Wissen: Sozialer Einfluss

Fragen zum Thema:

Warum folgen die meisten Menschen - bis auf Ausnahmen - stets einer Linie?  Warum denken und verhalten wir uns bei Anwesenheit anderer anders? Warum wirkt allein die reine Vorstellung der Anwesenheit anderer auf unser Denken und Verhalten?  Warum ändern Menschen so schnell ihre Meinung? Warum sagen Menschen oft etwas anderes als sie eigentlich denken? Warum passen Menschen im Angesicht anderer ihre Einstellung an? Warum übernehmen wir die Ansichten anderer, obwohl diese nachweislich falsch und sogar gefährlich sind? 

 


Warum trauen wir uns nicht zu sagen, dass "der Kaiser in Wirklichkeit nackt ist", bejubeln aber dennoch dessen angeblich "schöne Gewandung"?  Was ist Pluralistische Ignoranz? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Bereich "Social Cognition" in der Sozialpsychologie, die eine deutliche Schnittstelle zur Wahrnehmungs- und Verhaltenspsychologie darstellt.

 

Sozialer Einfluss - Grundlagen
Die Persönlichkeit eines Menschen beinhaltet Wahrnehmung, Denken und Verhalten einer Person.

Sie resultiert aus drei Komponenten: a) unseren Anlagen (z.B. Gehirn und Intelligenz), b) der Umwelt (Familie, Freunde, Nachbarn, Schule, Aus-Bildung, Medien etc.) und c) dem, was man letztendlich selbst aus eigenem Antrieb daraus macht. Doch auch unser eigener Antrieb wird (ohne Hinterfragung und Vermeidung multimedialen Konsums) letztendlich wiederum fremdbestimmt.

 

Gehirn, Geist und Psyche spielen - ebenso wie Intelligenz und Sozialkompetenz - zwar eine ganz wesentliche Rolle, aber noch relevanter ist letztendlich der soziale Einfluss, der von außen über unser Umfeld (Eltern, Erziehung, Schule, Ausbildung, Freunde, Bekannte oder nur mutmaßlich angenommene mögliche "andere" (bewusst oder unbewusst) unmittelbar direkt oder lediglich unterschwellig auf uns einwirkt, ob wir dies nun wollen, oder nicht.

 

Eine ganz besondere und sehr entscheidende Rolle in Bezug auf den Einfluss von außen spielen die Medien, die unser Denken und unsere Einstellungen sowie über unser Verhalten und unsere Entscheidungen letztendlich maßgeblich mitbestimmen, ob uns das nun lieb ist, oder nicht. Eine herausragend große Rolle spielen die Medien, die eine gesellschaftlich etablierte Stellung innehaben und der "Herde" allein über den (gebilligten oder individuell verweigerten) "Einfluss von Autoritäten" das Leitbild einer Gesellschaft einschließlich der entsprechenden Denk- und Handlungsrichtung vorgibt.

 

Die Nutzung bzw. Anwendung gezielter, das menschliche Denken und Verhalten steuernder anerkannter Persuasions- und Manipulations-Instrumente wie Nudging, NLP & PLP, Rhetorik sowie bestimmte Argumentationstechniken (z.B. mittels Scheinargumenten bzw. Sophismen) oder über die übliche systematisch gelenkte selektive Wahrnehmung  mit Steuerung von Information und Desinformation sind dabei gar nicht nötig. Diese fungieren lediglich als Verstärker, Beschleuniger, Hemmer oder Denkblockaden-Setzer.  (Siehe PLP / Psycholinguistische Programmierung / Gehirnprogrammierung).

Der Einfluss erfolgt über Information bzw. Desinformation sowie über das Erzeugen von "Involvement" (Siehe auch Ego-Involvement) bzw. die Stimulanz des limbischen Systems bzw. unserer sogenannten "Gefühlsebene", die ganz besonders entscheidend ist - schließlich basieren - wie man aus den modernen Neurowissenschaften mittlerweile längst weiß - die meisten unserer Entscheidungen - ob wir das wollen oder nicht - auf unbewussten Gefühls-Prozessen. In diesem Zusammenhang interessant ist, dass der neurowissenschaftliche Laie wie auch einseitig gebildete Psychologen diesbezüglich immer schon intuitiv vom sogenannten "Bauchgefühl" sprachen - und dies heute noch tun.

 

Sozialer Einfluss - Hintergrund

Unser Denken, Fühlen und Verhalten sowie unsere Meinungs- und Urteilsfindung wird durch externe Faktoren (passiv wie aktiv) massiv beeinflusst (Sozialer Einfluss). Dazu zählt allein die tatsächliche, vorgestellte oder implizite Anwesenheit anderer. Die tatsächliche, vorgestellte oder implizite Anwesenheit von Autoritäten verstärkt diesen Effekt weiter (siehe Milgram-Experiment von 1963) . Oft erfolgt diese Beeinflussung von außen sehr subtil (Subtile Einflussnahme), zum Beispiel durch bestimmte Konventionen, soziale Erwartungen, den kulturellen Kontext etc., aber auch gezielt - zum Beispiel über bewusste direkte Überzeugungsversuche oder mittels - den Rezipienten zumeist völlig unbewussten - gezielten Beeinflussungsstrategien und bestimmte Argumentationstechniken.

 

Wie ändert sich Verhalten durch die tatsächliche oder lediglich vorgestellte Anwesenheit anderer?

Nach den Erkenntnissen der "Psychologie der Massen" führen große Gruppen dazu, dass die individuelle Identität in der Menge oder Gruppe untergeht - und an Stelle der individuellen Persönlichkeit die Gruppenidentität dominiert. Diese Deindividuierung stellt - ausgelöst durch Uniformierung, Anonymität und Menschenmengen - Gruppennormen in den Vordergrund und reduziert das, was die individuelle Persönlichkeit ausmacht. Diesbezüglicvh spricht man von...

 

Deindividuierung
Was passiert? Persönliche Standards in Bezug auf Beobachtung, Wahrnehmung, Denken, Meinungen, Urteilsbildung, Entscheidungsfindung und Verhalten werden zu Gunsten der Einhaltung bzw. Erfüllung von Gruppennormen automatisch herunter gestuft oder gehen ganz unter. Deindividuierung führt zugleich zu einer reduzierten Selbstaufmerksamkeit, wobei die Konsequenzen aus persönlichem Verhalten weniger oder gar nicht mehr bedacht werden. Deindividuierung hat dadurch negative Auswirkungen auf das Verhalten und ist nach Le Bon (1895), der sich als erster mit der "Psychologie der Massen" beschäftigte, verantwortlich für Aufruhr, Panik und Hysterie.

 

Beispiele für die negativen Auswirkungen liefert z.B. das "Stanford-Prison-Experiment" und das Verhalten von Fußball-Hooligans. Zur Deindividuierung muss jedoch gesagt werden, dass diese jedoch unter bestimmten Bedingungen auch positive Effekte haben kann: Sofern nämlich eine Gruppe über positive Normen verfügt, werden diese positiven Gruppen-Normen verstärkt, wodurch auch das Verhalten des Einzelnen positiver wird. Parallel zu Le Bon spricht Norman Triplett (1898) z.B. der Gruppe einen positiven Einfluss auf das Individuum zu. Dieser positive Einfluss kann sich u.a. in Interaktion, Kommunikation und Leistungssteigerung zeigen.

 

Sozialer Einfluss - Formen
Sozialer Einfluss hat zwei grundlegende Formen. Es wird zwischen informativem (informationalem) und normativem Einfluss unterschieden: 

 

Informativer (informationaler) Einfluss

Der Begriff besagt, dass wir in bestimmten Situationen, die unterschiedlich gedeutet werden können, andere Menschen oder Medien als Informationsquelle benutzen. Wenn wir selbst nicht genau wissen, was zu tun ist, orientieren wir uns am  (tatsächlichen oder unterstellten) Verhalten anderer. Ein klassisches Experiment zum informativen sozialen Einfluss ist das von Muzafer Serif. Hier konnte u.a. festgestellt werden, dass sich z.B. Schätzungen bzw. Einzelurteile der Einzelnen mit der Zeit der Gruppe angleichen. Das so entstehende Gruppenurteil wird nicht nur öffentlich, sondern auch privat übernommen und akzeptiert.

 

Überzeugung durch selbstwertdienliche oder gruppendienliche Verzerrungen

Neben den klassischen selbstwertdienlichen Verzerrungen (Siehe auch self serving bias / Egotismus / Selbstwert-Effekt,  Overconfidence-effect / Überlegenheitsillusion / Dunning-Kruger-Effekt / Gott-Komplex) gibt es auch gruppendienliche Verzerrungen (A. Köhler), die auf der bereits erwähnten Deindividuierung in sozialen Gruppen und der dadurch bedingten Anpassung an die jeweilige Gruppe (vom kleinen Grüppchen bis hin zum Staat) basiert. 

 

Die so gefundene implizite oder explizite (direkte oder indirekte) "Gruppen-Übereinkunft" führt sogar zu einer regelrechten "Überzeugung" des Einzelnen mit privater Akzeptanz. Ob es sich bei dieser automatisch übernommenen inneren "Überzeugung" nun um die Wahrheit oder Unwahrheit handelt, spielt dabei keine Rolle. 

Wie kommt so etwas? Die Erklärung: Wer in irgendeiner Art und Weise unsicher ist, orientiert sich als (quasi "Herdentier") automatisch daran, was die anderen tun. Wenn die anderen aber auch nicht wissen, was zu tun ist, führt dies dazu, dass dann niemand etwas tut. In Verbindung mit der sogenannten "Verantwortungs-Diffusion" nach dem Motto „Warum soll ich helfen, wenn es auch andere tun können?“ ist diese sogenannte "Pluralistische Ignoranz" zugleich der häufigste Grund für unterlassene Hilfeleistung und zugleich ein Grund für Massenpanik oder alternativ "schlafender" oder dem Dauerkonsum fröhnender Massen, die dann selbst Massenmorde (wie im Dritten Reich) trotz eigener Wahrnehmung und Vermutung völlig automatisch ausblenden, um "Kognitive Dissonanzen" zu vermeiden oder zu umschiffen.

 

Insofern handelt unser sehr ökonomisch arbeitendes Gehirn nach den ökonomischen Prinzip, lästige bzw. Kognitive Dissonanzen erzeugende Dinge (Wahrnehmungen und Gedanken) 

a)   von vorne herein gar nicht wahrzunehmen (selektive Wahrnehmung / Scheuklappen-Prinzip),
b)   auszublenden,
c)   zu verzerren,

d)   umzuinterpretieren,

e)   zu relativieren oder

f)   schön zu reden" - bzw. korrekt - "schön zu denken"
 

Das innere Motto


zu a):   "Was nicht sein kann, das sehe ich auch nicht."

zu b):   "Lass uns nicht darüber nachdenken! Ein anderes Thema bitte!"

zu c)     Aus einem "Vergewaltiger" wird ein "Mann" 
zu d)    "Die Schläge in meiner Kindheit waren von meinen Eltern in Wirklichkeit gut gemeint" oder
             "Auch Straftäter sind in Wahrheit bzw. in Wirklichkeit bzw. in ihrem tiefsten Innerern liebe Menschen" 
zu e):   "Das war doch gar nicht so schlimm" oder "Stell Dir vor, du säßest im Rollstuhl!"

zu f)    "Schläge auf den Hinterkopf erleichtern das Denkvermögen" oder "Wer früher stirbt hat weniger Probleme" 

 

Weiter zum informativen sozialen Einfluss
Der informative Einfluss tritt z.B. auf, wenn Situationen mehrdeutig sind, wenn nicht genügend Zeit zur Verfügung steht

(z.B. Notfall), wenn "Experten" anwesend sind und wenn es wichtig ist, richtig zu handeln.

 

Fehler aufgrund Mehrdeutigkeit

Je wichtiger es ist, richtig zu handeln, desto eher und mehr orientiert man sich wahrnehmungs- und verhaltenstechnisch am Verhalten anderer. Dies zeigte u.a. das Augenzeugen-Experiment 1 von Baron (und anderen, 1996).

 

Augenzeugen-Experiment 1

In diesem Experiment bekamen Versuchspersonen sehr kurz das Bild eines "Verdächtigen" gezeigt, den sie dann aus vier Bildern wieder erkennen sollten. Im siebten Durchgang gaben vor der Urteilsbildung der Versuchspersonen drei Verbündete des Versuchsleiters absichtlich eine falsche Antwort. Die Angaben zur Wichtigkeit der Aufgabe wurden variiert und z.B. zwischen einer einfachen Voruntersuchung und einer wichtigen Untersuchung für die Polizei zzgl. 20 Dollar für den Besten unterschieden. Das Ergebnis: Unter wichtigen Bedingungen stimmten 51 % der Versuchspersonen dem falschen Urteil zu, während unter unwichtigen Bedingungen nur 35 % der Versuchspersonen zustimmten.

 

Veränderung bzw. Fehler der sozialen Wahrnehmung aufgrund Konformität

Im Police-Story-Experiment von Buehler & Griffin (1994) erhielten Versuchspersonen einen Zeitungsartikel, in dem es um eine Verfolgungsjagd ging, bei der ein schwarzer Jugendlicher von der Polizei erschossen wird. Nach dem die Versuchspersonen den recht uneindeutig geschilderten Artikel gelesen hatten, wurden sie zu bestimmten Aspekten der Story befragt. Danach wurde ihnen gesagt, dass die Mehrheit die Polizisten für schuldiger hält als den Jugendlichen, woraufhin die Versuchspersonen erneut befragt wurden. Das Ergebnis: Die Versuchspersonen, die sich der Mehrheit anschlossen, veränderten dementsprechend ihre Interpretation der Situation. Anmerkung: Tatsächlich kann auch eine Minderheit, sogar eine einzelne Person, informativen bzw. informationalen Einfluss auf die Mehrheit haben.


Normativer sozialer Einfluss

Während sich informativer bzw. informationaler Einfluss insbesondere auf sogenannte "mehrdeutige Situationen" bezieht, lassen wir uns aber selbst in "eindeutigen Situationen" vom Verhalten anderer beeinflussen. Sowohl mögliche Belohnungen, als auch die Angst vor Sanktionen, Strafen, Nichtakzeptanz oder Ausgrenzung sind ursächlich ausschlaggebend. Allein um von einer Gruppe gemocht oder akzeptiert zu werden, übernehmen wir deren Meinung und Normen, selbst wenn diese unserer eigenen Einschätzung und Meinung widersprechen. Das Motiv für die Beeinflussung ist hier das Bedürfnis nach sozialer Integration. Im Gegensatz zum informativen bzw. informationalem Einfluss führt normativer sozialer Einfluss zwar ebenfalls zum öffentlichen Einverständnis, nicht aber automatisch zu persönlicher Akzeptanz. 

 

Konformitäts-Experiment von Asch

Ein klassisches Experiment zum normativen sozialen Einfluss ist das Konformitäts-Experiment von Asch (1951), bei dem die Versuchspersonen unter dem Konformitätsdruck der Gruppe falsche Urteile abgaben. Das Konformitäts-Experiment von Salomon Asch, einem der bedeutendsten Pioniere der Sozialpsychologie, ist auf viele Bereiche des Alltags übertragbar. Es zeigt, wie stark Menschen als soziale Wesen Konformitätsdruck unterliegen bzw. auf andere Menschen ausüben können. Das Experiment zeigte, dass Gruppen, die ihre Position konform vertreten, auch wenn diese offensichtlich falsch ist, Einfluss auf andere Gruppenmitglieder nehmen können. 

 

Im besagten Experiment (Linien-Experiment) wurde Versuchsperson, die einen Raum betraten, in dem eine Reihe von Personen an einem Konferenztisch saß, gesagt, es handle sich bei den am Tisch sitzenden Personen um andere Teilnehmer des Experimentes, obwohl es sich in Wahrheit um Vertraute des Versuchsleiters handelte. Auf einem einsehbaren Bildschirm wurde nun eine Linie dargeboten und daneben drei weitere Linien eingeblendet. Aufgabe der Versuchspersonen war es, die Linien hinsichtlich ihrer Länge zu vergleichen bzw. einzuschätzen, welche der drei Vergleichslinien gleich lang war wie die Referenzlinie. Bei jedem Durchgang des Experimentes war eine der Linien deutlich erkennbar gleich lang wie die Referenzlinie. In der Kontrollgruppe sollten die Vertrauten des Versuchsleiters ihre wahre Einschätzung in der Gruppe äußern. Das Ergebnis: Erwartungsgemäß machte die Versuchsperson, die mit den heimlich Vertrauten am Tisch saß, kaum (unter 1 %) Fehler. In der Experimental-Gruppe fanden je 18 Schätzungen statt. Bei sechs Durchgängen waren die heimlichen Vertrauten instruiert, zum Zwecke der Glaubwürdigkeit ein richtiges Urteil abzugeben. Bei den anderen zwölf Durchgängen sollten die Vertrauten einstimmig ein falsches Urteil abgeben. Das Ergebnis: Im Durchschnitt waren 37 % der Versuchspersonen-Urteile Fehler. In 33 % schlossen sich die Versuchspersonen trotz offensichtlicher Fehlentscheidung dem bewusst falschen Urteil der Mehrheit an. 75 - 76 % der Versuchspersonen schlossen sich mindestens einmal dem falschen Urteil der Mehrheit an. Wichtig ist auch zu sagen, dass bei anonymer Stimmabgabe der Anteil der angepassten Fehlurteile deutlich zurückgeht.

 

Augenzeugen-Experiment 2

Im Augenzeugen-Experiment von Baron (und anderen), 1996, das nach dem gleichen Ablauf-Schema wie das Augenzeugen-Experiment 1 (siehe oben) erfolgte, bekamen die Versuchspersonen nun aber die Bilder des angeblich "Verdächtigen" länger zu sehen, wodurch die Aufgabe nun eindeutiger wird. Das Ergebnis: Aufgrund des nun normativen statt informativen bzw. informationalen Einflusses ließen sich unter dem Anschein wichtiger Bedingungen nun weniger Versuchspersonen beeinflussen, als bei angeblich unwichtigen Bedingungen.

 

Social Impact Theory

Nach der Social Impact Theory von Latané (1981) hängt die Ausprägung des normativen sozialen Einflusses davon ab,
a)  wie groß die Gruppe ist bzw. wie viele Mitglieder die Gruppe hat,
b)  wie wichtig dem Betroffenen die Mitgliedschaft in der Gruppe ist und
c)  wie ausgeprägt die räumliche und zeitliche Nähe der anderen bzw. die Unmittelbarkeit der Gruppe
    und wie entsprechend verfügbar die Gruppennormen im Gedächtnis sind.

 

Dem Experiment von Asch zu Folge steigt der Einfluss bei einer Gruppengröße von insgesamt 4-5 Mitgliedern sehr stark an und ist hier am Größten. Bei einer Gruppe bis 7 Mitglieder steigt der Einfluss dann noch einmal geringfügig und bleibt darüber konstant.

 

Weitere Einflussfaktoren

Weitere Einfluss in Bezug auf normativen sozialen Einfluss sind Kultur, Geschlecht, Einstimmigkeit der Gruppe und Wichtigkeit der Aufgabe. Anders als beim informativen bzw. informationalem sozialen Einfluss sinkt der normative Einfluss, je nach Wichtigkeit Entscheidung bzw. Handlung. Je wichtiger es ist, richtig zu handeln, desto geringer ist der normative soziale Einfluss. Zum kulturellen Einfluss ist zu sagen, dass in kollektivistischen Kulturen zu einer höheren Konformität führen. Zur Einstimmigkeit: Sofern eine Gruppe sich einstimmig verhält oder Einstimmigkeit anstrebt, passt dich der Einzelne dieser Einstimmigkeit an. Zum Geschlecht: Aufgrund der entsprechenden Annahme wird darüber diskutiert, ob z.B. Frauen in öffentlichen Situationen beeinflussbarer sind als Männer.  

 

Ideosynkratische Kredite

Der Begriff besagt: Je öfter sich jemand den Normen der Gruppe unterwirft,
desto eher darf er auch einmal von ihnen abweichen.


Medien-Wirkung

Beeinflussende soziale Normen (normativer sozialer Einfluss) werden nicht zuletzt und mit besonders starker Wirkung - neben dem vorbenannten Informativen (informationalen) Einfluss ebenfalls durch die Medien vermittelt. Insofern üben Medien einen ganz erheblichen Einfluss, sowohl im Hinblick auf normativen, als auch informationalen sozialen Einfluss aus, was eine ungeheure Macht bedeutet, die den meisten Menschen gar nicht bewusst ist. Die meinen nämlich sehr naiv, selbst über bervorzugte Medien entscheiden - und sich anderen Medien angeblich entziehen zu können. In Wirklichkeit sind Medien allgegenwärtig. Allein die Existenz reicht aus. Letztendlich bestimmen sogenannte "Leitmedien", was (legal bzw. anerkannt bzw. geduldet) gesagt oder nicht (öffentlich) geäußert werden darf. Medien beeinflussen ebenso unsere Idealvorstellungen im Hinblick auf Social Standing, Berufliches Image und Berufsentscheidung, Geldverdienen, Rechtsempfinden und Schönheits-Ideale im Hinblick auf die Geschlechter. 

 

Einfluss von Autoritäten

Autoritäten haben zusätzlichen starken Einfluss auf unsere Urteile und unser Verhalten. Das zeigte u.a. das berühmt berüchtigte Milgram Experiment (1963).

 

Milgram-Experiment

In diesem Experiment erhielten Versuchspersonen die Möglichkeit, andere angebliche Versuchspersonen, die jedoch in Wahrheit Verbündete des Versuchsleiters waren, für falsche Aufgabenlösungen mit Elektroschocks zu bestrafen, wobei der Versuchsleiter als Autoritätsperson befahl, das Elektroschock-Level stetig weiter (von 15 - 450 Volt) zu erhöhen. Trotz offensichtlicher verbaler Leidens-Äußerungen der Opfer (z.B.Schmerzens-Schreie) bestand der Versuchsleiter weiter darauf, mit der Bestrafung und der Erhöhung der Voltzahl fortzufahren. Das Ergebnis: Obwohl die gespielten Opfer - offensichtlich unter Schmerzen leidend - baten, das Experiment abzubrechen und den Versuchspersonen sowohl die Qual an sich, als auch die Gefahr von Verletzungen (bis zur Todesfolge) durchaus bewusst war, fuhren 80 % der Versuchspersonen mit der Elektro-Schockgebung stetig weiter fort. 62,5 % der Versuchspersonen schreckten nicht einmal davon ab, den höchstmöglichen Schock (450 Volt) zu verabreichen.

 

Variationen des Experimentes zeigten, dass sich dieses Verhalten ändert, wenn zwei andere Versuchspersonen sich weigern, mit der Schockgebung fortzufahren. In diesem Fall verabreichen nur noch 10 % der Versuchspersonen den maximalen Schock. Wenn der Versuchsleiter den Raum verlässt und stattdessen eine andere Versuchsperson darauf drängt, mit der Schockgebung fortzufahren,geben nur noch 20 % der Versuchsteilnehmer den maximalen Schock. Hier fällt die Experten-Wirkung ins Gewicht. Wer wie ei  Experte wirkt, beeinflusst das Verhalten der anderen. Interessant ist auch: Wenn die Versuchspersonen das Schock-Level frei wählen dürfen, geben nur 2,5 % den maximalen Schock. Dies zeigt, dass ein natürlicher Aggressionstrieb nicht ursächlich war.

 

Die Beeinflussung durch Autoritäten ist am stärksten, wenn alle anderen auch gehorchen, die Autoritätsperson einen Experten-Status hat und wenig bis keine Zeit zum Nachdenken besteht. Weil man in kleinen Schritten immer mehr gehorcht, zeigt auch die Beeinflussung durch Autoritäten in kleinen Schritten eine große Wirkung, weil es nach der Theorie der Kognitiven Dissonanz nach jeder einzelnen Entscheidung zur Selbstrechtfertigung kommt. Aufgrund dieser Einzelentscheidung entsteht ein Kreislauf, der nicht mehr selbst kontrollierbar ist.

 

Warum reagiert oft keiner bei Gefahr? Warum wehren sich viele nicht gegen Unrecht?

Allein schon die Frage ist im Prinzip dämlich. Denn wenn "Gefahr" und/oder "Unrecht" a) gar nicht wahrgenommen werden oder  b) nicht als solche wahrgenommen oder c) uminterpretiert wird usw , existiert so etwas gar nicht. Wer innerhalb einer Gruppe dennoch so etwas wahrnimmt (z.B. die Realität erkennt), wird er von der Gruppe (direkt oder indirekt) als Außenseiter abgestempelt, für "dumm" oder "ängstlich" gehalten und ggf. geächtet oder verspottet. 

 

Warum wehrt sich niemand gegen gefährliche Psychopathen,

gegen bestimmte politische Fehlentscheidungen oder Fehlentscheidungen in Unternehmen?

Hier handelt es sich im Prinzip um die zuvor beantwortete Frage:  "Warum reagieren vorab immer nur ganz wenige Menschen bei Gefahr?" Auch hier wirken psychologische Mechanismen, die auf dem Effekt des Sozialen Einflusses basieren. Am einfachsten lässt sich dies mit dem Effekt der Pluralistischen Ignoranz erklären. In diesem Zusammenhang wirken aber auch viele weitere Effekte wie z.B. der Zuschauer-Effekt oder Bystander-effect.

Wissen: Pluralistische Ignoranz

Die Untersuchung der pluralistischen Ignoranz erfolgt ebenfalls in der Sozialpsychologie. Der Effekt basiert auf Sozialem Einfluss und dem Effekt der Sozialen Wahrnehmung. Wann tritt Pluralistische Ignoranz auf und was passiert?


Pluralistische Ignoranz tritt auf, wenn sich ein Mensch sich in einer mehrdeutigen, schwer einschätzbaren Situation befindet und nicht weiß, was zu tun ist. Man schaut sich dann um und beobachtet, was die anderen tun. Dabei üben die beobachteten Personen – ohne, dass diese zwingend aktiv etwas tun müssen - durch ihre reine Anwesenheit informativen sozialen Einfluss auf den Beobachter aus.

 

Der Effekt tritt z.B. in Notsituationen auf, in denen es eigentlich darum geht, eine Situation richtig einzuschätzen und zu handeln (helfen, fliehen, sich wehren etc.). Aufgrund des Effektes nimmt jeder einzelne Beobachter dann an, es bestünde kein Problem, da augenscheinlich kein anderer Beobachter betroffen wirkt oder sich irgendein ernstzunehmendes Anzeichen von Angst oder Panik oder von Kritik oder Widerstand zeigt.

 

Pluralistische Ignoranz Die Basis des Effektes

Pluralistische Ignoranz basiert auf dem Effekt des sozialen Einflusses (Social Cognition Effekt). Er beschreibt keinen Wahrnehmungsfehler an sich, sondern eine Situation, in der ein bestimmter Wahrnehmungsfehler (hier: Der Effekt des sozialen Einflusses) erfolgt. Geprägt wurde der Begriff von Daniel Katz und Floyd H. Allport 1931. Verwendet wurde der Begriff der Pluralistischen Ignoranz u.a. im sogenannten „Decision model of bystander intervention“ von Latané & Darley. Anhand dieses Modells wird die Hilfeleistung bzw. das Unterlassen der Hilfeleistung in Notsituationen (durch die Menge der Zeugen) erklärt (Bystander-Effekt).

 

Pluralistische Ignoranz Was passiert in den Köpfen der Menschen?

Bei diesem Effekt gehen Menschen fälschlicherweise davon aus, dass die Mehrheit der anderen Menschen eine Situation (z.B. Norm, einen Umstand, ein Verhalten, ein Gesetz etc.) akzeptiert. Einfach ausgedrückt, könnte man den Effekt wir folgt zusammenfassen: „Jeder glaubt, dass alle anderen daran glauben, während in Wirklichkeit keiner daran glaubt" Fakt ist: Bei einer größeren Zahl von Umstehenden wird die Bereitschaft größer, eine gefährliche Situation eben nicht als Notfall einzuschätzen bzw. eine entsprechende Handlungsnotwendigkeit zu erkennen.

 

Pluralistische Ignoranz - Was steckt dahinter? Wie lässt sich der Effekt erklären?

Notsituationen sind oft sehr uneindeutig bzw. schwer zu deuten. Soll man nun fliehen? Soll man kämpfen? Oder bildet man sich ein Problem bzw. eine Notsituation nur ein? Die Angst (bzw. das Schamgefühl), überzureagieren und sich ggf. vor anderen „lächerlich“ zu machen (z.B. indem man zu viel Angst zeigt), spielt hier eine wichtige Rolle.

Niemand möchte der erste sein, der sich dem Risiko aussetzt, sich vor den anderen schwach zu zeigen oder sich gar lächerlich zu machen. Daher warten Menschen manchmal bis auf die letzte Sekunde, zu fliehen, zu helfen oder sich zu wehren. Andere ergeben sich - allein durch ihr Unterlassen - dem Schicksal (ausbleibende Rettung, Tod, Etablieren totalitaristischer Gesetze, Etablieren totalitärer Systeme etc.)

 

Pluralistische Ignoranz - Wie funktioniert der Mensch in uneindeutigen Situationen?

Bevor man selbst vor den Augen der anderen ein vermeintlich falsches Verhalten zeigt, sammelt der Mensch in uneindeutigen Situationen zuerst einmal Indizien in Form sogenannter Hinweisreize, um eine Situation für sich richtig einzuordnen. Dabei versucht der Einzelne, Informationen über seine Umwelt zu gewinnen. Das Verhalten bzw. die Reaktionen seiner Mitmenschen nutzt der Einzelne dabei als Deutungshilfe. Wenn sich eine Gruppe von Menschen in einer mehrdeutigen, schwer einschätzbaren Situation befindet und keiner weiß, was zu tun ist, versuchen die Anwesenden aus der Beobachtung der jeweils anderen Personen irgendwie Hinweise auf mögliches sinnvolles Verhalten zu bekommen. Der Versuch, Hinweise von anderen Menschen zu bekommen, erfolgt auch ohne aktive Kommunikation. Menschen beobachten andere Menschen, um von ihnen Rückschlüsse auf eine Lage zu bekommen, insbesondere dann, wenn man selbst die Lage nicht richtig einzuschätzen weiß.

 

Pluralistische Ignoranz - Ursprung dieses Denkens

Dieser "Instinkt" stammt noch aus dem kollektivistischen Sippendenken der Steinzeit in Bezug auf Angst und Fluchtverhalten. Wenn Sippenmitglieder beunruhigt wirkten (z.B. weil jemand aus der Gruppe ein Knacken hinter den Büschen hörte) und dies Rückschlüsse auf einen möglichen Angriff eines Raubtiers (z.B. eines Säbelzahntigers) zuließ, mussten auch die anderen der Gruppe adäquat reagieren (z.B. mit Angriff- oder Fluchtverhalten), um sich selbst zu schützen und auch, um in der Gruppe gemeinschaftlich zu funktionieren. Folglich ist der Effekt eigentlich positiv gemeint. Leider kann er, insbesondere in der heutigen Zeit, die viel vielschichtiger ist, zu Fehlreaktionen (z.B. Unterlassen) führen (z.B. weil sich Menschen immer sicherer fühlen und quasi abgestumpft sind und die Wahrnehmung von Gefahren quasi über den Lern- und Sozialisationsprozess verlernt haben oder weil sie im gesellschaftlichen Image-Kontext eher cool und gelassen wahrgenommen werden wollen).

 

Pluralistische Ignoranz - Niemand tut etwas

Gruppen üben auf ihre Mitglieder informativen sozialen Einfluss aus. Wenn die anderen aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht reagieren oder sie ebenfalls ratlos sind, reagiert keiner (z.B. auf eine Gefahr). Zusammen mit der Verantwortungsdiffusion führt dies in besonderen Situationen (z.B. Notfallsituation) dazu, dass niemand etwas unternimmt, niemand einschreitet und niemand hilft - allein dadurch, dass sich der Einzelne dem passiven Verhalten der Menge anpasst. Dies kann fatale Folgen haben.

 

Pluralistische Ignoranz Zivilcourage

Nur wenn sich jemand traut, sich eigensinnig von der Gruppe zu lösen oder diese aktiv zur Reaktion zu bewegen, kann Hilfe erfolgen. Die Chancen, dass sich einzelne Personen aus dem System der pluralistischen Ignoranz herauslösen, sind jedoch sehr gering, allein dadurch, weil der Social Cognition Effect so stark wirkt. Um in einer Notfallsituation zu überleben, muss es in Gruppen bzw. Gesellschaften daher Menschen geben, die sich aus der Gruppe herauslösen (z.B. als erste handeln) oder in der Gruppe generell zum Modell werden. Sofern sich derartige Persönlichkeiten wirklich finden, können allmählich auch die anderen reagieren und als "Bystander" folgen. Sofern aber niemand sich als erster regt, kann großes Unheil über eine Gruppe kommen, allein deshalb, weil niemand etwas gegen das Unheil unternimmt, davor flieht oder dagegen ankämpft.

 

Zuschauer Effekt / Bystander-effect / non-helping-bystander effect / Genovese Syndrom

Was beschreibt der Effekt?
Der "Zuschauer Effekt" bzw. "bystander effect", der auch als "non-helping-bystander effect" oder "Genovese-Syndrom" bezeichnet wird, beschreibt das Phänomen, dass einzelne Augenzeugen eines Unfalls oder eines kriminellen Übergriffes insbesondere dann mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit eingreifen bzw. Hilfe leisten, wenn weitere Zuschauer (engl. bystander „Dabeistehende“) anwesend sind.

 

Wie erklärt sich der Effekt?

Der Effekt liegt im archaischen Sippendenken des Menschen als soziales Wesen begründet. Der Einzelne überträgt die Verantwortung an das Kollektiv. Niemand möchte den ersten Schritt tun. Der Einzelne möchte sich nicht blamieren bzw. sich vor den anderen lächerlich machen. Alternativ ist der Einzelne auch zu bequem, den ersten Schritt zu tun oder er traut sich von seinem Kompetenz-Empfinden nicht zu, zu handeln.

 

Die individuellen Gründe liegen in der individuellen Persönlichkeit. Der Effekt selbst wirkt aber unabhängig (!) davon. Er basiert auf dem Effekt des sozialen Einflusses. Dieser Effekt führt dazu, dass das eigenständige Denken und Handeln ausgeblendet wird und sich dem tatsächlichen oder nur vorstellten Denken und Verhalten der Gruppe unterstellt.


Woher stammt der Begriff "Genovese-Syndrom"?

Der Begriff „Genovese-Syndrom“ basiert auf dem Namen von Kitty Genovese, einer US-Amerikanerin aus New York City, die 1964 auf dem Weg zu ihrem Wohnhaus einem Mordanschlag zum Opfer fiel. Der Anschlag auf  Kitty Genovese zog sich über etwa eine halbe Stunde hin und geschah an verschiedenen Orten. Mindestens 38 Personen aus der Nachbarschaft beobachteten den Überfall, ohne dass der jungen Frau irgendjemand zu Hilfe kam.

 

Wer meint, so etwas sei ein Einzelfall, der täuscht sich. O.g. Effekte belegen, dass es sich vorab sogar um eine Regel handelt. Diese Tatsache wird lediglich selten bemerkt oder von Menschen aufgrund des sogenannten "gesunden Menschenverstandes" nicht für möglich gehalten. Hinzu kommt die darauf basierende Ausblendung derartiger Wahrnehmungs-Reize durch den Effekt der Selektiven Wahrnehmung. Wer ein derartiges Handeln nicht für möglich hält, der nimmt es auch nicht oder nur wenig bzw. selten wahr. Folglich führt dies in der individuellen Wahrnehmung zu der Annahme von Seltenheit bzw. von Ausnahmeerscheinungen. Das Phänomen wurde mittlerweile abereingehend untersucht, ebenso der grundlegende Effekt des Sozialen Einflusses.

 

Der Mord an Kitty Genovese veranlasste die Psychologen John M. Darley von der New York University und Bibb Latané von der Columbia University das Nichteingreifen der Zeugen wissenschaftlich zu untersuchen. Als Hauptursachen des Verhaltens identifizierten die Forscher die Aufteilung der Verantwortung sowie Pluralistische Ignoranz. Die Forschungsarbeiten von Darley und Latané motivierten zu vielen weiteren sozialpsychologischen Studien über prosoziales Verhalten. Forschungen, welche die Ursachen für das Phänomen der unterlassenen Hilfeleistung untersuchen, betonen die starke Bedeutung von Gruppenprozessen und Gruppendynamik.

 

Pluralistische Ignoranz Unterschiedliche Theorien zur Ursache

 

Theorie 1:

Die Notwendigkeit oder Dringlichkeit einer Hilfeleistung kann von den Umstehenden nicht eindeutig eingeschätzt werden. Die Personen unterlassen Hilfeleistung, weil sie befürchten, dass sie sich blamieren, wenn sie in einer Situation eingreifen, die für die betroffene(n) Person(en) nicht bedrohlich ist.

 

Theorie 2:

Bei einer größeren Zahl von Umstehenden wird die Bereitschaft größer, die Situation nicht als Notfall einzuschätzen (pluralistische Ignoranz). Die anderen Umstehenden sehen offenbar auch keinen Notfall, denn niemand sonst hat bisher eingegriffen.

 

Theorie 3:

Bei einer größeren Zahl von Umstehenden kommt es zu einer Verantwortungsdiffusion: Verantwortungsteilung auf die Zahl der Zuschauer bezogen mit gleichzeitiger Abnahme der Eigenverantwortung. Es wird darauf gewartet, dass eine andere Person eingreift bzw. den ersten Schritt einer Intervention wagt.

 

Theorie 4:

Nach der Reaktanz-Theorie fühlt sich eine um Hilfe gebetene Person von dieser Bitte in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeengt. Als Gegenreaktion wird sie dazu tendieren, Hilfe zu verweigern.