Wissen: Borderline

Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) - Borderline-Syndrom

Abgrenzung von cholerischem Temperament

Fachwissen Borderline-Syndrom, Borderline-Persönlichkeitsstörung: Symptome, Problematik, Diagnose und Behandlung von Borderline

Definition

Bei der Borderline-Störung handelt es sich um eine schwerwiegende psychiatrisch relevante Persönlichkeitsstörung, die durch Impulsivität und Instabilität von Emotionen und Stimmungen charakterisiert ist, die eigene Identität und das zwischenmenschliche Beziehungsleben umfasst -  und mit heftigen Stimmungs- und Gefühlsschwankungen einhergeht, was zu extremer innerlicher Anspannung führen kann, die von den Betroffenen oft mit selbstschädigenden Verhaltensweisen zum Zwecke der Spannungsminderung kompensiert werden. "Borderline" steht für den Grenzgang zwischen Neurose und Psychose. Es handelt sich um eine Unterform der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung.

 

Symptome / Erleben / Problematik
Menschen mit einer Borderline-Störung fühlen sich innerlich zerrissen, haben ein gestörtes Selbstbild und eine gestörte Körperwahrnehmung. Sie leiden unter massiven Ängsten vor dem Alleinsein und instabilen Beziehungen. Neben den Spannungszuständen verspüren Menschen mit einer Borderline-Störung auch intensive Emotionen wie Schuld, Scham, Ohnmacht und Selbstverachtung. Häufig besteht ein Nebeneinander von Sehnsucht nach Geborgenheit und stark ausgeprägter Angst vor sozialer Nähe. Diese Gefühlswelt beeinflusst das Beziehungsleben. Die großen Schwankungen des Selbstwertgefühls erschweren eine zufriedenstellende Beziehung. Die Angst vor dem Verlassenwerden ist ein zentraler Aspekt der Erkrankung und kann ein existentielles Ausmaß annehmen.

 

Die eigene Gefühlswelt sowie die ständigen scheinbaren Unsicherheiten im zwischenmenschlichen Bereich, führen wiederum zu Spannungszuständen. Oft scheitern partnerschaftliche Beziehungen, weil der gesunde Partner mit den Gefühls-, Stimmungs- und Selbstwertschwankungen des Borderline-Betroffenen nicht zurechtkommt. 

 

Manche Borderline-Betroffene erleben sogenannte Derealisationen oder Depersonalisationen. Bei einer Derealisation wird die Umwelt als fremd und unwirklich wahrgenommen. Bei einer Depersonalisation empfinden die Betroffenen ihr eigenes Ich als fremd. Ihre Gefühle erscheinen ihnen wie losgelöst von ihrer Person. Ein weiteres Anzeichen für Borderline ist das „Schwarz-Weiß-Denken“ in Bezug auf Sachverhalte und/oder Mitmenschen. Hier kommt es zu  plötzlichen Umschwüngen: So können Borderline-Betroffene bestimmte Personen zunächst regelrecht idealisieren, um sie dann bei der kleinsten enttäuschten Erwartung extrem abzuwerten. 

 

Ursachen

Anmgeblich ursächlich für eine Borderline-Störung ist das Zusammenspiel zwischen genetischen Faktoren und frühen traumatischen Erfahrungen. So berichten etwa über die Hälfte der Betroffenen von schwerwiegendem Missbrauch und über 60% von emotionaler Vernachlässigung. Fast alle Betroffenen berichten über ein soziales Umfeld, in welchem sie sich in hohem Maße als fremd, gefährdet und gedemütigt erlebt haben. Mehr als 60% der Betroffenen hat mindestens einen Suizidversuch verübt. Die ersten Anzeichen treten meist bereits im Jugendalter auf. Die meisten Betroffenen haben Schwierigkeiten, eine Berufsausbildung abzuschließen. Viele verbringen Jahre ihres Lebens in psychiatrischen Kliniken. 

 

Typen
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet zwei Borderline-Typen: Den impulsiven Borderline-Typ, der vor allem durch Impulsivität und Unberechenbarkeit auffällt, und den Borderline-Typ, der vor allem durch ein gestörtes Selbstbild und Beziehungsverhalten geprägt ist. 

 

Diagnose
Um die Diagnose einer Borderline Persönlichkeitsstörung (gemäß ICD 10) stellen zu können, müssen somit mindestens drei der folgenden Merkmale zutreffen:

 

- Deutliche Tendenz, unerwartet und ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln (fehlende Impulskontrolle)

- Deutliche Tendenz zu Streitereien und Konflikten mit anderen,

  vor allem, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden.

- Neigung zu Wutausbrüchen oder Gewalt mit Unfähigkeit, das explosive Verhalten zu kontrollieren

- Schwierigkeiten, Handlungen beizubehalten, die nicht unmittelbar belohnt werden

- Unbeständige Launen, Stimmungsschwankungen, Gefühlsschwankungen (Affektinstabilität)

 

Zusätzlich müssen mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllt sein, die für Borderline-Syndrom spezifisch sind:

 

- Störungen und Unsicherheit des Selbstbilds, der persönlichen Ziele und Vorlieben (einschließlich der sexuellen)

- Neigung, sich in intensive, aber instabile Beziehungen einzulassen, oft mit der Folge emotionaler Krisen

- Übertriebene Bemühungen, ein Verlassenwerden zu vermeiden

- Selbstverletzendes Verhalten, Suiziddrohungen und -versuche

- Anhaltende Gefühle von Leere

 

Behandlung
Die Behandlung erfolgt über eine Psychotherapie. Manche Betroffene erhalten zusätzlich eine medikamentöse Therapie. Zuständig ist ein Facharzt für Psychiatrie. Stimmungs-Stabilisierer wie Lithium können dabei unterstützen, extreme Gefühlszustände in den Griff zu bekommen. Menschen, die unter starken Angstzuständen leiden,  können mit Benzodiazepinen behandelt werden. Treten zudem Depressionen auf, kommen selektive Serotonin- Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) zum Einsatz.

Abgrenzung

Abgrenzung des Störungsbildes
Im Bereich des Gesundheitswesens wird anhand der o.g. "Symptome" und entsprechender Ähnlichkeit mit bestimmten Wesenszügen gerne und schnell eine Borderline-Störung diagnostiziert, obgleich es sich bei dem Betroffenen ggf. auch um ein cholerisches Temperament bzw. eine  persönlichkeits- und kommunikationspsychologisch relevante Überreaktion beim Triggern durch bestimmte Reize / aversive Stimulationen bei der Chiffrierung von (als Botschaften aufgefassten) Nachrichten auf der Beziehungsebene handeln kann. Zur Abgrenzung folgen einige Erklärungen:  

 

Cholerisches Temperament

Der Begriff kommt vom griechischen Adjektiv cholerikos, was "gallig" bedeutet. Die Bezeichnung für einen solch aufbrausenden Menschen beruht auf der früheren Temperamentenlehre, ein von der antiken Humoralpathologie abgeleitetes Persönlichkeitsmodell, das Menschen nach ihrer Grundwesensart kategorisiert.

 

Als cholerisch bezeichnet man Menschen, die schnell erregbar, aufbrausend, aggressiv und jähzornig sind und plötzlichen, heftigen und scheinbar grundlosen Wutausbrüchen neigen. Von ihrem sozialen Umfeld werden Choleriker daher oft als sehr unangenehm empfunden, da sich ihre Wut meist gegen andere richtet - und sie in ihrem Wutausbruch laut, aggressiv und verletzend werden können, was beim Gegenüber Hilflosigkeit, Ärger und  Angst auslösen kann.

 

Ursächlich für Wutausbrüche sind individuell verschiedene Auslöser. Das Verhalten eines Cholerikers bzw. einer Cholerikerin stellt eine Art Abwehr-Überreaktion dar, ähnlich einer Allergie. Worauf der Choleriker "allergisch" reagiert bzw. was ihn konkret "triggert" ist individuell unterschiedlich. Nicht selten sind es Kleinigkeiten, die Choleriker regelrecht zum Platzen bringen. Beim Wutausbruch eines Cholerikers kommt es durch das Triggern bestimmter Prinzipien, Einstellungen und Glaubenssätze zu einer regelrechten Entladung. Dahinter können ungelöste, aufgestaute Probleme, traumatische Erlebnisse und Blockaden stehen, die in konkreten Situationen wieder hochkochen.

 

Ein geringes Selbstwertgefühl kann ebenso mit ursächlich sein. Die Betroffenen hören mit dem Beziehungsohr hin, decodieren Nachrichten als "Botschaften" auf der Beziehungsebene, beziehen alles auf sich, nehmen die Dinge des Alltags schnell persönlich und haben das Gefühl, sich wehren zu müssen. Insofern sind cholerische Wutausbrüche ein Zeichen von Hilflosigkeit und Überforderung. 

 

Ansonsten verfügen Choleriker über viel Energie. Sie sind begeisterungsfähig und mitreißend, gelten als sehr willensstark und motiviert, Dinge anzupacken und Leistung zu bringen. Am Besten hilft hier ein ganzheitliches Coaching: 

Neben der Analyse und Bearbeitung innerer Konflikte (Tiefenpsychologie), gilt es zu lernen, negative Gefühle rechtzeitig zu erkennen, kognitiv wie emotional umzudeuten und Ärger unter Kontrolle zu halten ((Verhaltenspsychologie). Neben dem Thema Konfliktmanagement, dem Managen innere Konflikte, müssen die Betroffenen lernen, sich in aggressionsauslösenden und aggressionsfördernden Situationen angemessen auszudrücken.

 

Ein Anti-Aggressions-Training sowie ein Konflikt- und Deeskalationstraining + positive Gedankenkontrolle und Autogenes Training zur Veränderung der Impuls-Reaktionskette ist ebenso empfehlenswert wie ein Coaching in Sachen kommunikativen Konfliktverhaltens (z.B intelligentes souveränes Reaktionsverhalten, Gewaltfreie Kommunikation, Aktives Zuhören, Fragetechniken, Schlagfertigkeit, Durchsetzung, 3-Satz und 4-Satz-Technik). Förderlich ist auch der Erwerb von Wissen in Bezug auf Wahrnehmungsfehler.