Psychoanalyse tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Viele Menschen suchen psychotherapeutische Hilfe, wenn sie merken, dass sich bestimmte Muster, Sorgen oder Konflikte immer wiederholen – trotz bester Vorsätze oder Einsicht. Während die Verhaltenstherapie eher darauf abzielt, im Hier und Jetzt neue Denk- und Verhaltensweisen zu erlernen, richtet die Psychoanalyse ihren Blick tiefer: Sie fragt nach den verborgenen Ursachen hinter dem sichtbaren Verhalten.
In der Psychoanalyse und der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie geht es darum, unbewusste innere Konflikte, Erfahrungen und Beziehungsdynamiken zu verstehen, die unser Fühlen, Denken und Handeln beeinflussen – oft, ohne dass wir es bemerken. Diese aufdeckenden Verfahren gehen davon aus, dass seelische Spannungen und Symptome Ausdruck ungelöster innerer Konflikte sind. Heilung entsteht nicht durch Training oder Techniken, sondern durch Verstehen, Bewusstwerden und emotionale Verarbeitung.
Der Hintergrund
Spannungen, Störungen und Blockaden entstehen immer dann, wenn ein Mensch wichtige Erfahrungen leugnet oder unterdrückt: Entweder um das Selbstbild nicht zu gefährden oder weil sie viel zu tief in uns schlummern, uns völlig unbewusst und unzugänglich sind. Dennoch wirken sie aus der Tiefe aus unserem Unbewussten heraus und es gilt, sie aufzuspüren, sich die Umstände bewusst zu machen und sich ihnen zu stellen. Ein Psychoanalytiker hilft dabei.
Abgrenzung der Psychoanalyse zur Verhaltenstherapie
Die Psychoanalyse und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie gehören zu den sogenannten aufdeckenden Verfahren der Psychotherapie. Im Mittelpunkt steht dabei nicht das bloße „Ändern“ eines Verhaltens, sondern das Verstehen seiner tieferliegenden Ursachen.
Während sich eine Verhaltenstherapie stärker auf das Hier und Jetzt fokussiert - und darauf abzielt, durch gezielte Übungen, neue Denk- und Verhaltensweisen zu erlernen, neue Denkmuster und Verhaltensstrategien zu implementieren und konkrete Symptome zu verringern, richtet die Psychoanalyse ihren Blick tiefer:
Nach innen und zurück – auf die oft unbewussten Konflikte, Erfahrungen und Beziehungsdynamiken, die unser Erleben und Handeln prägen. Die Psychoanalyse fragt also nach den verborgenen Ursachen hinter dem sichtbaren Verhalten.
Aus psychoanalytischer Sicht entstehen seelische Spannungen, Blockaden oder Symptome nicht zufällig, sondern als Ausdruck ungelöster innerer Konflikte. Diese liegen häufig in frühen Lebenserfahrungen begründet und wirken, ohne dass wir es merken, in unsere Gegenwart hinein.
Die analytische Psychotherapie hilft, diese verborgenen Zusammenhänge - und damit zugleich Ursachen für bestimmte Probleme - zu erkennen und zu verstehen – und ermöglicht so tiefgreifende Veränderungen im Erleben und in den Beziehungen zu anderen Menschen.
Im Gegensatz zur Verhaltenstherapie, die vor allem an der bewussten Steuerung von Denken und Verhalten ansetzt, vertraut die Psychoanalyse auf die heilende Wirkung des Bewusstwerdens: Sie geht davon aus, dass erst das Erkennen und Durcharbeiten der unbewussten seelischen Dynamik langfristige innere Freiheit und Selbstverstehen ermöglicht.
Psychotherapie als eine Art innerer Forschungsreise
So wird Psychotherapie zu einer Art innerer Forschungsreise, bei der man lernt, die eigene seelische Landkarte neu zu lesen – mit Unterstützung eines Therapeuten, der nicht vorschreibt, was zu tun ist, sondern hilft, zu entdecken, warum man so fühlt und handelt, wie man es tut.
Die Psychodynamik des Unbewussten
Die „Psychodynamik des Unbewussten“ beschreibt das innere Zusammenspiel unserer bewussten und unbewussten seelischen Kräfte. Die Psychodynamik des Unbewussten beschreibt die inneren seelischen Kräfte, die – oft unbemerkt – unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen. Die Psychodynamik des Unbewussten meint also das innere Wechselspiel dieser seelischen Kräfte:
zwischen dem, was wir wollen,
dem, was wir dürfen,
und dem, was wir fürchten oder vermeiden.
Man kann sich das wie eine Art inneren Motor oder eine unsichtbare Regie vorstellen, die unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst – oft, ohne dass wir merken, was da genau wirkt.
In uns wirken verschiedene „Anteile“ oder „Impulse“: Wünsche, Ängste, Erinnerungen, Bedürfnisse, innere Regeln und moralische Vorstellungen. Wenn diese miteinander in Konflikt geraten – zum Beispiel, wenn ein starkes Bedürfnis mit einem inneren Verbot kollidiert –, entsteht innere Spannung oder ein Symptom (z. B. Angst, Schuldgefühl, Rückzug, körperliche Beschwerden). Diese Spannungen nennt man die Psychodynamik – also die seelische Bewegung und Wechselwirkung zwischen bewussten und unbewussten Anteilen.
Ziel einer psychoanalytischen oder tiefenpsychologisch fundierten Therapie
Die Psychoanalyse geht davon aus, dass ein großer Teil unseres Erlebens nicht bewusst, aber dennoch wirksam ist.
Diese unbewussten Anteile – etwa verdrängte Konflikte, Wünsche oder Ängste – wirken weiter.
Wie bereits erwähnt, stehen Wünsche, Ängste, Bedürfnisse und moralische Vorstellungen manchmal miteinander im Konflikt. Wenn diese Kräfte nicht im Einklang sind, entstehen unbewusste Spannungen.
Diese Spannungen wirken aus dem Unbewussten heraus im Hintergrund weiter. Sie können sich z. B. als Selbstzweifel, körperliche Beschwerden, Beziehungsprobleme oder Überforderungsgefühle äußern, sich im heutigen Verhalten und Beziehungs-Verhalten zeigen und zu seelischen oder körperlichen Symptomen führen.
Ziel einer psychoanalytischen oder tiefenpsychologisch fundierten Therapie ist es, diese unbewussten Dynamiken zu erkennen und zu verstehen. Dadurch kann sich der innere Druck lösen, und der Mensch gewinnt mehr Freiheit, sich selbst und andere neu zu erleben. In der Therapie werden diese unbewussten Dynamiken bewusst gemacht, verstanden und neu eingeordnet, sodass innere Konflikte sich auflösen oder verändern können.
Veranschaulichendes Beispiel:
Ein Mensch hat als Kind z.B. gelernt, dass Ärger „nicht erlaubt“ ist, weil er dann Ablehnung erfahren hat. Heute reagiert er als Erwachsener in Konflikten nicht mit Ärger, sondern mit Rückzug oder Schuldgefühlen – obwohl ihn die Situation eigentlich wütend machen müsste. Die unbewusste Dynamik lautet: „Wenn ich Ärger zeige, verliere ich Zuneigung.“
Diese Dynamik wirkt unbewusst weiter – bis sie in der Therapie erkannt und verstanden wird. Erst dann kann sich das Verhalten verändern.
Sigmund Freund und die Couch
Die tiefenpsychologisch fundierte bzw. analytische Psychotherapie kennt im Prinzip jeder vom Klischee-Bild vom "Liegen auf der Couch" und von Sigmund Freund, dem bekannten Begründer der Psychoanalyse bzw. der "Enträtselung der Seele".
Aus der Psychoanalyse haben sich später die verschiedenen Schulen der Tiefenpsychologie entwickelt. Der Begriff Psychoanalyse steht sowohl für das auf Freuds Theorien über die Psychodynamik des Unbewussten gegründete Beschreibungs- und Erklärungsmodell der menschlichen Psyche als auch für die analytische Psychotherapie und für die psychoanalytische Methodik.
Die Psychoanalyse als Theorie
In der Hauptsache ist die Psychoanalyse eine Theorie über unbewusste psychische Vorgänge. Nach Freud beschränkt sie sich nicht auf das Individuum, sondern hat darüber hinaus zum Ziel, eine
umfassende Konzeption des Mentalen und der Körperlichkeit auch in den soziokulturellen Bereichen zu erarbeiten. Freuds Modell der Psyche besitzt drei Instanzen: Das "Es", das "Ich" und das
"Über-Ich. Es geht um den Sitz der angeborenen Bedürfnisse, des ihrer Stillung dienenden Beurteilens der Umwelt und der während dessen verinnerlichten Erfahrungen.
Grundprinzip der Tiefenpsychologie: Prozess der Verdrängung
Zum Grundprinzip der Tiefenpsychologie gehört der Prozess der "Verdrängung". „Verdrängung“ ist eines der zentralen Grundprinzipien der Tiefenpsychologie. Damit ist gemeint, dass bestimmte Gedanken, Erinnerungen oder Gefühle, die zu schmerzhaft, beschämend oder bedrohlich wären, um sie bewusst zuzulassen, unbewusst weggeschoben werden. Sie verschwinden also nicht wirklich – sie werden nur aus dem Bewusstsein verbannt.
Diese verdrängten Inhalte wirken jedoch weiter in unserem Inneren. Sie können sich auf verschiedene Weise bemerkbar machen – etwa durch wiederkehrende Konflikte, Ängste, körperliche Beschwerden, Stimmungsschwankungen oder unerklärliche Verhaltensmuster. Das Unbewusste sucht sozusagen nach einem „Ventil“, um sich auszudrücken.
In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie geht es darum, diese verdrängten Gefühle und Erfahrungen behutsam wieder bewusst zu machen, damit sie verstanden und verarbeitet werden können. Erst wenn das, was im Inneren wirkt, ans Licht kommt, kann wirkliche seelische Entlastung und Veränderung entstehen.
Das Ansinnen der Psychoanalyse ist die Aufhebung der Verdrängung und die Wiederbewusstmachung der davon betroffenen Es-Anteile.
Die dafür aufzubringenden Anstrengungen verglich Freud mit einem seinerzeit berühmten zivilisatorischen Großprojekt: Die Trockenlegung der Zuidersee. Psychoanalytiker der auf Freud folgenden Generationen haben die Psychoanalyse in vielfältige Richtungen weiterentwickelt, teils mit seinen Grundanschauungen übereinstimmend, teils weit von ihnen abweichend.
Die Psychoanalyse geht davon aus, dass die menschliche Persönlichkeit sich das ganze Leben über in Entwicklung befindet und dabei verschiedene Phasen mit je besonderen thematischen Schwerpunkten durchläuft.
Besonders prägenden Einfluss auf die erwachsene Form der Psyche haben die frühen Phasen der Entwicklung. Während Freud seine theoretische Aufmerksamkeit hierbei auf die psychosexuelle Entwicklung legte, gibt es natürlich auch viele weitere relevante Lebensepisoden und Zeitabschnitte, in denen der Mensch besonders empfänglich für Einflüsse ist, die zu späteren Störungen führen.
Psychoanalyse als Methode
Die Psychoanalyse ist eine Methode zur Untersuchung des menschlichen Erlebens, Denkens und Verhaltens – sowohl einzelner Menschen (z. B. Entwicklungspsychologie, Psychopathologie) als auch von Gruppen (Massenpsychologie) und Kulturen (Ethnopsychoanalyse). Leitidee ist, dass sich hinter der wahrnehmbaren „Oberfläche“ von Verhaltensweisen, aber auch hinter Normen und Werten einer kulturellen Gemeinschaft oft unbewusste, dem "Ich" nicht ohne Weiteres bewusst zugängliche Inhalte und Bedeutungen verbergen, die sich mit Hilfe der Psychoanalyse jedoch aufdecken lassen und verständlich werden.
Psychoanalyse als Therapie
Im engeren Sinn ist die Psychoanalyse ein psychotherapeutisches Behandlungsverfahren.
Im Unterschied zu den übenden bzw. trainierenden Verfahren (wie Verhaltenstherapie) zählt die Psychoanalyse zu den aufdeckenden Therapien, die versuchen, dem Patienten ein vertieftes Verständnis für die ursächlichen, ihm bislang meist unbewussten Zusammenhänge seines Leidens zu vermitteln.
Es wäre jedoch ein Missverständnis, im Gewinn solcher Einsichten das eigentliche Ziel einer psychoanalytischen Therapie zu vermuten.
Vielmehr geht es darum, dem Klienten eine weitgehende Umstrukturierung seiner Persönlichkeit insbesondere in denjenigen Bereichen ihres Gefühlslebens und zwischenmenschlichen Verhaltens anempfohlen, die symptomatisch ins Leiden involviert waren.
Therapeutischer Sinn & Nutzen: Befreiung von verinnerlichten
Fremdbestimmungen
Im Bereich der Tiefenpsychologie wird davon ausgegangen, dass der oder die Auslöser für Probleme in unserem Unterbewusstsein verankert ist / sind, dort schlummern und ohne die Möglichkeit, dies mit dem bewussten Willen steuern zu können, von hier aus unser Denken, Handeln und Fühlen beeinflussen.
Es geht folglich um automatische unbewusste Faktoren, die zu inneren Konflikten führen. Als Laie muss man sich das vorstellen wie eine sehr tiefe Verletzung (Trauma), die man selbst nicht sieht. Ein Arzt kann diese innere "Verletzung" ebenfalls nicht sehen - und auch ein Psychoanalytiker kann so etwas nur vermuten bzw. erfahrungsgemäß erahnen.
Seine Aufgabe besteht darin, den Patienten / Klienten gedanklich wieder genau dort hin zu führen, wo die Verletzung bzw. das Trauma entstanden ist. Im Gegensatz zur Verhaltenstherapie, die mehr auf Techniken basiert, bedarf die Psychoanalyse sehr viel Erfahrung und Deutungsvermögen.
Neben Konflikten bestehen ggf. Entwicklungsdefizite oder der Einfluss traumatischer Erfahrungen in Bezug auf seelische Verletzungen. Die Psychoanalyse geht von engen Wechselwirkungen zwischen Konflikt und Trauma aus, wobei die Grenzen zwischen äußeren Traumatisierungen und inneren Konflikten, die zu Traumata werden, nicht immer eindeutig gezogen werden können.
Unter Überwindung eigener Widerstände geht der Klient mit Hilfe des Therapeuten innerlich an jenen Punkt in seiner Entwicklung zurück, an dem die Störung eingesetzt hat bzw. das Trauma entstanden ist, um von dort aus einen Neustart im Schutz der therapeutischen Beziehung zu versuchen (Regression).
Die "Kunst" des Therapeuten liegt hier nicht etwa nur bei der Rückführung zu vergangenen Konflikten und Traumata und in der Beobachtung und Deutung sprachlicher Aussagen-Details des Klienten, sondern auch in der Handhabung falscher (alter) Erwartungen, die sich an den Therapeuten richten (Übertragung) sowie an der Handhabung des Widerstands und der Regression.
Die emotionale Antwort des Therapeuten auf Übertragung, Regression und Widerstand bezeichnet man als Gegenübertragung. Sie besteht aus fein abgestuften emotionalen Reaktionen, die der Therapeut zum Verständnis des unbewussten Geschehens nutzt. Jedoch teilt der Therapeut dem Klienten seine eigene emotionale Befindlichkeit nie direkt mit, sondern erst, nachdem er dies in Beziehung zum Erleben seines Patienten gesetzt hat.
In der psychoanalytischen Therapie reden Therapeuten nicht viel. Sie lassen reden bzw. erzählen. Sie sind deshalb aber weder distanziert noch unnahbar, drängen sich aber auch nicht auf. Es geht darum, dass der Patient redet - und zwar das, was ihm so gerade einfällt oder bei einer bestimmten Frage durch den Kopf geht z.B. Erinnerungen, Ärger, Gefühle etc.
Die übliche Durchführung
der klassischen Psychoanalyse findet in drei bis fünf Sitzungen von je 50 Minuten Dauer pro Woche statt, oft über mehrere Jahre. Der Patient liegt in der Regel auf einer Couch und sagt möglichst unzensiert alles, was ihn gerade bewegt bzw. ihm durch den Sinn geht (freies Assoziieren).
Der Analytiker sitzt hinter ihm, hört mit einer Haltung „gleichschwebender Aufmerksamkeit“ zu und händigt dem Klienten, wann immer er einen dafür geeigneten Moment sieht, die während des psychoanalytischen Prozesses erarbeiteten Annahmen aus („Deutung“), damit der Klient sie seinerseits prüfe.
Insbesondere bemüht sich der Analytiker, die sich in der Beziehung zu ihm einstellenden Übertragungen typischer emotionaler Muster bzw. Motive des Analysanden aufzuspüren, und ihre Bedeutung innerhalb der Psychodynamik des Klienten zu interpretieren, um sie einer Veränderung zugänglich zu machen („Übertragungsanalyse“). Auch die Traumanalyse kommt während der analytischen Behandlung zur Anwendung – nach Freud der Königsweg zur Erkundung des Unbewussten.
Neben der „großen“ psychoanalytischen Therapie mit bis zu 300, von der gesetzlichen Krankenversicherung finanzierbaren Sitzungen sind heute kürzer dauernde tiefenpsychologische Therapieformen weit verbreitet (siehe unter anderem analytische Psychotherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie), bei denen sich Analytiker und Analysand gegenübersitzen und sich ein- bis zweimal wöchentlich treffen.
Wissen zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie bzw. zur analytischen Psychotherapie (Psychoanalyse), den Prozess der Verdrängung, die schadhafte Wirkung aus dem Unbewussten / dem Unterbewusstsein heraus und die psychotherapeutische Befreiung von innerer Fremdbestimmung durch tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, analytische Psychotherapie (Psychoanalyse). Infos auch zu Abgrenzung der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie bzw. der Psychoanalyse von der Verhaltenstherapie. Infos vom Institut für Persönlichkeits- und Verhaltenspsychologie, ihr Psychologe, psychologischer Berater und Psychotherapeut in Solingen, neben Hilden, Haan, Langenfeld und Wuppertal in unmittelbarer Nähe zu Düsseldorf.
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