Wissen: Tiefenpsychologie / Psychoanalyse

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bzw. Analytische Psychotherapie

Was ist Tiefenpsychologie / Psychoanalyse? Psychoanalyse als Theorie, Methode und Therapie - Psychologie-Wissen Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie / analytische Psychotherapie. Psychoanalyse in Solingen, Hilden, Haan, Mettmann, Langenfeld

Einleitung
Spannungen, Störungen und Blockaden entstehen immer dann, wenn ein Mensch wichtige Erfahrungen leugnet oder unterdrückt: Entweder um das Selbstbild nicht zu gefährden oder weil sie viel zu tief in uns schlummern, uns völlig unbewusst und unzugänglich sind. Dennoch wirken sie aus der Tiefe aus unserem Unbewussten heraus und es gilt, sie aufzuspüren, sich die Umstände bewusst zu machen und sich ihnen zu stellen. Ein Psychoanalytiker hilft dabei.

Die tiefenpsychologisch fundierte bzw. analytische Psychotherapie kennt im Prinzip jeder vom Klischee-Bild vom "Liegen auf der Couch" und von Sigmund Freund, dem bekannten Begründer der Psychoanalyse bzw. der "Enträtselung der Seele". Aus der Psychoanalyse haben sich später die verschiedenen Schulen der Tiefenpsychologie entwickelt. Der Begriff Psychoanalyse steht sowohl für das auf Freuds Theorien über die Psychodynamik des Unbewussten gegründete Beschreibungs- und Erklärungsmodell der menschlichen Psyche als auch für die analytische Psychotherapie und für die psychoanalytische Methodik.

 

Die Psychoanalyse als Theorie
In der Hauptsache ist die Psychoanalyse eine Theorie über unbewusste psychische Vorgänge. Nach Freud beschränkt sie sich nicht auf das Individuum, sondern hat darüber hinaus zum Ziel, eine umfassende Konzeption des Mentalen und der Körperlichkeit auch in den soziokulturellen Bereichen zu erarbeiten. Freuds Modell der Psyche besitzt drei Instanzen: Das "Es", das "Ich" und das "Über-Ich.  Es geht um den Sitz der angeborenen Bedürfnisse, des ihrer Stillung dienenden Beurteilens der Umwelt und der während dessen verinnerlichten Erfahrungen.

 

Zum Grundprinzip der Tiefenpsychologie gehört der Prozess der "Verdrängung". Das Ansinnen der Psychoanalyse ist die Aufhebung der Verdrängung und die Wiederbewusstmachung der davon betroffenen Es-Anteile. Die dafür aufzubringenden Anstrengungen verglich Freud mit einem seinerzeit berühmten zivilisatorischen Großprojekt: die Trockenlegung der Zuidersee. Psychoanalytiker der auf Freud folgenden Generationen haben die Psychoanalyse in vielfältige Richtungen weiterentwickelt, teils mit seinen Grundanschauungen übereinstimmend, teils weit von ihnen abweichend.

 

 

Die Psychoanalyse geht davon aus, dass die menschliche Persönlichkeit sich das ganze Leben über in Entwicklung befindet und dabei verschiedene Phasen mit je besonderen thematischen Schwerpunkten durchläuft. Besonders prägenden Einfluss auf die erwachsene Form der Psyche haben die frühen Phasen der Entwicklung. Während Freud seine theoretische Aufmerksamkeit hierbei auf die psychosexuelle Entwicklung legte, gibt es natürlich auch viele weitere relevante Lebensepisoden und Zeitabschnitte, in denen der Mensch besonders empfänglich für Einflüsse ist, die zu späteren Störungen führen.

 

Psychoanalyse als Methode

Die Psychoanalyse ist ebenfalls eine Methoden zur Untersuchung des menschlichen Erlebens, Denkens und Verhaltens – sowohl einzelner Menschen (z. B. Entwicklungspsychologie, Psychopathologie) als auch von Gruppen (Massenpsychologie) und Kulturen (Ethnopsychoanalyse). Leitidee ist, dass sich hinter der wahrnehmbaren „Oberfläche“ von Verhaltensweisen, aber auch hinter Normen und Werten einer kulturellen Gemeinschaft oft unbewusste, dem "Ich" nicht ohne Weiteres bewusst zugängliche Inhalte und Bedeutungen verbergen, die sich mit Hilfe der Psychoanalyse jedoch aufdecken lassen und verständlich werden.

 

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Psychoanalyse als Therapie

Im engeren Sinn ist die Psychoanalyse ein psychotherapeutisches Behandlungsverfahren. Im Unterschied zu den übenden bzw. trainierenden Verfahren (wie Verhaltenstherapie) zählt die Psychoanalyse zu den aufdeckenden Therapien, die versuchen, dem Patienten ein vertieftes Verständnis für die ursächlichen, ihm bislang meist unbewussten Zusammenhänge seines Leidens zu vermitteln. Es wäre jedoch ein Missverständnis, im Gewinn solcher Einsichten das eigentliche Ziel einer psychoanalytischen Therapie zu vermuten. Vielmehr geht es darum, dem Klienten eine weitgehende Umstrukturierung seiner Persönlichkeit insbesondere in denjenigen Bereichen ihres Gefühlslebens und zwischenmenschlichen Verhaltens anempfohlen, die symptomatisch ins Leiden involviert waren.

 

Die klassische Psychoanalyse findet in drei bis fünf Sitzungen von je 50 Minuten Dauer pro Woche statt, oft über mehrere Jahre. Der Patient liegt in der Regel auf einer Couch und sagt möglichst unzensiert alles, was ihn gerade bewegt bzw. ihm durch den Sinn geht (freies Assoziieren). Der Analytiker sitzt hinter ihm, hört mit einer Haltung „gleichschwebender Aufmerksamkeit“ zu und händigt dem Klienten, wann immer er einen dafür geeigneten Moment sieht, die während des psychoanalytischen Prozesses erarbeiteten Annahmen aus („Deutung“), damit der Klient sie seinerseits prüfe. Insbesondere bemüht sich der Analytiker, die sich in der Beziehung zu ihm einstellenden Übertragungen typischer emotionaler Muster bzw. Motive des Analysanden aufzuspüren, und ihre Bedeutung innerhalb der Psychodynamik des Klienten zu interpretieren, um sie einer Veränderung zugänglich zu machen („Übertragungsanalyse“). Auch die Traumanalyse kommt während der analytischen Behandlung zur Anwendung – nach Freud der Königsweg zur Erkundung des Unbewussten.

 

Neben der „großen“ psychoanalytischen Therapie mit bis zu 300, von der gesetzlichen Krankenversicherung finanzierbaren Sitzungen sind heute kürzer dauernde tiefenpsychologische Therapieformen weit verbreitet (siehe unter anderem analytische Psychotherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie), bei denen sich Analytiker und Analysand gegenübersitzen und sich ein- bis zweimal wöchentlich treffen. 

 

Fazit: Befreiung von verinnerlichten Fremdbestimmungen

Im Bereich der Tiefenpsychologie wird also davon ausgegangen, dass der oder die Auslöser für Probleme in unserem Unterbewusstsein verankert ist / sind, dort schlummern und ohne die Möglichkeit, dies mit dem bewussten Willen steuern zu können, von hier aus unser Denken, Handeln und Fühlen beeinflussen. Es geht folglich um automatische unbewusste Faktoren, die zu inneren Konflikten führen. Als Laie muss man sich das vorstellen wie eine sehr tiefe Verletzung (Trauma), die man selbst nicht sieht. Ein Arzt kann diese innere "Verletzung" ebenfalls nicht sehen - und auch ein Psychoanalytiker kann so etwas nur vermuten bzw. erfahrungsgemäß erahnen. Seine Aufgabe besteht darin, den Patienten / Klienten gedanklich wieder genau dort hin zu führen, wo die Verletzung bzw. das Trauma entstanden ist. Im Gegensatz zur Verhaltenstherapie, die mehr auf Techniken basiert, bedarf die Psychoanalyse sehr viel Erfahrung und Deutungsvermögen.    

 

Neben Konflikten bestehen ggf. Entwicklungsdefizite oder der Einfluss traumatischer Erfahrungen in Bezug auf seelische Verletzungen. Die Psychoanalyse geht von engen Wechselwirkungen zwischen Konflikt und Trauma aus, wobei die Grenzen zwischen äußeren Traumatisierungen und inneren Konflikten, die zu Traumata werden, nicht immer eindeutig gezogen werden können.

 

Unter Überwindung eigener Widerstände geht der Klient mit Hilfe des Therapeuten innerlich an jenen Punkt in seiner Entwicklung zurück, an dem die Störung eingesetzt hat bzw. das Trauma entstanden ist, um von dort aus einen Neustart im Schutz der therapeutischen Beziehung zu versuchen (Regression).  Die "Kunst" des Therapeuten liegt hier nicht etwa nur bei der Rückführung zu vergangenen Konflikten und Traumata und in der Beobachtung und Deutung sprachlicher Aussagen-Details des Klienten, sondern auch in der Handhabung falscher (alter) Erwartungen, die sich an den Therapeuten richten (Übertragung) sowie an der Handhabung des Widerstands und der Regression.

 

Die emotionale Antwort des Therapeuten auf Übertragung, Regression und Widerstand bezeichnet man als Gegenübertragung. Sie besteht aus fein abgestuften emotionalen Reaktionen, die der Therapeut zum Verständnis des unbewussten Geschehens nutzt. Jedoch teilt der Therapeut dem Klienten seine eigene emotionale Befindlichkeit nie direkt mit, sondern erst, nachdem er dies in Beziehung zum Erleben seines Patienten gesetzt hat. In der psychoanalytischen Therapie  reden Therapeuten nicht viel. Sie lassen reden bzw. erzählen. Sie sind deshalb aber weder distanziert noch unnahbar, drängen sich aber auch nicht auf. Es geht darum, dass der Patient redet - und zwar das, was ihm so gerade einfällt oder bei einer bestimmten Frage durch den Kopf geht z.B. Erinnerungen, Ärger, Gefühle etc.  

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