Wissen: Einsicht / Einsichtsfähigkeit

Was ist Einsichtsfähigkeit? Was ist Einsicht? 
Und was ist das extreme Gegenteil, die sogenannte Umkehr?

Psychologisches Wissen: Einsicht, Einsichtsfähigkeit, mangelnde Einsichtsfähigkeit, fehlende Einsicht, Umkehr

Einsicht - allgemein
"Einsicht" bedeutet, dass Eigenschaften, Zusammenhänge und Beziehungen auf der Basis von Wahrnehmungen und analytischen Überlegungen hinreichend erkannt, geistig erfasst und sachlich richtig begriffen werden. In sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhängen besteht ein Unterschied zwischen der eigenen subjektiven Einsicht und der Einsicht in sozialen Zusammenhängen, die die Objektivität bilden. Subjektive Einsichten unterscheiden sich folglich von objektiv von außen messbaren Einsichten. 

 

Spontan erlebte Einsichten basieren nicht auf analytischen Überlegungen, sondern auf Gefühlen. Man bezeichnet sie als „Intuition“. Dennoch erfolgt auch die „Einsicht“ nicht nur auf analytischen Überlegungen. Auch sie unterliegt einer affektiven Beteiligung, allein schon als Motivation für weitere Überlegungen bzw. kognitive Prozesse.

 

Einsicht - im juristischen Bereich

Im juristischen Sinne stehen hinsichtlich des Begriffes "Einsicht" Vorstellungs- und Wissens-Aspekte im Vordergrund, also die Fähigkeit zum Erkennen und die jeweilige Kenntnis von etwas bzw. die Kenntnis über einen Sachverhalt. Dies beeinflusst zugleich die Zuschreibung der Zurechnungs- und Schuldfähigkeit. 

 

"Einsicht" & "Einsichtsfähigkeit" in der Psychologie und Psychiatrie (allgemein)

Im psychologischen und psychiatrischen Bereich versteht man unter Einsicht nicht nur das geistige Erkennen von Problemen, Fehlern und Lösungen, sondern ein  – über das Denken hinausgehendes - Erkennen und Begreifen unter Einbeziehung emotionaler Komponenten und Werthaltungen (Busemann 1975, Hommers und Lewand 2001).

Einsicht  erfordert die "Einsichtsfähigkeit" und "Einsichtsbereitschaft", folglich die Bereitschaft (Motivation) und Fähigkeit in Bezug auf Wahrnehmung, Denken und Fühlen (Intelligenz, psychische Konstitution, psychische Gesundheit, Gewissen & Moral), um überhaupt zu einer Einsicht zu gelangen.    

 

Die fehlende Einsicht in den in Wirklichkeit gestörten bzw. krankhaften Zustand findet man – neben anderen Kriterien wie den Verlust des Kontaktes mit der Realität – z.B. bei Psychosen (Laplanche/Pontalis, 1998). Hier wirkt sich der strukturelle Wandel des Erlebens darauf aus, dass man sein Handeln selbst gar nicht objektiv einordnen kann, Zusammenhänge oder Störungen eher anderen zuschreibt und dadurch nicht in der Lage ist, die eigene Störung selbst zu erkennen. Behandlungsvorgänge werden, sofern überhaupt ein Facharzt konsultiert wird, was dem Uneinsichtigen in der Regel widerstrebt – ggf. zwar eventuell toleriert, nicht aber wirklich verstanden und verinnerlicht.

 

Warum Menschen mit bestimmten charakterlichen Defiziten, bestimmten PS-Störungen oder einer Psychose in der Regel nicht einsichtig sind, hat mehrere Ursachen. U. a. liegt es daran, dass die Wahrnehmung getrübt ist, die Grenzen zwischen der eigenen Person und den anderen sind nicht mehr klar sind, Dinge als zusammengehörig empfunden werden, die nicht zusammengehören und Dinge als zur eigenen Person zugehörig empfunden werden, obwohl sie es nicht sind.

 

Auch liegt es daran, dass zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem häufig nicht mehr klar unterschieden werden kann und z.B. unwesentliche Dinge eine zentrale Bedeutung erhalten, Denkabläufe gestört sind, ggf. ein „Wahn“ als Ausdruck nicht zugestandener Wünschen und Bedürfnisse vorliegt, welcher der Abwehr von Konflikten dient, die gefühlsmäßige Beziehung zur Umwelt gestört ist und ein Zwiespalt zwischen Wollen und Nicht-Wollen vorliegt. Nicht zuletzt liegt es daran, dass der Mensch von sich selbst und seiner eigenen Logik überzeugt ist, ebenso von der Richtigkeit seines Handelns.

 

An Stelle einer Einsicht erfolgt hier zumeist sogar die „Umkehr“ eines Fehlers, eines Problems, einer Diagnose oder einer Verhaltens-Zuschreibung. „Umkehrung“ bedeutet, dass ein Fehler, ein Problem, eine Diagnose oder eine Verhaltenszuschreibung auf genau die Person oder Personengruppe projiziert wird, welche die Beobachtung, Vermutung oder Tatsache anspricht oder eine eventuell vorhandene Störung/Erkrankung diagnostiziert (Beispiel: „Du bist der Kranke!“, „Du musst selber mal zum Arzt!“, „Psychiater sind selbst alle krank“). Wer entsprechende Beobachtungen anspricht und damit das eigene Selbstbild der Betroffenen in Frage stellt, allein indem der Beobachter eine vielleicht unangenehme Realität beschreibt oder die nackte Wahrheit anspricht, die der Betroffene nicht hören und sehen will, mutiert dann in den Augen der von dieser unangenehmen Wahrheit Gestörten dann pauschal abwehrend zum Feind,  während der Effekt der selbstwertdienlichen Verzerrung hingegen das eigene Ego fälschlich aufwertet und in die gewünschte Richtung zurechtbiegt („Ich bin der Gute!“), die man gerne hätte, auch wenn dies der Realität in Wahrheit mehr als deutlich widerspricht.

 

Derartige Konter-Reaktionen sind im Umkehrschluss zugleich wieder ein Indiz für eine etwaige psychotische Störung, zumindest dann, wenn sie wiederholt beobachtet werden können und auffällig ist, dass die Person über keine Einsicht verfügt, was die Bereitschaft zur Kooperation in dieser Hinsicht mit einschließt. Hinzu kommen viele Fälle, in denen völliger Realitätsverlust vorliegt. Ein davon Betroffener geht doch nicht zum Arzt! Wer glaubt denn so etwas? Insofern spiegelt die besagte Studie nicht im Geringsten die tatsächliche Tragik in Bezug auf die starke Zunahme psychischer Erkrankungen wieder.

 

Aber auch hier sprechen wir „lediglich“ von „Erkrankungen“ bzw. einer „Krankheit“, folglich einem Zustand, bei dem man sich der selbst schlecht fühlt und sich Hilfe sucht. Dem gegenüber steht jedoch eine Vielzahl psychischer Störungen, bei denen sich die Betroffenen selbst tatsächlich eben nicht – wie z.B. bei einer Depression – schlecht bzw. „krank“ fühlen. Nein, manche fühlen sich blendend. Es könnte ihnen – z.B. in ihrer Manie – aus ihrer persönlichen Sicht ggf. gar nicht besser gehen. Leiden muss lediglich das persönliche bzw. soziale Umfeld und Organisationen (z.B. Unternehmen oder sogar der Staat und seine Bürger)  wenn psychisch gestörte Menschen hier in entsprechende Positionen oder Ämter gelangen und dort vom naiven Laien unerkannt walten und schalten   

 

Es gibt nicht nur psychische Störungen, die dem sozialen Umfeld das Leben zur regelrechten Hölle machen können, sondern auch Persönlichkeitsstörungen, die nicht etwa den Betroffenen selbst, sondern ihrem Umfeld das Leben schwer machen können. Auch hier ist seit Jahren eine deutliche Zunahme zu verzeichnen, insbesondere eine deutliche Zunahme und Ausbreitung „gefährlicher“ Persönlichkeitsstörungen. Probleme treten hier insbesondere im Personalwesen zutage, in der Regel ausgelöst durch Negativ-Kommunikation, was insbesondere über Negativ-Priming irgendwann einen kompletten Verantwortungsbereich oder das ganze Unternehmen befällt, sofern die Betroffenen nicht ausgetauscht werden. Schulungen würden hier von vorne herein nichts bringen, da immer wieder der Charakter durchkommt und einer Denk-Entwicklung im Wege steht.

Das Problem an der Sache ist, dass der Laie so etwas nicht erkennt. Besonders im Personalwesen hat dies verheerende Auswirkungen, da sich niemand traut, gestörte Persönlichkeiten (insbesondere Führungspersönlichkeiten) darauf anzusprechen. Zudem würde dies von vorne herein nichts bringen, da dies beim Angesprochenen ggf. zur o.g. "Umkehr" führt. Dadurch wird insbesondere bei Institutionen / Unternehmen ein System in Gang gesetzt, dass sich verselbstständigt. (Siehe dazu auch "Wahn-Symbiose" bzw. "symbiotischer Wahn"). 

 

"Einsicht" in der Gestalts- und Lernpsychologie

Hier versteht man unter „Einsicht“ das plötzliche bzw. überraschende Erkennen der Lösung z.B. eines Problems oder eines Lösungsweges. Als Ergebnis dieses Prozesses zeigt sich häufig ein geändertes oder neuartiges Verhalten. In diesem Zusammenhang wird auch vom sogenannten „Aha-Erlebnis“ gesprochen, ein Begriff der von Karl Bühler (1879–1963) geprägt wurde. Wolfgang Köhler (1887–1967) hat ihn in die Denkpsychologie eingeführt. In diesem Zusammenhang gilt es, zu erwähnen, dass eine durch Einsicht lösbare Problemlösung zumeist aus einem einzigen Lösungsschritt besteht. 

 

Lernen durch Einsicht

Beim sogenannten „Lernen durch Einsicht“ („Erleuchtung“, „Mir ist ein Licht aufgegangen“, „Jetzt hab' Ich's - Effekt“), das in der Gestaltpsychologie (Kurt Koffka, Wolfgang Köhler, Max Wertheimer) entwickelt wurde,  wird einem Menschen plötzlich klar, wie die Lösung auf ein gestelltes Problem aussieht. Dieses Klarwerden ist die wohl effektivste und nachhaltigste Form des Lernens. Um zu einer Einsicht zu gelangen, ist es notwendig, die Wahrnehmungsstruktur und die Betrachtungsweise bzw. den perspektivischen Blickwinkel zu verändern und das Problem, das als Ganzes angesehen wird, in Einzelteile zu zerlegen und es dann neu zu betrachten. Betrachtet man hingegen ein Problem aus einer starren Sichtweise, so fällt es schwierig, die Lösung zu finden.

 

Einsicht und Uneinsichtigkeit bei schwerwiegenden PS-Störungen & Psychosen

Unter Einsicht versteht man nicht nur das geistige Erkennen von Problemen, Fehlern und Lösungen, sondern ein  – über das Denken hinausgehendes - Erkennen und Begreifen unter Einbeziehung emotionaler Komponenten und Werthaltungen.

In der Psychiatrie bezeichnet Einsicht zugleich die Fähigkeit zum Erkennen eines krankhaften Zustandes bzw. einer Persönlichkeitsstörung. Die fehlende Einsicht in den krankhaften Zustand findet man – neben anderen Kriterien wie den Verlust des Kontaktes mit der Realität – z.B. bei Psychosen (Laplanche/Pontalis, 1998).

 

Hier wirkt sich der strukturelle Wandel des Erlebens darauf aus, dass man sein Handeln selbst gar nicht objektiv einordnen kann, Zusammenhänge oder Störungen eher anderen zuschreibt und dadurch nicht in der Lage ist, die eigene Störung selbst zu erkennen. Behandlungsvorgänge werden (sofern überhaupt ein Facharzt konsultiert wird, was dem Uneinsichtigen in der Regel widerstrebt) ggf. zwar eventuell toleriert, nicht aber wirklich verstanden und verinnerlicht (Einsicht). Nicht selten kommt es zu einer Schein-Einsicht oder einer Trotz-Einsicht des Betroffenen.

 

Warum sind Menschen mit bestimmten Störungen & Psychosen nicht einsichtig? 

Dies hat mehrere Ursachen. U. a. liegt es daran, dass die Wahrnehmung getrübt ist, die Grenzen zwischen der eigenen Person und den anderen sind nicht mehr klar sind, Dinge als zusammengehörig empfunden werden, die nicht zusammengehören und Dinge als zur eigenen Person zugehörig empfunden werden, obwohl sie es nicht sind. Auch liegt es daran, dass zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem häufig nicht mehr klar unterschieden werden kann und z.B. unwesentliche Dinge eine zentrale Bedeutung erhalten, Denkabläufe gestört sind, ggf. ein „Wahn“ als Ausdruck nicht zugestandener Wünschen und Bedürfnisse vorliegt, welcher der Abwehr von Konflikten dient, die gefühlsmäßige Beziehung zur Umwelt gestört ist und ein Zwiespalt zwischen Wollen und Nicht-Wollen vorliegt. Nicht zuletzt liegt es daran, dass der Mensch von sich selbst und seiner eigenen Logik überzeugt ist, ebenso von der Richtigkeit seines Handelns. Was passiert?

 

Abwehr gegen Einsicht: Umkehr

An Stelle einer Einsicht erfolgt insbesondere bei psychischen Störungen zumeist die Umkehr eines Fehlers, eines Problems, einer Diagnose oder Verhaltens-Zuschreibung. Umkehrung bedeutet, dass ein Fehler, ein Problem, eine Diagnose oder eine Verhaltenszuschreibung auf genau die Person oder Personengruppe projiziert wird, welche die Beobachtung, Vermutung oder Tatsache anspricht oder eine eventuell vorhandene Störung/Erkrankung diagnostiziert (Beispiel: "Du bist der Kranke!", "Du musst selber mal zum Arzt!", "Psychiater sind selbst alle krank", "Du liebst mich nicht!", Du musst mich scheinbar hassen.", "Du hast das doch gesagt, nicht ich", "Du machst doch selbst auch XYZ"). 

 

Derartige Konter-Reaktionen sind im Umkehrschluss zugleich wieder ein Indiz für eine etwaige psychotische Störung, zumindest dann, wenn sie wiederholt beobachtet werden können und auffällig ist, dass die Person über keine Einsicht verfügt, was die Bereitschaft zur Kooperation in dieser Hinsicht mit einschließt. Unter anderem tritt die Umkehr von Tatsachen bzw. die Umkehr der Realität bei schweren Psychosen wie der Schizophrenie auf ebenso bei einem Wahn:

 

Wahnhafte Gedanken, Vorstellungen und Annahmen werden von den Betroffenen gegenüber der Außenwelt so stark verteidigt, dass Zuschreibungen oder Anschuldigungen jeglicher Art zur sogenannten "Umkehr" führen. Das eigene Denkkonstrukt der vom Wahn Betroffenen kann so stark sein, dass sie das, was ihnen von Außenstehenden zugeschrieben wird (der Wahn an sich oder ein bestimmtes Verhalten), in das Gegenteil umkehren und den anderen zuschreiben.

 

Menschen, die vom Wahn Betroffene für krank halten, werden von diesen selbst für wahnhaft bzw. krank gehalten. Menschen, die vom Wahn Betroffene auf ihre wahnhafte Gedanken ansprechen oder sie vom Gegenteil überzeugen wollen, werden für verrückt oder für Feinde gehalten. Wenn wahnhaft Kranken ein negatives Verhalten vorgeworfen wird, werfen sie den anderen negatives Verhalten vor. Aus Opfern werden Täter, aus Helfern werden Angreifer.

 

Interessant ist, dass von einem Wahn Betroffene sämtliche Zuschreibungen fast 1:1 umkehren. Wird ihnen geholfen, versuchen sie den anderen zu helfen. Beleidigen sie andere Menschen, so werfen sie den anderen genau diese Beleidigungen vor. Absprachen, Schuld- und Rechtsverhältnisse werden oft so herumgedreht, dass sie genau gegensätzlich sind. Woran liegt das?

 

Ursachen

Dies liegt generell daran, dass sich das “Ich“ vor Bewusstseinsinhalten (z.B. unangenehmen Wahrheiten) zurückzieht, die es selbst nicht verkraften kann. Die belastenden Inhalte, wozu auch eigene Fehler oder die Fehler von Gleichgesinnten oder geliebten Personen bzw. Personenkreisen zählen, bleiben zwar im Bewusstsein, werden aber von der eigenen Person abgespalten (Abspaltung der Realität vom Wunschdenken). Dadurch erscheinen Gedanken und Gefühle nicht von einem selbst hervorgebracht.

 

Auch aus Hass gegen eine andere Person wird, da dieser Hass vom „Ich“ nicht toleriert werden kann, wahnhaft die Umkehrung gemacht - wie dies z.B. auch beim sogenannten "Stockholm-Syndrom" erfolgt, bei dem Opfer von Vergewaltigungen und Geiselnahmen die Täter zu Freunden erklären, ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Vergewaltigern und Entführern aufbauen, mit den Tätern sympathisieren und mit ihnen kooperieren.

 

Aber dies ist wiederum eine ganz spezielle Form der Umkehr, die sowohl psychologische wie psychiatrische Komponenten hat und auch bei der Infektion mit Gehirnparasiten - wie z.B. Toxoplasma gondii - auftritt, bei der die natürliche Freund-Feind-Erkennung sich komplett herumdreht, so dass sich die betroffenen Tiere (z.B. Ratten) geradezu magisch zu ihren Fressfeinden (z.B. Katzen) hingezogen fühlen und sich ihnen freiwillig zum Fraß anbieten bzw. ausliefern. Wie man in den letzten Jahren erforscht hat, treten bei Menschen, deren Nervensystem von dem besagten Gehirnparasiten befallen sind (mittlerweile 50%) ähnliche masochistisch-selbstzerstörerische Züge zutage. Sie suchen die Nähe zu Gefahren und potentiellen Feinden, denen sie sich anbieten. Doch dies ist ein separates Thema. Daher zurück zu der regulären Form der Umkehr: 

 

Aus "Ich verhalte mich lieblos" wird "der andere verhält sich lieblos". Aus "Ich hasse den anderen" wird "Der andere hasst mich". Aus "ich bin vielleicht krank" wird "der andere ist vielleicht krank". Diese Umkehr vermindert die eigenen Schuldgefühle, da die Gefühlsregungen, die man bei sich selber nicht akzeptieren kann, nun angeblich bzw. zum Schein von außen kommen und so bekämpft werden können. In der Extremform der Umkehr werden in der geistigen Verklärung aus Tätern Opfer und aus Opfern Täter.Für den Laien mag dies gruselig klingen, ist bei nicht wenigen schweren Psychosen jedoch eine nackte Tatsache.

 

Es kann sogar vorkommen, dass ein psychotischer Mensch sich bereits durch die Nennung seines eigenen Namens provoziert fühlt, weil eben dieser Name mit einem eigenen Schuld- oder Schamgefühl in Zusammenhang gebracht wird. Während dieser Mensch eigentlich lieber einen Alias-Namen (z.B. Spitzname oder Kosename) trägt und mit diesem angesprochen werden will, weil z.B. der eigene Name geleugnet wird, nutzt er in der Umkehr die namentliche Ansprache des anderen als Gegenvorwurf.

 

Auf ein sensibles Umfeld mit guter Beobachtungsgabe wirkt dieses Umkehr-Verhalten insgesamt sehr auffällig. Andere deuten es lediglich als "konterstark", "durchsetzungsstark", "schlagfertig" oder "frech". Dahinter verbirgt sich aber oft eine schwere Psychose, die der Behandlung durch einen Facharzt für Psychiatrie und einen Psychotherapeuten bedarf. Beratungen und Coachings sind hier fehl am Platz. Berater oder Coaches müssen dies unbedingt erkennen. Leider fällt dies einem Laien nur in wenigen Fällen auf.

 

Nur in selteneren Fällen kann die Umkehr als Folge der Uneinsichtigkeit aufgrund eines psychischen Problems als solche auch von Laien erkannt werden: So kann es in extremen Fällen vorkommen, dass z.B. Menschen mit einem gestörten Selbstbewusstsein, die sich der persönlichen Verantwortung entziehen wollen, sich mit Figuren identifizieren, die über jegliche Schuld erhaben sind (z.B. ein Engel).

 

Dies macht sie aus ihrer Sicht unangreifbar. Zumeist reicht es aber, wenn sie die eigene Schuld auf andere projezieren und umkehren. Dies bedeutet, dass alle Zuschreibungen an die eigene Person zumeist an die zuschreibende Person zurückgegeben werden oder – wenn dies nicht funktioniert – der Umwelt zugeschrieben werden.

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