Gegebenheiten ab. Die medikamentöse Behandlung erfolgt individuell unterschiedlich. Zur Behandlung einer generalisierten Angststörung greift man zum Beispiel zu Medikamenten aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), die zur Gruppe der Antidepressiva gehörten. Sie können Angstsymptome lindern und gegen depressive Beschwerden helfen, mit denen viele Betroffene zusätzlich zu tun haben.

 

Aus der Gruppe der SSRI sind zum Beispiel Escitalopram und Paroxetin für Menschen mit generalisierter Angststörung gut untersucht, zumeist sehr wirksam und in Deutschland zugelassen. Nach 2-6 Wochen entfaltet sich die angstlösende Wirkung entfalten, sofern eine richtig dosierte und regelmäßige Einnahme durch den Patienten erfolgt. Manchmal probiert der Psychiater mehrere Wirkstoffe aus.  Nach Eintritt der Besserung wird empfohlen, die Medikamente noch weitere 6 bis 12 Monate einzunehmen und dann langsam die Dosis zu verringern. Zu den möglichen Nebenwirkungen von SSRI zählen Übelkeit, Schlaflosigkeit und sexuelle Probleme. Manche Menschen haben dann weniger Lust auf Sex oder bekommen keinen Orgasmus. Bei vielen Menschen zeigen sich aber tatsächlich keine Nebenwirkungen.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Medikamente, die bei einer generalisierten Angststörung eingesetzt werden können. Viele kommen aber in der Regel erst infrage, wenn eine Behandlung mit SSRI keinen Erfolg gebracht hat oder aus bestimmten Gründen nicht möglich ist: So gibt es zum Beispiel selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI): Hierzu gehören die Wirkstoffe Duloxetin und Venlafaxin. Sie wirken ähnlich wie SSRI. Bekannt sind Pregabalin, Opipramol, Buspiron,  Hydroxyzin und Benzodiazepine. Doch diese Mittel werden zur Behandlung einer generalisierten Angststörung nicht empfohlen. Wirkstoffe wie Imipramin aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva oder das Neuroleptikum Quetiapin zeigten in Studien zwar eine Wirkung, doch mit den SSRI gibt es mittlerweile wirksamere und besser verträgliche Medikamente.

 

Generalisierte Angststörung

Menschen mit einer generalisierten Angststörung fürchten sich nicht vor ganz bestimmten Dingen oder Situationen, sondern ängstigen sich vor allem Möglichen. Die Angst ist psychisch sehr belastend und verursacht zudem auch verschiedene körperliche Symptome (z.B. Muskelverspannungen, Herzrasen usw). Ständig Angst zu haben, ist zudem sehr anstrengend und ermüdend. Es gibt jedoch verschiedene Behandlungen, mit denen sich die Angst auf ein erträgliches Maß verringern lässt. Eine generalisierte Angststörung kann das Leben der Betroffenen regelrecht bestimmen und die Lebensqualität maßgeblich einschränken. Zudem begleitet sie viele Menschen über längere Zeit. Es gibt jedoch Methoden, mit denen man lernen kann, die Angst in den Griff zu bekommen und wieder ein normales Leben zu führen. Auch bestimmte Medikamente können helfen. Die Ängste selbst in den Griff zu bekommen, ist ohne professionelle Hilfe kaum möglich. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Yoga helfen zwar ein wenig, ebenso pflanzliche Beruhigungsmitteln wie Baldrian, Lavendel oder Passionsblumenblätter, doch eine Psychotherapie und Medikamente sind wesentlich wirksamer. So können zum Beispiel mit einer kognitiven Verhaltenstherapie angstauslösende Gedankenmuster verändern werden, indem man umlernt. Eine solche kognitive Verhaltenstherapie besteht in der Regel aus wöchentlichen Sitzungen über mehrere Monate und umfasst einen „kognitiven“ Teil, der sich mit den Gedanken und Gefühlen auseinandersetzt und einen Teil, der sich mit dem Verhalten beschäftigt. Ziel des kognitiven Ansatzes ist es, unrealistische Ängste und Sorgen zu erkennen und zu hinterfragen, die tatsächlichen Wahrscheinlichkeiten und Folgen von Angstauslösern einzuschätzen und mit Unsicherheit umzugehen. Furchterregende Gedankenmuster sind zum Beispiel „katastrophisierende“ Gedanken in Form extremer, übertriebener Schlussfolgerungen über das Ausmaß des vermeintlich drohenden Unglücks. Derartige Gedanken gilt es mithilfe Eines Coaches oder eines Therapeuten zu erkennen und bewusst zu machen. Nachfolgend wird daran gearbeitet, derartige Gedanken abzubauen oder zumindest besser damit umzugehen. Die besagte Therapie hilft,  klarer zu denken und die eigenen Gedanken (besser) zu kontrollieren. Im zweiten Teil der Therapie geht es darum, die Angst in bestimmten Situationen nach und nach abzubauen und das Verhalten zu ändern. Dabei stellt man sich der Angst, um sie allmählich zu überwinden.  Um dies zu erleichtern, sollten ebenfalls Techniken vermittelt werden, um in Notfällen Ruhe zu bewahren. Dazu zählen Denkübungen, Atemübungen und Entspannungstechniken. Wichtig sind manchmal aber auch Medikamente (Psychopharmaka).

 

Kick / Thrill - die lustvolle Angst

Was die meisten Menschen als unangenehm empfundenes Gefühl empfinden, wird von Menschen mit bestimmten Persönlichkeitsstörungen geradewegs als lustvolle Erfahrung gesucht und tatsächlich auch genau so erlebt. Wie kann man dieses psychische Phänomen erklären? Kurz gesagt führt Grusel, Horror, Angst und Thrill hier geradewegs zu einem sogenannten "Kick". Bei anderen ist es das enthemmte Schlagen von Menschen oder das Zerschlagen von Gegenständen. Gerade die Kontrasterfahrung zwischen einer aufregenden Gefahrensituation und deren Bewältigung führt bei einigen Persönlichkeiten zu einer speziell gewünschten Steigerung des Lebensgefühls und gibt den betreffenden Menschen einen regelrechten „Kick“. Darunter versteht man den Wendepunkt zwischen Anspannung und Befreiung aus der Angstphase. Einen ähnlichen Effekt kennen wir vom Sport oder aus der Meditation z.B. wenn nach einer Phase der Kraftanspannung die Ruhephase einkehrt.

 

Beispiel: Bergsteigen und alpines Klettern ist nicht nur eine Sache des natürlichen Fortbewegungsdranges und des menschlichen Triebes, Hindernisse zu überwinden. Ebenfalls ist dies nicht nur eine Sache eines außergewöhnlichen Naturschauspiels. Tief im Kletterer bzw. Bergsteiger steckt die Angst vor der Gefahr des Absturzes. Dies bringt die Psyche in einen Extremzustand, der den archetypischen Drang des Nach-oben-Wollens noch weiter stützt. Zusammen mit der körperlichen Anspannung und der Ausschüttung entsprechender Hormone führt dies zu einem Erlebnis, dass die Bergsteiger-Persönlichkeit sucht und geradewegs davon abhängig wird. Bei anderen bewusst gesuchten Angst-Zuständen ist dies ähnlich. Sie können geradewegs zu einer Enthemmung oder einer tiefen Todessehnsucht führen oder eben - sofern sie bereits vorliegt - diese stützen.

 

"Kick" als Markt und gesellschaftliches Phänomen

Aufgrund der Vielzahl an Menschen mit Persönlichkeitsstörungen nutzen unterschiedliche Märkte (z.B. der Sport- und Freizeitmarkt, Film) Angst geradewegs als Konsumgut, das mit großem Erfolg gewinnbringend vermarktet wird. Extremsportarten wie Bungee Jumping oder bestimmte Fahrgeschäfte auf Jahrmärkte seien hier ebenso kurz genannt wie Horrorfilme oder Sado-maso Studios. Im alten Rom waren dies Tier- und Gladiatorenkämpfe und Massen-Massaker und in anderen Epochen Ritterturniere, öffentliche Hinrichtungen, Verstümmelungen, Hexen- und Ketzerverbrennungen, Folter, Teufelsabbildungen oder Totentanz-Szenarien. Immer schon existierten Menschen, die an dem, was andere fürchten und anderen Angst macht, geradewegs eine helle Freude empfinden.

 

Angst in der Geschichte

Nicht nur die Gebrüder Grimm wussten, dass man von Angst bzw. Angst machenden Erzählungen sehr gut profitieren kann. Insbesondere die Obrigkeit war stets bemüht, Angst zu schüren und zu nutzen, um das Volk bzw. a) gefährliche angstfreie Persönlichkeits-Typen zu befriedigen und auch b) alle anderen zu befrieden (ruhig zu stellen bzw. klein zu halten).

 

Kirche und Klerus bedienten sich der Angst ebenso als Instrumentarium wie die weltlichen Herrscher, die oftmals nur über den Machtfaktor Angst und Schrecken (sogenannte Schreckensherrschaft) regieren konnten. Bei der Umsetzung von Revolutionen war dies nicht anders und es gab immer schon viele Menschen mit entsprechenden Persönlichkeitsstörungen, die sich an Angst, Schmerz, Folter, Verstümmelung und Hinrichtungen geradewegs erquickten oder sogar eine regelgerechte Wissenschaft daraus machten wie die Geschichte der Guillotine ebenso zeigt wie die vielzähligen Folter-Handbücher und detaillierten Prozess-Akten der Inquisition und sonstigen Hexenprozesse.

 

Als einer der vielen in die Geschichte eingegangenen und von Bram Stoker als Romanfigur Dracula stilisierten Gesellen des Angst-Machens bzw. des frühen Psycho-Terrors sei hier der Woiwode Vlad III mit dem Beinamen Draculea (1431-1476/77), auch Vlad Tepes / Tepez (der Pfähler genannt) erwähnt. Zugleich muss betont werden, dass Gräueltaten (hier das massenhafte Pfählen und öffentliche Blut trinken) sowie Spaß an Angst und Grauen früher allgemein übliche Tagesordnung war und ein Vlad Tepez nicht etwa ein blutrünstiger Sonderfall war. Auch muss hinzugefügt werden, dass sich Angst in der Geschichte immer schon eine Art Lebensgefühl war, dass eng mit dem Leben und der Sinnhaftigkeit des Lebens verbunden war.

 

Angst und Wirtschaft

Ängste bilden die Grundlage der Wirtschaft. Viele Produkte und Dienstleistungen basieren nicht nur auf einem praktischen Nutzen, sondern auf Emotionen. Neben Lust, Spaß oder Langeweile sind Sorgen, Probleme und Ängste ein starker Bedürfnis-Auslöser. Entsprechend dieser Bedürfnis-Nachfrage bestehen entsprechende Produkte und Dienstleistungen. 

Ängste und Marketing

Ängste werden auch im Marketing genutzt und von einigen Branchen und Anbietern geradewegs missbraucht z.B. wenn Ängste, die vorher noch gar nicht vorhanden sind, bewusst erzeugt, geschürt und verstärkt werden. Sie werden geradewegs in die Köpfe der Konsumenten eingepflanzt, nicht nur, weil Ängste Bedürfnisse (z.B. nach Schutz, Fürsorge, Sicherheit etc.) wecken, sondern unter Angst auch andere Aspekte stärker wirken. Nicht selten werden Angst machende Zwangslagen ausgenutzt, um z.B. höhere Preise zu verlangen.  Manchmal werden Ängste auch nur als Aufhänger genutzt, um den eigentlichen Werbe- und Marketing-Informationen, die mit den Angstauslösern in keiner Verbindung stehen, ein Interesse und eine höhere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Oft bilden Angst-Themen im Marketing sogar eine regelrechte Hauptaussage und formen damit das Image des betreffenden Unternehmens, was sich für das jeweilige Unternehmen wiederum auch kontraproduktiv gestalten kann, weil das Unternehmen stets mit dem Thema Angst in eine unmittelbare Verbindung gebracht wird.

 

Schüren von Angst zwecks Lenkung der Massen
Von der Psychologie der Massen und der Erfahrung mit totalitären Systemen wissen wir, dass das Schüren von Ängsten bewusst zur Steuerung der Massen eingesetzt wird. In totalitären Systemen oder Gesinnungs-Systemen bestimmt die politisch gewünschte Angst sämtliche Bereiche des Lebens. Menschen haben Angst, die freie Meinung zu sagen, Angst das Falsche zu sagen oder Angst davor, diskriminiert, diffamiert und ausgegrenzt zu werden. Sie haben Angst vor Existenzverlust, nur, weil man seine Meinung sagt und sogar Angst, in der Familie zum Aussätzigen zu werden, weil man eine andere Meinung hat. In totalitären Systemen wird Angst den Menschen durch Politik und Medien eingetrichtert wird. Denn mit Angst bekommt man die Kontrolle. Auch in der persuasiven Rhetorik wird gern an Ängste appelliert.

 

 

Von der Politik in Abrede gestellte Angst

Wie bereits erwähnt, ist Angst - sofern diese nicht vorsätzlich geschürt wird - ein natürlicher Schutzmechanismus. Der wird jedoch von der aktuellen Politik in Deutschland in Abrede gestellt. Als Beispiel sei die persuasive Phrase „Angst ist kein guter Ratgeber“ von Kanzlerin Angela Merkel genannt. Aus Angst vor der Angst der Bürger und auch aus Angst vor dem Bürger an sich, der das Spiel der aktuellen Regierung durchschauen könnte, wird aktuell in Deutschland viel Aufwand getrieben, damit die Bürger Angst vor dem Aussprechen sogenannter „falscher Meinungen“ haben.

 

Wer sich hinsichtlich waghalsiger politischer Entscheidungen ängstlich zeigt, gilt als "Regime-Kritiker" und damit als eine Art Staatsfeind. Die Infragestellung von Ängsten ist Teil der systemischen Propaganda beworben. Besonders perfide daran ist, dass Ängste zuerst bewusst geschürt und dann zugleich wieder in Frage gestellt werden - eine beliebte Standard-Technik, die in totalitären Regimen übrigens auch bei Verhören und Folterungen aktiv genutzt wurde. Zurück zur in Abrede gestellten Angst:

Wer Angst vor den konkreten Folgen des Regierungshandelns hat, wird als psychisch krank („-phob“) diffamiert und als Unperson bekämpft. Wichtige und zutiefst menschliche Wörter wie „besorgt“ werden zu Schimpfwörtern umgedeutet. Sorge und Angst um sein Leben zu haben, gilt als Schwäche. Angela Merkel, geschützt von Mauern, gepanzerten Limousinen und Bodyguards, hat wiederholt die Parole ausgegeben, Angst „sei immer ein schlechter Ratgeber“. Stattdessen gelte es, „mal wieder in einen Gottesdienst zu gehen oder ein bisschen bibelfest zu sein“. Für derart wenig Empathie empfehlen wir ein Sozialkompetenz-Training, eine psychologische Untersuchung und die baldige Abdankung.