Wissen: Masochismus & Intuitive Selbstschädigung

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Masochismus
Fälschlicherweise bezeichnet man als "Masochismus" nicht selten die (oftmals sexuelle) Lust oder Befriedigung eines Menschen an Demütigung und der Zufügung von Schmerzen - und bezeichnet das Gegenstück zum Masochismus als Sadismus.

 

Zugleich ruft der Begriff "Masochismus" beim Laien stets gewisse Assoziationen hervor (z.B. Lack, Leder, Peitsche und sexuelle Lust). Doch das ist aus psychologischer / psychiatrischer Sicht so nicht ganz richtig, denn dies ist nur eine ganz spezielle Art von Masochismus, die jedoch nichts mit Masochismus im Allgemeinen zu tun hat. 

 

Vielmehr ist Masochismus die "Lust am Kontrollverlust", die "Lust an der Last" sowie die Freude an Selbstschädigung und Selbstopferung - aber eben auch an Fremdschädigung, der Opferung anderer bzw. der Mitnahme anderer ins vermeintlich lustvolle Verderben - und das auch ohne einen zwingenden Bezug zur Sexualität. Es existiert nämlich eine Form des Masochismus, die nicht sexueller Natur ist - zum Beispiel der sogenannte moralische bzw. psychische Masochismus und andere Formen.

 

Masochismus basiert auf (zumeist unbewusstem) Selbsthass mit psychologisch erklärbarem Hintergrund. Selbsthass und Selbstzerstörung können aber auch einen psychiatrisch relevanten und neurobiologisch erklärbaren Hintergrund haben, auf den später ebenfalls eingegangen wird. Beschäftigen wir uns zuvor mit Selbsthass im Allgemeinen und im Speziellen:

 

Selbsthass

Bei Selbsthass ist das Verhältnis zur eigenen Person gestört. Aus psychologischer Sicht ist Selbsthass eine besonders schwere Form der Selbstablehnung, die darauf basiert, dass das Selbstwertgefühl (Selbstwert) gestört ist (Selbstwertstörung). Die eigene Person wird als schlecht, schwach oder abstoßend empfunden.  Vieles deutet darauf hin, dass negative Lebenserfahrungen (z.B. Ablehnung in der Kindheit, soziale Ablehnung, das Gefühl benachteiligt zu sein bzw. zu werden), Körperunzufriedenheit, Schamgefühle, mangelndes Selbstmitgefühl, geringes Selbstwertgefühl und Perfektionismus zu Selbstablehnung und Selbsthass beitragen können. 

 

Zur eigenen Überwindung des Selbsthasses besteht die - oft unbewusste - Selbst-Strategie, schlecht mit sich umzugehen. Denn Selbstablehnung ist verbunden mit Gefühlen von Schuld, geringem Selbstwertgefühl und Bedauern. 

 

Manche Betroffene haben zu einem negativen Selbstbild ein extrem negatives Fremdbild, so dass Selbsthass auch dazu führen kann, dass auch oder insbesondere das Verhältnis zu anderen Menschen gestört ist. Deren Strategie zur Überwindung des Selbsthasses liegt darin, nicht sich selbst, sondern andere (vermeintlich Schuldige) zu bekämpfen bzw. schlecht mit anderen umzugehen. Dies geht mit Aggressionen und Zerstörungswille gegen andere (mutmaßlich "schuldige") Menschen einher; schließlich ist Selbstablehnung ebenfalls verbunden mit Gefühlen von Ungerechtigkeit, Wut und Groll. Was man selbst ablehnt, für kognitive Dissonanzen und Probleme vermeintlich verantwortlich ist, bekämpft man - und ist bestrebt es zu zerstören.

 

Eine dritte - und mit der vorgenannten zweiten Strategie zur Überwindung des Selbsthasses verbundene Strategie ist die Flucht in eine (Abwehr-) Scheinwelt, wobei die Betroffenen alles, was ihrer künstlich geschaffenen Scheinwelt widerspricht im Zuge der zweiten Strategie aggressiv (mit dem Willen zur Zerstörung der Realität bzw. anderer) bekämpfen. Die Betroffenen schlüpfen in eine Opferrolle und interpretieren ihre Problematik und die damit verbundenen vermeintlichen Zusammenhänge selbstwertdienlich um (siehe Selbstwertdienliche Verzerrung), was bis zum sogenannten Gott-Komplex reichen kann.

 

Im Zuge des Wirkungsprinzips der  kognitiven Dissonanz-Reduktion sind sie bestrebt, das für ihre negative  Selbstwertproblematik und die damit verbundenen kognitiven Dissonanzen vermeintlich "verantwortliche" "System", das ihren Selbstwert vermeintlich "klein", "schwach" und "schlecht" gemacht hat, radikal zu verändern, was geradewegs wahnhafte und Paranoia-ähnliche Zustände annehmen kann - so wie dies z.B. ganz extrem bei der sogenannten "Woke"-Bewegung der Fall ist, wo sich Menschen mit der gleichen oder ähnlichen (z.B. Borderline) Problematik zusammenfinden, bestätigt und heimisch fühlen - und quasi eine Art Interessensgemeinschaft bilden, das auf einem phantastischen Übertreibungs- und/oder Lügengebilde basiert, das gegenüber der Realität / Außenwelt nicht nur aggressiv verteidigt wird, sondern auch mit der aggressiven Forderung einhergeht, das die aus ihrer Sicht vermeintlich "Schuldigen" die phantastische Scheinwelt der Betroffenen zu übernehmen und ihr "falsches" und "schädigendes" "System" zu "überwinden" haben.  

 

Zur Abkopplung von der - für die Betroffenen unangenehmen Realität und dem vermeintlich "schuldigen" "System" der "Täter" konstruieren die Betroffenen eine regelrechte (soziale) "Verschwörungstheorie" und bauen sich eine eigene "Wahrheit" auf, die auf "Falschheit" basiert, aber nicht widerlegt werden darf. Bei der Verdrehung von Realität und Scheinwelt, Wahrheit und wissentlichem Irrtum (der aber nicht sein darf) wirkt das Konzept und die Strategie der sogenannten "Umkehr" mit.

 

Ihrer Strategie nach, möchten die Betroffenen die Welt / Umwelt derart verändern, dass diese ihnen a) nicht mehr "gefährlich" werden bzw. "zusetzen" kann und b) diese als "Strafe" für ihre vermeintlichen "Missetaten" selbst leidet. Zum Streben nach Änderung zählt so ziemlich alles: Kultur, Sprache, Geschlechtsverständnis und Geschlecht im Allgemeinen, Religion, Nationalität, politische Ausrichtung usw. Schließlich kann irgendwann "alles" für den Zustand der psychischen Betroffenen verantwortlich sein.

 

Das Prinzip dahinter: Wenn sich Gleichgesinnte mit unterschiedlichen Schuld-Mustern und Schuldigen zusammenfinden, leisten sie sich im Sinne der (echten oder nur vorgestellten) Gruppenzugehörigkeit gegenseitig Beistand, so dass dann irgendwann alles und jeder "schuldig" ist, das bzw. der vermeintlich "normal" und "gesund" bzw. "anders" ist als sie selbst.  Das "Folie à deux"-Prinzip (induzierte wahnhafte Störung / gemeinsame psychotische Störung / psychotische Infektion oder symbiontischer Wahn) spielt über die ganze oder teilweise Übernahme der phantastischen Traumwelt bzw. Wahn-Welt hier eine große Rolle.

 

Nach dem Willen der induzierten Betroffenen soll alles, was für ihre Symptomatik bzw. ihr Störungsbild mutmaßlich verantwortlich sein könnte, einer Hygiene der Umkehr unterzogen werden - mit dem Endergebnis, die Betroffenen tunlichst a) zu bestätigen und b) selbst nun genauso leiden zu lassen wie Betroffenen (früher) selbst.

 

Eine ähnliche Symptomatik kennt man von den Zeiten der Hexenverfolgung bzw. von der früheren Hexenwahn-Bewegung oder von anderen historischen Sekten-Bewegungen (z.B. "Wiedertäufer" zu Münster) her. Wer gegen die Agenda bzw. Doktrin aufbegehrte oder sich "anmaßte", zu widersprechen oder die Dinge lediglich zu hinterfragen, machte sich verdächtig und wurde dann selbst zum Opfer, weshalb sich - bis auf ganz wenige Ausnahmen (z.B. Friedrich Spee von Langenfeld) die meisten Zeitgenossen dem  (von psychisch gestörten und psychopathischen Persönlichkeiten zur Behebung ihrer kognitiven Dissonanzen bzw. zur Selbsttherapie) künstlich geschaffenen kollektivistischem Irrsinn und damit verbundenen Unrecht fügten - und bei dem menschenverachtenden Treiben (auch unabhängig von der Wirkung einer Wahn-Symbiose) mitmachten.

 

Bei b) handelt es sich um das Prinzip / Konzept der Rache: Hier geht es um einen Ausgleich von zuvor angeblich oder tatsächlich erlittenem Unrecht. Intention ist die Zufügung eines Schadens an einer oder mehreren Personen oder einer Personengruppe, die das Unrecht begangen haben soll.

 

Das zuvor genannte "Rache"-Prinzip kennt man man unter anderem auch von Rückkehrern aus dem Kreis ehemaliger Wehrmachtssoldaten nach Rückkehr aus der russischen Kriegsgefangenschaft: Anstatt sich nach Rückkehr zur Familie des Lebens zu freuen und ihren Familienmitgliedern ihre Liebe durch positives freundliches Verhalten zu zeigen, ließen viele der traumatisierten Rückkehrer vielmehr nun ihre Kinder spüren, wie es ist, wie sie selbst zu leiden (z.B. Pflicht bestimmte Dinge zu essen, das Essen vom Teller trotz Übersättigung und Völlegefühl vollständig aufzuessen, harte Strafen etc.)

 

Das Ausmaß der Überzeugung von der eigenen Theorie (bzw. Strategie) ist bei den Betroffenen, die sich der zweiten und dritten Strategie bedienen, extrem. Sich möchten ihre Phantasiewelt belehrend gegen jeden Widerstand durch die Realität durchsetzen. So greift die Woke-Bewegung z.B. zur Strategie der sogenannten Cancel-Culture, die dazu dient, alles, was nicht "woke" ist, anzuprangern und aggressiv zu bekämpfen. Die Cancel-Culture bezieht sich auf Menschen, deren Sichtweisen und Verhalten sowie auf mediale Inhalte. Alles, was nicht ins Weltbild der Betroffenen (und deren Mitläufer) passt, soll (ähnlich wie bei der Bücherverbrennung der Nazis im 3. Reich) gecancelt bzw. der Öffentlichkeitentzogen werden.

 

An Ambiguitätstoleranz scheint es den Betroffenen, welche die zweite und dritte Strategie wählen, vollständig zu fehlen; vielmehr greifen sie bewusst und unbewusst zur Strategie der Pseudologie, was schizophren anmutet und über die Symbiose des Wahns in der Gemeinschaft auch zu Schizophrenie führen kann. Da die Betroffenen sich (wie die Nazis im 3. Reich) selbst einreden, für das vermeintlich "Gute" zu kämpfen und zugleich mit Einschüchterung und Erzeugung von Angst agieren, können sie sich im Zuge des sozialen Einflusses und der damit verbundenen pluralistischen Ignoranz mittlerweile so ziemlich alles erlauben.   

 

Weitere mögliche Ursachen von Masochismus und Selbsthass
Bezüglich der Ursachen von Masochismus und Selbsthass nicht auch biologische Ursachen möglich: Es gibt neuronale, durch Gehirnparasiten ausgelöste schizophrene Erkrankungen, die masochistisch-selbstzerstörerische Denkmuster und entsprechendes Verhalten in exakt diese Richtung auslösen: Die Betroffenen sehnen sich - ohne, dass es ihnen bewusst wird - nach Gefahren und nach allem, was ihnen nach Möglichkeit schadet, ebenso ihrem Umfeld, das sie in ihren Schaden bzw. in ihr vermeintliches "Unglück" gerne mit einbeziehen.

 

Ihr unbewusstes Verhalten soll nicht zum Erfolg, sondern tunlichst zu einem Misserfolg bzw. Schaden führen. Die Suche nach Gefahr für sich und andere zählt ebenso dazu wie gefährliche Zuneigung zu potentiellen Feinden, Verschwendung, ein höheres Unfallrisiko sowie ungünstige Entscheidungen, die zu negativen Konsequenzen führen. Ein Beispiel aus der psychologischen Praxis: 

 

In psychologischen Testverfahren nach dem ib reality view & proof concept wurde bei ib Personalpsychologie NRW  im Rahmen der Eignungsdiagnostik für Führungskräfte zum Beispiel festgestellt, dass sich ein nicht geringer Teil der Kandidaten und etwaigen späteren Entscheidungsträger ausgerechnet für jene beispielhaft skizzierten "Verträge" entschieden hatten, die dem späteren Betrieb (bzw. eigentlich jedem Unternehmen von vorne herein) einen logisch ganz unmissverständlich nachvollziehbaren Schaden zugefügt hätten.

 

Derartige eignungsdiagnostische Tests finden jedoch bei der überwiegenden Zahl der Unternehmen gar nicht statt, wodurch bei etwaiger Einstellung der fachlich nachweislich bestens qualifizierten Top-Kandidaten mit hoher Wahrscheinlichkeit den Unternehmen große Schäden entstanden wären, welche die Nicht-Psychologen in den Unternehmen dann aber - auch im Zuge des Wirkungsprinzips der kognitiven Dissonanz-Reduktion -   (selbstwertdienlich) völlig anderen vermeintlichen Ursächlichkeiten zugeschrieben hätten.   

 

Erstmals hat der deutsch-österreichische Psychiater und Rechtsmediziner Richard von Krafft-Ebing den Begriff Masochismus im Jahr 1886 wissenschaftlich verwendet und sich dabei auf den Schriftsteller Leopold von Sacher-Masoch (1836–1895) bezogen, der vertraglich geregelte und theatralisch inszeniertes Schmerz- und Unterwerfungsverhalten in Beziehungen zu Frauen schilderte. Sacher-Masochs erste Ehefrau Angelica Aurora Rümelin beklagte sich nach dem Scheitern ihrer Ehe bitterlich darüber, lediglich Erfüllungsgehilfin der perversen Phantasien ihres Mannes gewesen zu sein.

 

Doch dieses Bild ist mehr als einseitig, zudem wird nicht selten immer noch antiquiert vom hier wirkenden Lustprinzip (Freud 1924) ausgegangen. Daher erfolgt hier eine Richtigstellung, die sich am besten an der masochistischen (selbstzerstörerischen) Persönlichkeitsstörung (Self-Defeating Personality Disorder" /SDPD) erörtern lässt:

Masochistische (selbstzerstörerische) Persönlichkeitsstörung
(Self-Defeating Personality Disorder" / SDPD) 

Der normale Mensch erfreut sich an den positiven Dingen des Lebens. Sich gut und glücklich zu fühlen, zählt zu den grundlegenden Lebensmotiven. Kein gesunder Mensch mag es – bis auf einige Momente des Mitleids oder Selbstmitleids – sich traurig oder deprimiert zu fühlen, sich selbst zu schädigen und sein Umfeld mit in einen gewollten bzw. angestrebten Schaden einzubeziehen. Eine Ausnahme bilden Menschen mit einer masochistischen bzw. selbstzerstörerischen Persönlichkeitsstörung, die Gefahren, Schmerzen und Leiden sowie im Kontrollverlust und entsprechenden Schäden bzw. Schädigungen etwas Erstrebenswertes und Positives sehen, das für sie eine erstrebenswerte "Bereicherung" oder "Lustempfinden" darstellt. Folglich ist ihre "Logik" verdreht.

 

Wie bereits erwähnt, gibt es zu dieser Störung viele einseitige Fehlinterpretationen. Unter anderem liegt dies an der einseitigen und teilweise verzerrten öffentlichen Deutung (z.B. Gleichsetzung mit Sado-Masochismus), aber auch an den wenigen Menschen, die sich überhaupt aufgrund einer masochistischen Störung zu einer Behandlung einfinden. Hinzu kommt dass die Psychiatrie und die klinische Psychologie stets von einem "Leiden" der Betroffenen ausgehen. Doch es gilt klar zu stellen: Nicht jeder Betroffene leidet. Nicht selten leidet vielmehr allein das Umfeld der Betroffenen.

 

Zugleich ist dies ein Grund dafür, dass derartige Persönlichkeitsstörungen zumeist im Verborgenen bleiben und die konkrete Störung dem Masochisten selbst zumeist gar nicht selbst bewusst ist: So trifft jemand etwa völlig unbewusst Entscheidungen, die ihm selbst oder anderen einen schweren Schaden zufügen, schreibt den eintretenden Schaden aber äußeren Umständen zu (Selbstwertdienliche Verzerrung).

 

Hinzu kommt das Problem der Diagnostik: Ärzte und Therapeuten bekommen einen Schaden zumeist gar nicht mit. Sie sind von der Selbstwahrnehmung und Einsicht ihres Patienten abhängig. Ein weiteres Problem kommt hinzu: Ärzte und Therapeuten kennen durch die besagten Umstände zumeist nur jene masochistischen Persönlichkeiten, die sich selbst "körperlich" schädigen, sich zum Beispiel "ritzen" - und dann irgendwann auffallen bzw. an ihre Grenzen stoßen und daher "leiden".

 

Doch nicht alle Masochisten leiden: Viele empfinden an der Herbeiführung eines Schadens eine regelrechte Freude. Zudem gibt es unzählige weitere Formen masochistischer bzw. selbstzerstörerische Persönlichkeitsstörungen, die sich auf das Denken und Handeln in allen Lebensbereichen beziehen.

 

Doch die wenigsten masochistischen Persönlichkeiten verletzen sich körperlich (z.B. Kinder und Jugendliche, die nur eingeschränkte bzw. geringere Möglichkeiten besitzen, ihrer Persönlichkeit durch entsprechende Handlungen entsprechenden Ausdruck zu verleihen). Erwachsene - und insbesondere Menschen in Macht- und Führungspositionen - besitzen hier ganz andere Möglichkeiten, entsprechende Schäden für sich und andere (Sadismus) herbeizuführen, um sich selbst dadurch gut bzw. besser zu fühlen.

 

Welcher gesunde Mensch, der in der Regel stets das Positive (Glück, Harmonie, Gesundheit, Erfolg usw.) anstrebt, kann sich z.B. vorstellen, dass ein Geschäftsführer eines Unternehmens oder ein führender Staatspolitiker tatsächlich das genau Gegenteil (Unglück, Disharmonie, Krankheit, Schaden, Bankrott, Staatsversagen, Untergang) anstrebt oder ein Mensch bei der vermeintlichen Suche eines Partners oder eines Jobs von vorne herein Schlechtes bzw. psychische oder physische Misshandlung bzw. den Misserfolg der Suche an sich ersehnt? Wer geht schon davon aus, dass ein Mensch, der sich selbst schädigen will, gleichzeitig auch viele andere Menschen in diesen Schaden oder Untergang miteinbeziehen bzw. mitnehmen möchte?

 

Wer denkt, dass eine derart gefährliche Störung so selten ist wie Menschen, die sich "lediglich" ritzen oder sich andere körperliche Schäden zuführen (u.a. genitale Verstümmelungen) und dann tatsächlich irgendwann beim Arzt vorstellig werden und so ihre ungefähre statistische Erfassung durch die Krankenkassen finden, sollte sich mit der extrem hohen Dunkelziffer auseinandersetzen, ebenso mit dem Phänomen der gewaltigen Zunahme und Ausbreitung derart gefährlicher Persönlichkeitsstörungen, die mit dem Phänomen der Zunahme des Narzissmus einhergehen.   

 

Oberflächliche Skizzierung der masochistischen (selbstzerstörerischen) Persönlichkeitsstörung (Self-Defeating Personality Disorder) (SDPD)

Masochistische Persönlichkeiten bevorzugen das Gefühl des Unglücks bzw. des Unglücklichseins und alles, was damit in Verbindung steht, nicht etwa nur für sich selbst, sondern auch oder insbesondere für andere. Entsprechend ist auch ihr Verhalten. Masochistische Persönlichkeiten mögen es, Opfer zu bringen, sich selbst zu opfern oder von anderen Opfer bringen zu lassen und akzeptieren dabei die Unterdrückung und/oder Ausbeutung durch andere. Einige masochistische Persönlichkeiten fühlen Befriedigung wenn sie andere mit in das angestrebte "Verderben" miteinbeziehen bzw. mitnehmen.

 

Masochistische Persönlichkeiten fühlen sich der Liebe anderer unwürdig. Daher empfinden sie Gefühle, die mit Liebe, Zuneigung und Fürsorge einhergehen, ggf. als unattraktiv. Angenehme Erfahrungen werden vermieden, während unangenehme Erfahrungen geradewegs gesucht werden, dazu in allen möglichen erdenklichen Formen.

 

Freude wird abgelehnt und dafür Abneigung und Ärger gesucht. Daher suchen sich masochistische Persönlichkeiten Beziehungen und Situationen, die zwangsläufig zu Enttäuschungen und anderen negativen Emotionen führen.

 

Dieses Streben erfolgt nicht etwa nur unbewusst bzw. intuitiv: Insbesondere dann, wenn bessere Handlungsalternativen vorliegen, entscheiden sich masochistische Persönlichkeiten für die schlechtere Alternative bzw. das Beschwerlichere, Ungünstigere, Unangenehmste, Gefährlichste und Zerstörerischste.

 

Hilfe lehnen sie ebenso ab wie sie jene Personen ablehnen, die ihnen diese Hilfe anbieten. Sie suchen Leid und Schmerz in allen möglichen Situationen. Wenn sie das, was sie suchen, nicht finden und zum Beispiel alles glücklich, harmonisch und zufriedenstellend ist, schaffen sie gegenteilige Situationen.

 

Ebenso stecken sie sich Ziele, die sie kaum bzw. nicht erreichen können, allein schon deshalb, um das Gefühl der Enttäuschungen zu erzielen. Wenn sie dieses Ziel nicht erreichen und sich stattdessen dennoch ein Erfolg einstellt, sind sie bestrebt, ihren Erfolg bzw. Teilerfolg so gut es nur geht, zu sabotieren.

 

Ebenso wird Hilfe von außen sabotiert. Selbst in größter Not wird dieser Verzicht aufrechterhalten und Not und Leid exzessiv zur Schau gestellt. Masochistische Persönlichkeiten sorgen dafür, dass sie Ablehnung und Wut anderer erreichen. Ihre Gedanken und Handlungen streben stetig in eine solche Richtung und erzeugen allein schon über das Konzept der Selbsterfüllenden Prophezeiung automatisch bzw. auch unbewusst eine solche Realität.

 

Für masochistische Persönlichkeiten ist es schwierig, eine normale und positive Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen und diese zu halten. Häufig führen diese Anpassungsprobleme – aber auch die sonstigen Probleme, die sich durch das Denken und Verhalten ergeben, zu weiteren psychischen Störungen.

 

Die Ursachen der masochistischen Persönlichkeitsstörung liegen häufig in der Kindheit begründet. Nicht selten musste der betroffene Mensch lernen, mit strengen Autoritäten umzugehen und bekam das echte Gefühl von Liebe nicht oder nur wenig zu spüren.

 

Masochistische Persönlichkeiten haben zumeist früh gelernt, dass Kummer, Trauer, Leid und Schmerz zum Leben dazugehört - und dass es ein wesentlicher Teil des Lebens ist. Andere Menschen finden erst später ihre masochistischen Züge, die sehr vielfältig sind und nicht zu pauschalisieren sind.

 

In nicht wenigen Fällen kann die masochistische Störung auch über ein traumatisches Ereignis entstehen z.B. ein Ereignis, das mit Vorwürfen und Schuldgefühlen einhergeht. Das mit der Störung eingehende Verhalten dient als eine Art Buße, wobei in vielen Fällen auch andere "büßen" müssen, was das selbstzerstörerische Verhalten der masochistischen Persönlichkeit vorwurfsvoll aufzeigt. 

 

Behandlung von Menschen mit masochistischer Persönlichkeitsstörung
Eine Behandlung masochistischer Persönlichkeiten ist sehr schwierig. Auf der einen Seite lehnen masochistische Persönlichkeiten Hilfe ab, auf der anderen Seite möchten masochistische Persönlichkeiten genau das, was andere an ihnen ändern bzw. „austherapieren“ wollen. Nur bei innerer Bereitschaft ist eine Therapie möglich. Hinzu kommt, dass derartige Denk- und Verhaltensmuster nur über aufwändige Prozesse geändert werden können.

 

Historische Ansätze / Masochismus nach Erklärungen von Sigmund Freud und anderen

Sigmund Freud übernahm den Begriff des Masochismus von Richard Fridolin Joseph Freiherr Krafft von Festenberg auf Frohnberg, genannt Richard von Krafft-Ebing, um damit vorab einen Pol eines sexuellen Partialtriebes bzw. den Sadomasochismus zu bezeichnen.

 

Noch heute ist dies in den Köpfen vieler Menschen so verankert wie Freud es einst beschrieben hat. Bei Freud ging es zunächst um die passiven Einstellungen zum Sexualleben bzw. zum Sexualobjekt sowie die Bindung der Befriedigung an das Erleiden von physischem oder seelischen Schmerz. Erst später kam das Schuldgefühl als entscheidendes Element des Masochismus in der Erklärung hinzu. Dadurch erhielten "sexuelle Lust" und "Strafe" ihre Kopplung. Demnach galt "die Lust am geschlagen werden" nicht nur als Strafe für eine verpönte genitale Beziehung, sondern auch als Ersatz dafür.

 

Nach der nächst neueren Konzeptualisierung der Triebe (Lebens- und Todestrieb) wurde der sogenannte "primäre Masochismus" (auch "erogener Masochismus" genannt) dann als "selbstdestruktive Tendenz mit Libido" erachtet und vom "Todestrieb" abgeleitet. Die Rückwendung der erotisierten Destruktivität auf die eigene Person wurde als sekundärer Masochismus bezeichnet, wobei der sogenannte "moralische Masochismus" als die wichtigste und zugleich häufigste Erscheinungsform galt.

 

Sigmund Freud unterschied zwischen moralischem, erotischem und femininem Masochismus. Beim "moralischen Masochismus", der auch ohne einen sexuellen Zusammenhang auftreten kann, steht ein unbewusstes Schuldgefühl und das Bedürfnis nach Strafe im Vordergrund. Beim moralischen Masochismus bekommen die moralischen Ansprüche des Über-Ichs einen unflexiblen sadistisch-zerstörerischen und zugleich lustvollen Charakter.

 

Auch Rosenfeld führt in seinem Konzept vom destruktiven Narzissmus, die Störung auf den Todestrieb zurück. Andere z.B. Bergler (1961), Stolorow (1975), Cooper (1988), Kernberg (1988), Nowick und Nowick (1991) sprechen von der Komponente des "verletzten Narzissmus". Allein aufgrund der Vorstellung, der größte aller Leidenden zu sein, spielt der Narzissmus auch für die Entstehung des Masochismus eine wichtige Rolle.

 

Für Stoller (1975, 1976) stellt die Wiederholung traumatischer Erlebnisse und ihre Umwandlung in narzisstischen Triumph die wichtigste Metapher zur Erklärung des Masochismus oder anderer Perversionen dar. Gleichzeitig warnt er und andere vor der Gleichsetzung mit erotischem und moralischen Masochismus wenn eine selbstschädigende Tendenz oder eine Tendenz zur Selbstbestrafung vorliegt. Was allgemein als „masochistisch" gilt, sei oft überwertet.

 

Coen (1988) spricht von der sadomasochistischen "Erregung" (excitement), sowohl bei einer sexuellen Perversion selbst - als auch bei den verschiedenen Formen sadomasochistischer Charakterabwehr. Damit lässt er offen, ob hier ein sexueller oder ein aggressiver Trieb wirkt -oder alternativ die Abwehr von Angst oder die Minderung von Schuldgefühlen. Nach seiner Definition ist allen sadomasochistischen Phänomenen die Suche nach Erregung und Intensität im Erleben gemein, die dazu dient, unterschiedlichste Ängste aus unterschiedlichsten Erfahrungsquellen abzuwehren.

 

Im modernen Neuroselling, einer angewandten Unterart der Neurowissenschaften wird heute davon ausgegangen, dass bei Menschen auf der Suche nach Erregung und Intensität im Erleben das Stimulanz-System stärker wirkt als bei anderen Persönlichkeitstypen, bei denen z.B. das Balancesystem stärker anspricht. Sie sind z.B. aktiv, spontan und neugierig. Sie suchen nach Entdeckung, nach neuen Erlebnissen, nach unbekannten Reizen und vermeiden Langeweile. Bei Nichterfüllung bzw. dem Empfinden von Langeweile fällen sie z.B. negative Entscheidungen z.B. eine negative Kaufentscheidung.

 

Bewusst abseits von Triebkonzepten hat Stoller (1976) den Begriff der sexuellen Erregung (excitement) eingeführt. Darunter versteht er die rasche Abfolge von Vorstellungen von Gefahr und Angst in Beziehungserlebnissen und den vorweggenommenen Triumph im Bestehen und Überwinden dieser Gefahr.

 

Bergler (1961) unterschied in Bezug auf den klinischen Verlauf des Masochismus zwischen "neurotischem" und "malignem" Masochismus. Letzteren sah er z.B. bei Borderline-Patienten und Schizophrenen, wobei die Rituale der Selbstzerstörung in allen Entwicklungsphasen vorkommen können. Beim "Konzept des Protomasochismus" von Loewenstein (1957) (Tendenz von aggressiv traumatisierten Kindern den Aggressor zu weiteren Aggressionen zu verführen, um Verlassenheits- und Trennungsängste abzuwehren) wird eine präödipale und ödipale Komponente der Entwicklung angenommen.

 

Kernberg (1988) unterteilt in mindestens drei Typen: Den klassischen Masochismus mit neurotischer Struktur, den Borderline-Masochismus und der völlig unintegrierten Aggression. Darüber hinaus werden weitere Untereinteilungen nahegelegt.

 

Neurowissenschaftliche Ansätze bzw. Erklärungen:

Neurowissenschaftliche Erklärungen über das Belohnungssystem

Ed Miller (1999) sieht in seiner Hypothese die Gründe in der Aktivierung des Belohnungssystems. Während man vorher annahm, dass Endorphine und Dopamin lediglich bei positiven Erfahrungen ausgeschüttet werden, konnten u.a. Gear (et al. 1999) im Tierversuch z.B. den Beweis erbringen, dass es einen solchen Mechanismus unter Einbeziehung des Endorphin-Systems tatsächlich gibt - und eben nicht nur bei positiven Erfahrungen. Motor des Belohnungssystems der Formatio reticularis ist der Nucleus Accumbens - eine Kernstruktur im unteren (basalen) Vorderhirn, die im bauchseitigen (ventralen) Teil der Basalganglien die Verbindungsstelle zwischen Putamen und Nucleus caudatus (den beiden Bestandteilen des Corpus Striatum) bildet.

 

Der Nucleus accumbens spielt eine zentrale Rolle im mesolimbischen System, dem sogenannten "Belohnungssystem" des Gehirns. Ebenso spielt er eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Sucht. Das mesolimbische System ist sehr stark in emotionale Lernprozesse eingebunden. Experimente mit Affen, die für ein bestimmtes Verhalten mit süßem Saft belohnt wurden (operante Konditionierung) zeigten z.B., dass nach einiger Zeit bereits allein die Ausführung des erlernten Verhaltens die Affen glücklich machte.

 

In anderen Experimenten konnte gezeigt werden, dass die dopaminergen Neurone der Area tegmentalis ventralis auf einen bestimmten (mit einer Belohnung verbundenen konditionierten) Reiz hin so lange feuerten, bis die Belohnung erfolgte. Dass das mesolimbische System nicht nur durch positive Glücksgefühle bei positiven, sondern auch bei negativen Erfahrungen angesprochen wird und entsprechende Verhaltensmuster gestärkt werden, konnte Gear (et al. 1999) zeigen. Demnach stellen auch negative Erfahrungen einen entsprechenden Reiz bzw. Thrill dar.

 

Thrill & Kick

O.g. Erkenntnis ist nicht nur für die Erklärung des Masochismus von Belang, sondern auch für die Erforschung der Spielsucht sowie der Sucht nach Extremsportarten interessant bzw. für alle präferierten Handlungen, deren Ausgang einen gewissen Unsicherheitsfaktor aufweisen, der von einigen Menschen angestrebt wird. Zugleich ist dies interessant für die Erklärung des Strebens nach Angst und der bewussten Herbeiführung dieses Gefühls:

 

Was gesunde Menschen als unangenehm empfundenes Gefühl empfinden, wird von masochistischen Persönlichkeiten geradewegs als lustvolle Erfahrung gesucht und tatsächlich auch genau so erlebt. Grusel, Horror, Angst und Schmerz führen hier geradewegs zu einem sogenannten "Thrill", von den Betroffenen selbst auch "Kick" genannt.

 

Insbesondere die Kontrasterfahrung zwischen einer aufregenden Gefahrensituation und deren Bewältigung führt bei Persönlichkeiten mit masochistischen Zügen zu einer speziell gewünschten Steigerung des Lebensgefühls und gibt den betreffenden Menschen genau das, was sie brauchen, den regelrechten "Kick". Unter einem solchen "Kick" versteht man den Wendepunkt zwischen Anspannung und Befreiung aus der Angstphase. Einen ähnlichen Effekt kennen wir vom Sport oder aus der Meditation z.B. wenn nach einer Phase der Kraftanspannung die Ruhephase einkehrt.

 

Beispiel für Thrill & Kick

Bergsteigen und alpines Klettern ist nicht nur eine Sache des natürlichen Fortbewegungsdranges und des menschlichen Triebes, Hindernisse zu überwinden. Ebenfalls ist dies nicht nur eine Sache eines außergewöhnlichen Naturschauspiels.

Tief im Kletterer bzw. Bergsteiger steckt die Angst vor der Gefahr des Absturzes.

 

Dies bringt die Psyche in einen Extremzustand, der den archetypischen Drang des Nach-oben-Wollens noch weiter stützt. Zusammen mit der körperlichen Anspannung und der Ausschüttung entsprechender Hormone führt dies zu einem Erlebnis, dass die Bergsteiger-Persönlichkeit sucht und geradewegs davon abhängig wird.

 

Bei anderen bewusst gesuchten Angst-Zuständen ist dies ähnlich. Sie können geradewegs zu einer Enthemmung oder einer tiefen Todessehnsucht führen oder eben - sofern sie bereits vorliegt - diese stützen. Ein derartiger Thrill & Kick kann aber auch ausgelöst werden, in dem man einen dominanten Partner wählt, der einem nicht gut tut und einem sogar schadet. Kick & Thrill kann aber auch durch Straftaten ausgelöst werden, alternativ indem man sich mit Straftätern umgibt oder eine Affinität zu ihnen aufbaut, während man parallel dazu das Recht verachtet.

 

Entwicklung: Die Suche nach dem Kick / Thrill

Es gibt immer mehr Menschen, die nach dem Kick oder dem Thrill geradewegs suchen. Extremsportarten und der Hang zur Suche nach sonstigen möglichst hohen Risiken ist seit längerer Zeit ein weit verbreitetes Phänomen, das stetig zunimmt und sich scheinbar wie ein Virus ausbreitet. In den USA musste mittlerweile sogar ein Park geschlossen werden, weil es immer mehr Menschen gibt, die das Risiko suchen, ein Selfie mit einem Bären zu schießen.

 

Natürlich spielen hier auch narzisstische Persönlichkeitsstörungen eine Rolle. Mit der masochistischen Persönlichkeitsstörung besteht jedoch ein deutlicher Zusammenhang. Was bei gesunden Menschen für Fassungslosigkeit sorgt, gilt für narzisstische Persönlichkeiten mit selbstzerstörerischem Hang als erstrebenswert und es gibt immer mehr Menschen, die so denken und handeln (siehe: Virale Zunahme gefährlicher Persönlichkeitsstörungen).

 

Mittlerweile haben derartige Störungen sogar ihren Weg in die Politik gefunden. Immer mehr politische Entscheidungen sprechen dafür, dass hier im tiefsten Inneren das genaue Gegenteil von dem angestrebt wird, was normale bzw. gesunde Menschen für gut, richtig, angenehm und sicher halten. Ist hier ein seltener Virus im Spiel? Oder handelt es sich um eine soziokulturelle Epidemie? Forscher haben letztere These mittlerweile bewiesen. Andere halten aber auch biologische Eingriffe über bestimmte Erreger für nicht mehr für ausgeschlossen.

 

Moderne biologische Erklärungsversuche

für selbstzerstörerisches Verhalten

Anders als psychologische Erklärungsversuche es erklären, haben Forscher der Biologie herausgefunden, dass auch gefährliche biologische Erreger (z.B. bestimmte Viren, Bakterien, Parasiten) die Persönlichkeit von Tieren und Menschen derart manipulieren können, dass diese von normalem Verhalten zu selbstzerstörerischem Verhalten wechseln.

 

So gibt es z.B. Gene wie das "egt", die Persönlichkeits- und Verhaltensänderungen steuern. Man kennt Parasiten, die bei den Neurotransmittern ansetzen (z.B. Kratzwürmer) und Erreger, die das Immunsystem austricksen, wodurch das zentrale Nervensystem mit falschen Informationen versorgt wird.

 

So wird z.B. der Überlebensinstinkt des Flohkrebses dadurch ausgetrickst bzw. ausgeschaltet, dass er den Angriff des Parasiten (Kratzwurm) durch eine Entzündung im Gehirn entgegenwirkt und eine immense Überproduktion des Neurotransmitters Serotonin erzeugt, wodurch das zentrale Nervensystem des Krebses mit falschen Informationen versorgt wird. Infolgedessen schwimmen die Tiere - anstatt sich untergetaucht zu schützen - genau zur Wasseroberfläche und liefern sich ihren Fressfeinden (Vögeln) zum Fressen aus.

 

Vom Verhalten her, könnte man auf eine masochistische bzw. selbstzerstörerische Persönlichkeitsstörung des Tieres schließen. Bei Tieren sind jedoch derartige Zuordnungen nicht gebräuchlich wie wir sie bei Menschen anwenden. Im Ergebnis ist das Verhalten jedoch sehr ähnlich:

 

Fehleinschätzungen, eine sinkende bzw. gesunkene Hemmschwelle, reduzierte Angst, die Suche nach Unsicherheit, Gefahr und Ärger, Überheblichkeit, die Illusion der Überlegenheit (Überlegenheitsillusion / Lake Wobegon Effect) und darauf basierende Entscheidungen, die aus der psychologischen Perspektive der Verursacher im übrigen keine Fehlentscheidungen darstellen, sondern den tiefsten Sehnsüchten ihres Seelenlebens entspringen.

 

Wie wir wissen, kann die Reduktion von Angst und das Gefühl von Sicherheit und Überlegenheit einer Störung entspringen, die psychologische Ursachen hat. Es gibt aber eben auch biologische Erreger, welche die Persönlichkeit und das Handeln maßgeblich beeinflussen. Die wenigsten sind bekannt. 

 

Wie man mittlerweile weiß, gibt es Parasiten (z.B. Toxoplasma gondii), die Botenstoffe derart manipulieren, dass man die Angst verliert und sich freiwillig ins Verderben stürzt. So weiß man bereits, dass z.B. Ratten und Mäuse mit Toxoplasmose ihre Angst vor Katzen verlieren und dadurch leicht zu erbeuten sind.

 

Der Erreger produziert ein Enzym, welches die Dopamin-Produktion anregt bzw. befeuert. Diese zusätzliche Dosis des Botenstoffs Dopamin macht die Nager furchtloser und neugieriger - und dadurch empfänglicher für ihre Feinde.

 

Die zusätzliche Produktion einer Extraportion Testosteron, die dadurch ausgelöst wird, dass der Erreger die Tiere für potentielle Geschlechtspartner attraktiver erscheinen lässt, macht (zumindest) die männlichen Tiere dann noch angstloser, als sie es durch das Dopamin ohnehin schon sind. Insofern liefern sich die Tiere geradewegs ihrem Verderben bzw. dem sicheren Tod aus.

 

Wie man mittlerweile weiß, wirkt ein solcher Zusammenhang auch bei uns Menschen, was insbesondere im Zuge der Toxoplasma gondii-Epidemie sehr auffällig sichtbar wird. Sofern der besagte Gehirnparasit einmal Zugang zum Gehirn gefunden hat, wirkt er dort weiter und es verändert sich auch unser Denken und unsere Persönlichkeit.

 

Allein durch nicht gut durchgegartes Fleisch, Katzenhaare oder Katzenkot, aber auch durch den Verzehr Obst, Salat und Trinkwasser tragen nach wissenschaftlicher Schätzung mittlerweile 50 % der Bevölkerung den Toxoplasmose-Erreger in sich, von unzähligen anderen Erregern ganz zu schweigen. Obwohl die Krankheit selbst unauffällig bleibt, sprechen einige Studien von einem deutlich erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen wie Schizophrenie - wie dies z.B. Jaroslav Flegr von der Karls-Universität in Prag feststellt hat:

 

Forscher des Karolinska-Instituts und der Universität Uppsala in Schweden haben zudem aufgezeigt, wie der Erreger das Gehirn seiner Träger allein dadurch manipuliert, dass er die körpereigenen Zellen des Immunsystems nutzt, um den Neurotransmitter GABA zu produzieren, der das Gefühl der Angst unterdrückt.

 

Besonders brisant und zugleich erschreckend war hier insbesondere die Tatsache, dass die Forscher dies auch an menschlichen Zellen aufzeigten. Allein dadurch wird deutlich, dass der Mensch für derartige Manipulatoren empfänglich ist und masochistische Persönlichkeitsstörungen eben auch auf biologischem Wege entstehen können. Aufgrund der zwei unterschiedlichen Wissenschaftsbereiche müsste man der Störung nur einen anderen Namen geben und sie offen als Krankheit titulieren.

 

Erschreckend ist ebenfalls die Tatsache, dass derartige Störungen auch über den Einsatz biologischer Kampfmittel bzw. biologischer Waffen entstehen könnten. Allein aufgrund der hohen Geheimhaltung weiß man jedoch noch viel zu wenig darüber. Das einzige, was man weiß ist, dass bestimmte biologische Erreger Veränderungen der Gehirnstruktur und damit der Persönlichkeit bewirken und / oder sich auf unsere Wahrnehmung, unser Denken und Verhalten auswirken und unsere Urteile und Entscheidungen maßgeblich beeinflussen können.

 

Die Nutzung des Masochismus durch die Märkte

Aufgrund der Vielzahl an Menschen mit masochistischen Persönlichkeitsstörungen mit steigender Tendenz nutzen unterschiedliche Märkte (z.B. der Sport- und Freizeitmarkt, Film usw.) Angst geradewegs als Konsumgut, das mit großem Erfolg gewinnbringend vermarktet wird. Extremsportarten wie Bungee Jumping oder bestimmte Fahrgeschäfte auf Jahrmärkte seien hier ebenso kurz genannt wie Horrorfilme oder Sado-Maso Studios.

 

Masochismus in der Geschichte

Was heute Bungee Jumping, Fahrgeschäfte und mittlerweile sogar masochistisches Engagement in der Politik darstellt, waren im alten Rom Tier- und Gladiatorenkämpfe und Massen-Massaker. In anderen Epochen waren es Ritterturniere, öffentliche Hinrichtungen, Verstümmelungen, Hexen- und Ketzerverbrennungen, Folter, Teufelsabbildungen oder Totentanz-Szenarien. Immer schon existierten Menschen, die an dem, was andere fürchten und anderen Angst macht, geradewegs eine helle Freude empfinden.

 

Nicht nur die Gebrüder Grimm wussten, dass man von Angst bzw. Angst machenden Erzählungen sehr gut profitieren kann. Insbesondere die Obrigkeit war stets bemüht, Angst zu schüren und zu nutzen, um das Volk bzw. a) gefährliche angstfreie Persönlichkeits-Typen zu befriedigen und auch b) alle anderen zu befrieden (ruhig zu stellen bzw. klein zu halten).

 

Kirche und Klerus bedienten sich der Angst ebenso als Instrumentarium wie die weltlichen Herrscher, die oftmals nur über den Machtfaktor Angst und Schrecken (sogenannte Schreckensherrschaft) regieren konnten. Bei der Umsetzung von Revolutionen war dies nicht anders und es gab immer schon viele Menschen mit entsprechenden Persönlichkeitsstörungen, die sich an Angst, Schmerz, Folter, Verstümmelung und Hinrichtungen geradewegs erquickten oder sogar eine regelgerechte Wissenschaft daraus machten wie die Geschichte der Guillotine ebenso zeigt wie die vielzähligen Folter-Handbücher und detaillierten Prozess-Akten der Inquisition und sonstigen Hexenprozesse.

 

Als einer der vielen in die Geschichte eingegangenen und von Bram Stoker als Romanfigur Dracula stilisierten Gesellen des Angst-Machens bzw. des frühen Psycho-Terrors sei hier der Woiwode Vlad III mit dem Beinamen Draculea (1431-1476/77), auch Vlad Tepes / Tepez (der Pfähler genannt) erwähnt. Zugleich muss betont werden, dass Gräueltaten (hier das massenhafte Pfählen und öffentliche Blut trinken) sowie Spaß an Angst und Grauen früher allgemein übliche Tagesordnung war und ein Vlad Tepez nicht etwa ein blutrünstiger Sonderfall war. Auch muss hinzugefügt werden, dass sich Angst in der Geschichte immer schon eine Art Lebensgefühl war, dass eng mit dem Leben und der Sinnhaftigkeit des Lebens verbunden war.

 

Rückkehr des Phänomens in die heutige Zeit

Diese Art der besonderen - wenn auch gestörten - Sinnhaftigkeit des Lebens kehrt in der heutigen Zeit immer stärker zurück, nicht nur im Sport und Freizeitbereich, sondern auch in die Wirtschaft und Politik. Waghalsige politische und wirtschaftliche Entscheidungen bis hin zu politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen, die der Schädigung und Zerstörung gleichkommen (Gefährliche Spekulationsgeschäfte, Aufnahme und Gewährung horrender Kredite, Staatsverschuldung, Herbeirufen und Aufnahme von Millionen Flüchtlingen, Umstrukturierung freiheitlich-demokratischer Staatssysteme in Systeme mit totalitaristischen Zügen, Drohgebärden an andere Staaten, Nötigung anderer Staaten, Nötigung der eigenen Bürger, Abverlangen von tiefen Einschnitten in das Privat- und Gesellschaftsleben usw.)  

 

Weitere (moderne) Erklärungen im Hinblick auf

masochistische (selbstzerstörerische) Persönlichkeitsstörungen 

Neben den vorgenannten psychiatrischen und neurowissenschaftlichen sowie wirtschaftlichen und geschichtlichen Erklärungen des Masochismus gibt es auch sozialwissenschaftliche, sozialpsychologische Ansätze sowie kombinierte Ansätze:

 

Ein Ansatz geht z.B. von einem demonstrativen Verhalten – ähnlich eines Hungerstreiks aus. In Situationen von Recht- und Hilflosigkeit bzw. des Ausgeliefertseins kann die demonstrative vorsätzliche Selbstschädigung ggf. als das das einzige Mittel gesehen werden, auf sich aufmerksam zu machen und sich irgendwie durchzusetzen.

 

Insofern liegt ein soziales Phänomen vor, das ggf. weniger als angenommen von der Persönlichkeit an sich, als vielmehr von sozialen Spannungen ausgeht. Insofern könnte Masochismus auch als Ausdruck repressiver Verhältnisse gesehen werden, der dem Druckabbau sowie der Durchsetzung z.B. in einer Situation der gefühlten oder angenommenen Ohnmacht dient.

 

Der Wunsch nach Durchsetzung könnte an Erfolgserlebnisse gekoppelt sein. Im Moment der Zerstörung und Selbstschädigung, die hier im Prinzip als "Waffe" eingesetzt wird, kommt es unter Einbeziehung des Belohnungssystems zu Erfolgserlebnissen, die nach Wiederholung streben, wobei die Erfolgserlebnisse leider lediglich an negative Erfahrungen gekoppelt sind. Dadurch kommt es zu einer Störung bzw. zu einem Wechsel (Perversion) von normalen hin zu abnormen Mustern.

 

In Kombination mit narzisstischen Zügen, die der Persönlichkeit entspringen, kommt dann noch das Erhaschen von Aufmerksamkeit zum Zwecke des Findens von Beachtung hinzu. Was die Persönlichkeit anbetrifft, so spielt jedoch auch ein tiefes Schuldgefühl eine Rolle. Dieses Schuldgefühl kann aus der Kindheit stammen, es kann aber auch im heutigen Leben entstehen und an frühere Komplexe erinnern.

 

Unbewusstes Streben nach selbsterfüllender Prophezeiung:
Intuitive Suche nach Bestätigung des Negativen und intuitive Ablehnung des Positiven 

Selbstschädigende und selbstzerstörerische Wahrnehmungs-, Denk und Entscheidungsmuster fungieren wie eine  intuitive Selbstbestrafung, aber eben auch wie eine Selbstbestätigung bzw. eine Bestätigung, dass Negatives vermeintlich normal ist, während das Positive gemieden wird, weil es anders ist und daher befremdlich wirkt.

 

Negative oder gar traumatische Erfahrungen in der Kindheit und Jugend suchen bei den betreffenden Persönlichkeiten stets nach einer Bestätigung im Jetzt und Heute. Letztendlich wurden negative Erfahrungen unbewusst als "richtig", regulär und üblich gelernt. Positive neue Erfahrungen würden dies nicht bestätigen, sondern der alten Erfahrung widersprechen, weshalb sie dann als befremdlich, unnormal, zweifelhaft, anmaßend und bedrohlich empfunden werden.

 

Daher wird das, was man bereits kennt und als normal empfindet immer wieder gesucht: In Partnerschaften, im Berufsleben usw. Positive neue Erfahrungen, die das Bewusstsein und die Logik eigentlich anstrebt, werden gemieden. Es kommt dadurch immer wieder zur Bestätigung des Gewohnten. Ein ewiger Kreislauf. Ziel ist die Bestätigung des Negativen. Hier spielt das Konzept der selbsterfüllenden Prophezeiung eine Rolle.

 

Die Selbsterfüllende Prophezeiung (Self-fulfilling-prophecy) basiert auf bestimmten Erwartungen, die zu sogenannten Erwartungsfehlern führen. Erwartungsfehler zählen zu den klassischen Wahrnehmungsfehlern, denen Menschen unterliegen. Sowohl eine bestimmte allgemeine Erwartungshaltung als auch bestimmte konkrete Erwartungen sowie das Maß dieser Erwartungen prägen die Tendenz und Ausprägung der Wahrnehmung sowie die entsprechende Einschätzung und Wertung.

 

Erwartung bezeichnet in der Psychologie die Annahme, was jemand (ein anderer oder mehrere andere) in Zukunft tun würde oder sollte. Erwartung ist zugleich die vorausgenommene prognostizierte Annahme eines Ereignisses oder Zustandes. Selbst sachliche Prognosen sind, sofern durch Menschen erfolgen, stets mit einer unbewussten Erwartung (Erwartungsfehler) verbunden.

 

Konkrete Erwartungen stehen in einer Verbindung mit einer bestimmten (bewussten oder unbewussten) Erwartungshaltung. die sich auf das Erwartete und die Wertung des Erwarteten übertragen. Die Übertragung bezieht sich auf das Eintreffen der Erwartung sowie die Wertung des Erwarteten. Individuelle Erfahrungen, Wünsche, Bedürfnisse und Wertvorstellungen der Person, die etwas erwartet, spielen eine ebenso große Rolle wie die konkrete Ausprägung der jeweiligen Erwartung sowie der Glaube an die Erfüllung oder das eigene (sachliche oder naive) Weltbild in Sachen Erwartungs-Erfüllung an sich.

 

Unsere Erwartungen beeinflussen nicht nur die kognitive Informationsverarbeitung, sondern bereits die Güte der Informationsaufnahme bei der Beobachtung. Selbstschädigende und selbstzerstörerische Wahrnehmungs-, Denk und Entscheidungsmuster führen dazu, dass einseitig und falsch beobachtet und die Wahrnehmung verfälscht.

 

Es kommt zu einer Uminterpretation (siehe Interpretationsfehler) der Wahrnehmung. Gutes und Förderliches wird als schlecht und wenig hilfreiches, negatives oder schädigendes als richtig und gut interpretiert. Das Prinzip wirkt ähnlich wie bei der Freund-Feind-Bild-Verdrehung. Ziel ist, dass sich die negativen Vorerfahrungen bestätigen und tunlichst wiederholen, weil man sonst sein eigenes Selbst- und Weltbild und sein früheres Leben in Frage stellen müsste. Das Bewusstsein will es; das Unterbewusstsein sucht hingegen nach Bestätigung. 

 

Bei der selbsterfüllende Prophezeiung handelt es sich um eine Vorhersage, die ihre Erfüllung selbst bewirkt. Eine solche Prognose über eine mögliche Zukunft hat einen entscheidenden Einfluss auf die Erfüllung - und ist die wesentliche Ursache dafür, dass die prognostizierte Zukunft auch tatsächlich eintritt.

 

Opfer bringen: Ein masochistisches Ideal und die Faszination, die davon ausgeht

Immer schon hat das selbstlos erscheinende "Sich aufopfern" für ein Ideal - und sei es auch noch so irrsinnig - die Menschen fasziniert und begeistert. So stark, dass dabei sogar Mord und Totschlag sowie der Tod Tausender - ja sogar von Millionen Menschen - mehr oder weniger billigend in Kauf genommen wird.

 

Das Fatale ist insbesondere die Faszination, die von narzisstischen Persönlichkeiten ausgeht, insbesondere von jenen mit masochistischer (selbstzerstörerischer) Tendenz. Sie werden auch heute als Helden oder Märtyrer (bzw. Märtyrer) gefeiert und geehrt - und das nicht nur von terroristischen Organisationen wie IS. Auch in vielen zivilisierten Köpfen spukt im Stillen die tiefe Anhimmelung von Menschen, die "um des Bekenntnisses ihres Glaubens willen leiden" bzw. "ihren gewaltsamen Tod erdulden."

 

Dass viele diesen Tod bzw. ihr Leiden teilweise aus Gründen egozentrischer Persönlichkeits-Perversionen heraus (also auch ohne gesellschaftspolitischen Kontext heraus) geradewegs anstrebten, ersehnten und als persönlichen "Triumph" ansahen, wird häufig verdrängt. Dennoch sind die naiven Vorstellungen der Bewunderer angesichts der meisten passiven Menschen und sogar Mitläufer irrwitziger oder bösartiger Regime durchaus verständlich.

 

Dennoch: Es muss nicht immer der "Blutzeuge" sein. Viel mehr Menschen setzen sich unblutig und ohne Mord und Totschlag für etwas ein und erleiden dafür Missgunst, Haft oder Verbannung. Da aber seit Menschengedenken bei vielen Menschen ein gewisser (versteckter) Hang zum Masochismus besteht, liegt nun einmal insbesondere dann eine hohe Bewunderung vor, wenn Blut fließt oder so viel Schaden wie nur möglich angerichtet wird.

 

Der Fall Jeanne d’Arc

In der zweiten Hälfte des Hundertjährigen Krieges geboren, wuchs Jeanne in einer wohlhabenden Bauernfamilie auf. Im Alter von 13 Jahren hatte Jeanne ihre ersten Eingebungen, dass sie sich dafür aufopfern müsse, Frankreich von den Engländern zu befreien - und den "Dauphin" zum Thron zu führen.

 

Obgleich es angesichts ihrer sozialen und gesellschaftlichen Position und ihres Alters eigentlich unmöglich erscheint, ein solches Handeln umzusetzen, konnte sie im Alter von ca. 17 Jahren schaffen, beim Dauphin Gehör zu erhalten und ihn sogar von ihrem Vorhaben überzeugen - ein Vorhaben, das - allein aufgrund der angeblichen Erscheinungen - oft als wahnhafte Störung (Wahn) bezeichnet wird, wobei zugleich eine Schizophrenie vermutet wird. Ebenso liegen aber auch masochistische Züge vor.

 

Der Kronrat ließ Jeanne eine Rüstung anfertigen und stellte ihr eine militärische Einheit zur Seite, um einen Proviantzug nach Orléans zu führen, wo die Truppen motiviert wurden, einen Ausfall zu wagen, bei dem Jeanne d’Arc vorneweg ritt und sich geradewegs aufopferte. Von einem Pfeil getroffen, blieb sie trotzdem auf dem Feld, was ihre Mitkämpfer beeindruckte, die Kampfbereitschaft des Heeres steigerte und die Engländer schließlich zum Abzug brachte. Die selbsterfüllende Prophezeiung ging auf:

 

Wie von Jeanne selbst prophezeit, wurde der Dauphin am 17. Juli 1429 in der Kathedrale von Reims als Karl VII. gekrönt. Dieser wollte nachfolgend Frieden mit den Engländern schließen. Einer masochistischen Persönlichkeit gefällt ein solches Vorhaben gar nicht. Jeanne d’Arc stellte sich den Friedens-Bestreben entgegen und erreicht über ihre Persönlichkeit und das bis dato erworbene Image tatsächlich, dass weiter gekämpft wird und weitere Risiken eingegangen werden.

 

Nach diversen missglückten weiteren Kämpfen Jeannes gegen die Engländer, wurde sie am 23. Mai 1430 bei Compiègne von Johann von Luxemburg festgenommen und ausgeliefert. Nach vielen Monaten Haft in einem Turm wurde sie schließlich "wegen ihres Aberglaubens, ihrer Irrlehren und anderer Verbrechen" (Siehe Gutachten der Universität von Paris) verurteilt und nach mehreren Prozessen zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

 

Wie bei anderen narzisstischen Persönlichkeiten (mit naiv-aggressiver und/oder masochistischer (selbstzerstörerischer) Tendenz auch, findet Jeanne d’Arc heute Anerkennung und Verehrung. Am 18. April 1909 wurde Jeanne d’Arc von Pius X. seliggesprochen und am 16. Mai 1920 von Benedikt XV. heiliggesprochen. Sie ist Schutzpatronin von Frankreich, Rouen und Orléans. Ihre Person wurde sogar zum nationalen Mythos der Franzosen verklärt, Vorbild für Bildnisse (z.B. Historiengemälde und Statuen) und zum Stoff von Romanen, Theaterstücken, Filmen und Gesängen. Auch wurde sie wurde zur Symbolfigur des Widerstandes gegen die deutsche Besatzung, wobei sich der Nationalsozialismus sowie das Vichy-Regime ebenso auf sie berief.

 

Martyrium: Ein masochistisches christliches Ideal

Selbst im christlichen Glauben ist das sogenannte "Martyrium" fest verankert und gilt am Beispiel von Jesus Christus sogar als erstrebenswert. Der Tod des Märtyrers entspricht dem Leiden und dem Tod Christi. Durch den Tod wird der Märtyrer zum Jünger Jesu. Er erwirbt im Tod mit Jesus Christus die Vollendung und Auferstehung. Im Christentum wird der möglichst masochistische Märtyrertod auch als "Bluttaufe" bezeichnet. Diese Bluttaufe sollte - bestimmten theologischen Auffassungen nach - sogar die eigentliche Taufe (z.B. wenn diese noch nicht stattgefunden hatte) ersetzen und über diesen Weg zur sofortigen Seligkeit führen.

 

Zugleich ist dies der Grund, warum sich unter römischer Herrschaft so viele verfolgte Christen diesem Martyrium stellten und sogar aufrecht und voller Stolz den Gang in die Arena antraten, wo die Raubtiere bereits auf sie warteten. Auch im Mittelalter war keine Prozession bzw. das "Buße tun" ohne Selbstgeißelung denkbar. Bei einer solchen Selbstgeißelung erfolgte die zumeist selbst durchgeführte Auffleischung der Haut durch  spezielle "Peitschen" zumeist mit Metallenden und/oder Messern daran. Je mehr Blut floss bzw. je höher der Schmerz bzw. die Marter, desto größer die Buße. Je mehr Buße man tat, desto höher die Chance auf Vergebung. Neben Geißelungen gab es das Ritzen. Das heutige Ritzen bei einigen masochistischen Störungen stellt nichts anderes dar. Es fehlt nur der bewusste christliche Hintergrundgedanke.

 

Die Verankerung des Martyrien-Gedankens in der Neuzeit

Da der christliche Kult des Martyriums und der Buße auch heute noch über den individuellen Glauben oder die Einflüsse der Sozialisation (Sozialer Einfluss / Social Cognition Effect) in den Köpfen vieler Menschen verankert ist, wundert es nicht, dass es auch heute noch so viele Menschen gibt, die danach trachten, Opfer oder Martyrien zu erbringen - nicht etwa, weil es keine Alternativen gäbe, sondern allein aus dem inneren (unbewussten) Streben heraus. Zugleich ist dies mit ein Grund, warum es Menschen gibt, die selbst vor den größten Gefahren (wie z.B. die sogenannte "Flüchtlingskrise") ihre Augen verschließen und gemäß den alten masochistischen Zügen der christlichen Tradition lieber das damit verbundene Leiden erdulden wollen.

 

Sie streben danach, möglichst alles "hinzunehmen", weil sie dann ähnlich eines Märtyrers vermeintlich "in den Himmel" kommen. Das klingt naiv. Genau so haben viele es jedoch gelernt. So soll es daher sein. Viele, die sich als wahre Christen begreifen oder lediglich als Christ sozialisiert wurden, lieben es, sich "ausgeliefert" zu sehen oder den Sachverhalt zumindest genau so darzustellen: Um so größer ist das vermeintliche Opfer, das sie bringen. Desto höher die Chance, im Himmel Anerkennung zu finden. Derartige Denkprozesse verlaufen natürlich nicht immer bewusst, sondern vielmehr intuitiv.

 

Bei IS-Terroristen ist dies nicht anders. Dort warten jedoch Jungfrauen. Hier spielen jedoch auch bewusste Denkprozesse, die unmittelbarer an einen indoktrinierten Glauben gekoppelt sind - eine Rolle. Bei Menschen westlicher Zivilisationen spielen (bis auf tief religiöse Christen) zumeist eher unbewusste Prozesse eine Rolle. Dennoch geht es stets darum, eine Art "Gutes" zu tun, indem man sich für etwas einsetzt, was man selbst für "gut" hält. Bei gestörten Persönlichkeiten erfolgt eine derartige Einschätzung nicht selten komplett verdreht (rollenverkehrt): 

 

Ob Menschen sich nun - wie beim Gladbecker Geiseldrama - auf die Seite der Mörder stellen oder - wie beim Polizeizugriff von Bad Kleinen - bemüht sind, Polizisten abzustrafen und getötete Terroristen in Schutz zu nehmen, spielt dabei keine Rolle. Beim Narzissmus geht es um Schuldgefühle und Anerkennung - und eben nicht um das, was zur Begründung seiner Ansichten und Taten vorgeschoben erklärt wird z.B. soziale Gerechtigkeit oder Bekämpfung von Armut. Wer dies nämlich wirklich ernst meinen würde, der würde im gesunden Zustand natürlich sofort bei seinem Umfeld anfangen und entsprechend handeln.

 

Sobald jedoch aufgrund einer Störung ein externer Fokus gesetzt wird, gar eine massiv externale Fokussierung vorliegt, kann man eben nicht mehr von "normal" oder "gesund" sprechen. Dann geht es nur noch um egozentrische Befriedigung unbewusster Komplexe, die nun eine Verarbeitung bzw Aufarbeitung der entstandenen Störung fordern. Anders als bei einsichtigen Menschen erfolgt hier eine solche Aufarbeitung nicht etwa über eine Therapie, sondern über Handlungen, die einen Schaden anrichten. Sie stellen eine Art Rache dar: Rache an sich selbst und/oder Rache an den anderen, die einem früher tatsächlich oder vermeintlich so sehr zugesetzt hatten.

 

Masochismus und Streben nach Mitnahme bzw. Mitschädigung anderer

Während bei naiv-aggressiven Persönlichkeiten der zusätzliche Hang besteht, die Tatsachen zu verkehren bzw. verdrehen, reicht bei masochistischen Zügen bereits die "Chance" auf das, was der normale gesunde Mensch für sich eben nicht als positiv und erstrebenswert erachtet. Es wird Leiden und Martyrium angestrebt - und das nicht nur immer für sich selbst. Auch die anderen sollen leiden (siehe dazu auch "Sadismus" unten).

 

Selbst dann, wenn der Psychopath sich von der Brücke in den tiefen Abgrund stürzt, ist es sein Bestreben, ja sogar die "Krönung" des Triumphes, dass andere leiden. Dieses Leiden der anderen strebt der Psychopath allein dadurch an, dass sein Schmerz bzw. sein Tod möglichst so grausam wie möglich erfolgt. Je schlimmer es aussieht, desto höher das Leiden der anderen (Familie, Umfeld, Augenzeugen), desto höher die Lust bzw. der sogenannte "Triumph".

 

Das Streben, narzisstisch-masochistische Züge bis zum bitteren Ende auszuleben und dabei andere Menschen mit in die eigene Schuld - und damit ins "Verderben" zu nehmen, kennen wir noch von einem anderen bekannten Staatsmann, der sich ähnlich verhielt: Auch Hitler hat spätestens in den letzten Kriegstagen dafür gesorgt, dass so viel Schaden wie nur möglich über ihn seine Untergebenen kommt. Bereits im November 1941 erklärte Hitler "Wenn das deutsche Volk einmal nicht mehr stark und opferbereit genug ist, sein eigenes Blut für seine Existenz einzusetzen, so soll es vergehen und von einer anderen, stärkeren Macht vernichtet werden […] Ich werde dann dem deutschen Volk keine Träne nachweinen."

 

Am 19. März 1945 erklärte er: "Wenn der Krieg verloren geht, wird auch das Volk verloren sein. Es ist nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das deutsche Volk zu seinem primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil, ist es besser, selbst diese Dinge zu zerstören. Denn das Volk hat sich als das schwächere erwiesen, und dem stärkeren Ostvolk gehört ausschließlich die Zukunft. Was nach diesem Kampf übrig bleibt, sind ohnehin nur die Minderwertigen, denn die Guten sind gefallen."

 

Seinen Suizid erklärte er zum Selbstopfer, das von den Wehrmachtssoldaten ebenso Kampf bis zum Tod fordere. Hitler betonte, dass er seine Zeit, seine Kraft und Gesundheit verbraucht hätte und dass die "treueste Pflichterfüllung bis in den Tod" künftig "zum Ehrbegriff des deutschen Offiziers gehören" solle. Sein Tod sollte die Niederlage als Erlösungstat glorifizieren, in einen Sieg verwandeln und letztlich dem Mythos zum unbegrenzten Weiterleben verhelfen.

 

Auch andere verzweifelte Menschen erklärten diese Zerstörung. Die Widerstandsbewegung der Weißen Rose gegen Hitler erklärte in ihrem ersten Flugblatt u.a: "(…) wenn die Deutschen, so jeder Individualität bar, schon so sehr zur geistlosen und feigen Masse geworden sind, dann, ja dann verdienen sie den Untergang…"

 

Auch hier erleben wir die Selbstschädigung und Mitnahme in Kombination mit der Verzweiflung im sozialen Kontext. Derartiges Denken erfolgt scheinbar insbesondere dann, wenn sich keine Identifikationsobjekte (mehr) bieten, an die man vertrauensvoll anknüpfen könnte.

 

Irgendwann beginnen die Menschen aus der Verzweiflung heraus, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Sie sehen z.B. die Schuld im Versagen des Kollektives auch bei sich. Die masochistische Mitnahme der anderen im Geiste oder real ist eine Art letzten Triumphes über sich selbst und die Ausweglosigkeit der Lage. Ein solcher Triumph geht bis zur Selbstaufgabe. Traumatische Erlebnisse in Kombination mit Ohnmachtsgefühl, dem Gefühl des Ausgeliefertseins und Kontrollverlust sowie einer Art des Selbstbedauerns führen eben auch zu selbstzerstörerischen Denk- und Handlungsmustern.

Abgrenzung Masochismus - Sadismus

Psychoanalytisch interpretiert, äußert sich der Selbstzerstörungstrieb nach innen gerichtet als Masochismus, nach außen gerichtet als Sadismus: Dazu zählt im weiteren Sinne das lustbetonte Quälen bzw. Foltern von Menschen und Tieren. Sadismus ist nach dem - für seine Schilderungen sexueller Grausamkeiten berüchtigten - Schriftsteller Marquis de Sade (1740–1814) benannt. Die meisten Sadisten stellen eine Beziehung zu Masochisten her, die Befriedigung ihrer Neigungen zulassen oder schlichtweg zu schwach, angepasst oder unterwürfig sind. Dies bezieht sich nicht nur auf das Alltagsleben - zum Beispiel auf Mobbing, sondern auch auf die Sexualität, bei der es um Schmerz, Erniedrigung und Dominanz geht und zusätzliche Stimulanz durch eine Art "Drehbuch" in Bezug auf die sexuellen Aktivitäten erfolgt und bei dem es um Unterordnung und Dominanz geht, ebenfalls um das bewusste gezielte Zufügen von körperlichem Schmerz. 

Aktualisierung / Nachtrag 2020: "Gesellschaftlicher Masochismus"

Seit einigen Jahren fällt auf, dass die Anzahl von Menschen mit den Symptomen einer masochistischen bzw. selbstzerstörerischen Persönlichkeitsstörung stark gestiegen ist. Der besagte Anstieg masochistischer Tendenzen fällt derart stark ins Auge, dass man in Deutschland mittlerweile von einem regelrechten Gesellschafts-Phänomen sprechen kann. Während Einige - nach wie vor von einer klassischen Persönlichkeitsstörung ausgehen, sehen andere einen deutlichen Zusammenhang mit der Toxoplasma gondii-Epidemie. Nachfolgend ein Beispiel für "gesellschaftlichen Masochismus":
 

"Ein Industrieland schaltet sich selbst freiwillig das Licht aus und ein großer Teil der Nation klatscht laut Beifall"

Wie "Tichys Einblick" berichtet, warnen die Netzbetreiber davor, dass ohne Strom-Import in Deutschland bald die Lichter ausgehen könnten, da Kraftwerke fehlen und Wind und Sonne nicht zuverlässig seien. Laut Holger Douglas gab es noch nie in der Geschichte einen solchen Irrsinn, dass sich ein Industrieland selbst freiwillig das Licht ausschaltet - und ein großer Teil der Nation dazu noch laut Beifall klatscht. Zum Artikel von Holger Douglas bei...

Tichys Einblick / tichyseinblick.de

Positiv-aversiver Selbstschädigungskomplex

Paradoxe Positiva-Abwehr - Antivalenzmuster - Selbstbestätigender Negativpräferenzkomplex

Worum geht es?
Beim positiv-aversiven Selbstschädigungskomplex (Positiva-Aversion) handelt es sich um ein psychologisches Muster, bei dem Personen positive Erfahrungen, hilfreiche Angebote, Förderung, Zugewandtheit oder unterstützende Interventionen vermeiden, abwerten oder als unangemessen empfinden und stattdessen unbewusst Verhaltensweisen bevorzugen und Entscheidungen treffen, die ihre bisherigen negativen Erfahrungen bestätigen – oft aus Gründen der Selbstschutzlogik, Identitätskohärenz oder kognitiver Konsistenz.

  

Während klassischer Masochismus und negativistische Persönlichkeitsmuster seit langem Gegenstand psychologischer Forschung sind, zeigt sich in der klinischen Praxis ein weiteres Phänomen: Menschen, die positive, förderliche oder unterstützende Angebote abwehren, obwohl diese objektiv vorteilhaft wären.

 

Sie empfinden Positives wie z.B. positive Ansprachen auf der Straße, Freundlichkeit, Entgegenkommen, Engagement, Serviceorientierung oder individuelle Hilfsangebote nicht als Ressource, sondern als Irritation, Übergriffigkeit oder als potenziell schädlich. Statt das Positive zu nutzen, bevorzugen sie Verhaltens- und Denkmuster, die sie in ihren bisherigen negativen Erfahrungen bestätigen – und stabilisieren dadurch unbewusst eigene Problemkreisläufe.

 

Eine typische Testaufgabe dazu: "Jemand schenkt Ihnen auf der Straße einfach so 100 Euro. Wie reagieren Sie?". Obgleich es sich um ein Geschenk handelt, werden Menschen mit Positiva-Aversion (aber auch Menschen mir einigen anderen schwerwiegenden Persönlichkeitsstörungen) hier zweifelnd, hinterfragend und ablehnend reagieren. Je nach Ausprägungsgrad der Störung würden Sie im Test

 

a)  auf das Geschenk verzichten,

b)  zweifeln / hinterfragen 

c)  sich trotz Positivem (sogar) unwohl fühlen

d)  ggf. sogar herabsetzend oder gar aggressiv reagieren 

 

Dies lässt sich auch auf Beziehungsmuster übertragen:

Bei der Partnersuche und Partnerwahl wird der freundliche, kooperative Partner abgelehnt (Gedanke: "Da muss ein Haken dran sein") und ein toxischer Partner gewählt, der alte negative Erfahrungsmuster letztendlich wieder bestätigt, weil nur das Negative, was man früher (in der Kindheit / Jugend oder in anderen Beziehungen) erfahren  hat, vermeintlich "richtig" bzw. "normal" sein kann.

 

Siehe Toxic Attraction. Der Begriff beschreibt die Anziehung zu problematischen Partnern. Er umfasst die Dynamik, bei der Menschen ein bestimmtes Muster bei der Partnersuche und Auswahl verfolgen - und trotz deutlicher Warnsignale, grundlegender Unterschiede oder schädlicher Verhaltensweisen in Beziehungen an diesem ihrem Muster festhalten.

 

Genauso verfahren Persönlichkeiten mit einem positiv-aversiven Selbstschädigungskomplex auch bei der Auswahl von Angeboten und bei Entscheidungen. Förderliches wird intuitiv abgelehnt ("Das ist anders als ich es kenne; da muss ein Haken dran sein"). Die Entscheidung erfolgt nach altem Muster in Richtung "altbewährter" Muster: Neutrales (ohne Mehrwert / ohne Gewinn), oder Ungünstiges oder Schädliches wird angestrebt. Oft suchen sich die Betroffenen ein soziales Umfeld, das dieses Muster bestätigt.    

 

Überschneidungen mit masochistischen und negativistischen Dynamiken 

Dieses Phänomen weist Überschneidungen mit masochistischen und negativistischen Dynamiken auf, stellt jedoch eine eigenständige psychologische Konstellation dar. Es verbindet Aspekte von Bindung, Lerngeschichte, Selbstwertregulation, Kognitionspsychologie und Persönlichkeitsdynamik.

 

Kontext zum Masochismus
Der Kontext des positiv-aversiven Selbstschädigungskomplexes zum Masochismus liegt beim bereits erwähnten unbewussten Streben nach selbsterfüllender Prophezeiung und Intuitive Suche nach Bestätigung des Negativen und intuitive Ablehnung des Positiven zur Bestätigung des Selbst und der bisherigen negativen Erfahrungen. Konkret geht es um das Streben nach Bestätigung, dass Negatives vermeintlich normal ist, während das Positive gemieden wird, weil es anders ist und daher befremdlich wirkt.

 

Negative oder gar traumatische Erfahrungen in der Kindheit und Jugend suchen bei den betreffenden Persönlichkeiten stets nach einer Bestätigung im Jetzt und Heute. Letztendlich wurden negative Erfahrungen unbewusst als "richtig", regulär und üblich gelernt. Positive neue Erfahrungen würden dies nicht bestätigen, sondern der alten Erfahrung widersprechen, weshalb sie dann als befremdlich, unnormal, zweifelhaft, anmaßend und bedrohlich empfunden werden.

 

Daher wird das, was man bereits kennt und als normal empfindet immer wieder gesucht: In Partnerschaften, im Berufsleben usw. Positive neue Erfahrungen, die das Bewusstsein und die Logik eigentlich anstrebt, werden gemieden. Es kommt dadurch immer wieder zur Bestätigung des Gewohnten. Ein ewiger Kreislauf. Ziel ist die Bestätigung des Negativen. Hier spielt das Konzept der selbsterfüllenden Prophezeiung eine Rolle.

 

Abgrenzung zum klassischen Masochismus

Der klassische Masochismus (früher als „selbstzerstörerische Persönlichkeitsstörung“ diskutiert) beschreibt:

-  Aktive Selbstschädigung

-  Wiederholungszwang negativer Beziehungserfahrungen

-  Aufsuchen von Situationen, die Leiden erzeugen und negative Erfahrungen bestätigen

-  Selbstwertregulation über Opferrollen

-  Erhöhte Toleranz für destruktive Beziehungen

 

Das hier beschriebene Phänomen unterscheidet sich deutlich: Ziel ist nicht das Leiden – sondern das Vermeiden des Positiven zur Bestätigung der bisherigen negativen / destruktiven Erfahrungen.

 

Die Selbstschädigung ist eine Nebenwirkung, nicht das Motiv. Es geht nicht um die Suche nach Schmerz, sondern um die Abwehr von Wohlwollen, Unterstützung oder Entwicklung.

 

Masochismus verursacht Leid durch die Hinwendung zum Negativen.

Das neue Muster verursacht Leid durch die Abwendung vom Positiven.

 

Bezug zum Negativismus

Negativistische Persönlichkeitszüge zeigen sich durch:

-  chronischen Widerstand

-  Verweigerung

-  latente Feindseligkeit

-  Reaktanz

-  Ambivalenz gegenüber Hilfe

 

Während Negativismus häufig bewusst oppositionell wirkt, ist die hier beschriebene Dynamik subtiler: Micht trotzig, sondern ängstlich-konsistenzsuchend. Nicht feindselig, sondern unsicherheitsvermeidend. Nicht destruktiv gegenüber anderen, sondern selbstlimitierend.

 

Gemeinsam ist beiden Mustern, dass sie zu selbsterfüllenden Prophezeiungen führen und den inneren Erwartungshorizont immer wieder bestätigen.

 

 

Warum wird Positives abgewehrt? Psychologische Mechanismen

 

1. Kognitive Konsistenz und Schema-Erhaltung

Menschen streben danach, dass ihre inneren Überzeugungen stabil bleiben.

Ist jemand tief verankert in Schemata wie:

 

-  „Hilfe gibt es nicht.“

-  „Niemand ist freundlich ohne Absicht.“

-  „Ich muss alles alleine schaffen.“

-  „Alles Positive hat einen Haken.“

 

… dann wirkt jede positive Erfahrung wie eine kognitive Bedrohung.

Die Abwehr des Positiven schützt das Schema – nicht den Menschen.

Exkurs zum relevanten Bedürfnis nach Konsistenz

und der Rolle bei selbstschädigenden Präferenzmustern

 

Das Bedürfnis nach Konsistenz zählt zu den grundlegenden psychologischen Motivationen des Menschen. Es beschreibt das Streben danach, dass Wahrnehmungen, Überzeugungen, Erwartungen, Emotionen und Verhalten miteinander übereinstimmen. Menschen wollen eine innere Ordnung – selbst dann, wenn diese Ordnung objektiv nachteilig ist. Dieses Konzept findet sich u. a. in:

 

-  Fritz Heiders Balancetheorie

-  Leon Festingers Kognitive Dissonanztheorie

-  Persönlichkeits- und Bindungstheorien

-  Schema- und Schematherapie-Konzepten (Young)

-  Selbstbestätigungs- und Selbstverifikationsmodell (Swann)

 

Warum manche Menschen Negatives wählen – aus Konsistenzgründen

Manche Menschen bevorzugen unbewusst Situationen, Beziehungen oder Interaktionsformen, die zu ihren internalisierten Mustern passen – selbst wenn diese schmerzhaft oder destruktiv sind. Dieser Mechanismus ist zentral für die beschriebene Dynamik der paradoxen Positiva-Abwehr

 

1.1 Selbstbild-Konsistenz

Wenn jemand tief verinnerlicht hat:

 

-  „Ich bin nicht wertvoll.“

-  „Ich verdiene nichts Gutes.“

-  „Ich darf keine Hilfe annehmen.“

-  „Nähe ist gefährlich.“

 

…dann erzeugen positive Erfahrungen Dissonanz, weil sie nicht zum Selbstschema passen.

Negative Erfahrungen hingegen bestätigen das Selbstbild – und sind deshalb psychisch „stimmiger“.

Das Negative fühlt sich vertrauter und damit emotional sicherer an als das Positive.

 

1.2 Konsistenz mit Erwartungen an Beziehungsmuster (Bindungsschemata)

Menschen internalisieren früh, wie Beziehungen funktionieren. Wenn jemand gelernt hat:

 

-  Liebe = unzuverlässig

-  Nähe = manipulativ

-  Zuwendung = gefährlich oder schuldbehaftet

-  Distanz = sicher

-  Strenge/Kälte = normal

 

…dann wirkt echte Freundlichkeit:

 

-  verdächtig

-  übergriffig

-  manipulativ

-  unpassend

-  „zu nah“

 

Und das führt dazu, dass man sich zurückzieht, das Gute abwehrt oder abwertet – und sich wieder Situationen zuwendet, die dem alten Muster entsprechen.

 

1.3. Die Logik der „negativen Homöostase“

Menschen stabilisieren ihre Psyche – nicht primär durch positives Erleben, sondern durch Vorhersehbarkeit. Das bedeutet:

Lieber ein negatives Ergebnis, das mich emotional nicht überrascht, als ein positives Ergebnis, das mich verunsichert.

 

Dieses Prinzip findet sich stark bei:

 

-  Masochistischen Persönlichkeitsmustern

-  Negativistischen (passiv-aggressiven) Persönlichkeiten

-  Borderline-Mustern (instabile Identität / Angst vor dem Guten)

-  Erlernter Hilflosigkeit

-  Menschen mit sog. „Fear of Happiness“-Schemata

 

1.4. Der unbewusste Glaubenssatz: „Das Gute ist bedrohlicher als das Schlechte“

Positive Zuwendung ist nicht nur ungewohnt – sie erzeugt Erwartungen, Verpflichtung, Hoffnung, Nähe, Intimität. Für Menschen mit traumatisierenden oder ablehnenden Vorerfahrungen ist genau das das Problem. Das Gute setzt sie einem Risiko aus. Das Schlechte nicht.

 

1.5. Konsistenz und die positiv-aversive Dynamik

Warum wirkt Freundlichkeit auf manche Menschen distanzlos, unseriös, übergriffig, unangemessen, manipulativ - und warum wirkt Strenge / Distanz / Kälte professionell, seriös, „normal“, sicher?

 

Weil deren inneres Modell von Beziehung so aussieht – und positive Abweichungen irritieren. Das Bedürfnis nach Konsistenz führt dann dazu, dass:

 

-  das Negative angezogen wird,

-  das Positive abgewiesen wird,

-  das alte Muster bestätigt wird.

 

1.6  Konsistenz als Verstärker selbstschädigender Muster

Menschen entscheiden sich dann paradox:

 

-  für den steinigen Weg, nicht den hellen,

-  für Distanz statt Verbindung

-  für Strenge statt Empathie

-  für Selbstkritik statt Selbstfreundlichkeit

-  für destruktive Partner statt wertschätzender Beziehungen

 

1.7  Zusammenhang der Konsistenz zu Masochismus & Negativismus

a) Masochistische Dynamik:

Selbstschädigendes Verhalten stabilisiert die Identität. Man schadet sich, um sich „richtig“ zu fühlen.

 

b) Negativistische Dynamik:

Ambivalenz, Widerstand, Sabotage – aber immer so, dass die eigene Welt wieder „stimmig“ wird.

 

a) + b)
Beide Muster dienen letztlich der Selbstverifikation, nicht der Selbstsabotage – auch wenn sie objektiv schädlich sind.

 

1.8  Warum das Ganze wie das „Gesetz der Anziehung“ wirkt

Menschen ziehen das an, womit sie innerlich übereinstimmen – nicht das, was sie rational wollen. Wir ziehen nicht das an, was wir brauchen, sondern das, was unser inneres System für „normal“ hält. Das erklärt den Eindruck einer „magnetischen“ Anziehung des Negativen.

 

 

Ende Exkurs zu 1. Konsistenz

Weitere psychologische Mechanismen, warum Positives abgewehrt wird

 

2. Selbstwertschutz

Menschen, die früh gelernt haben, sich als „nicht wertvoll“ oder „nicht wichtig“ zu erleben, empfinden positive Zuwendung als:

-  unglaubwürdig

-  beschämend

-  entwertend

-  überfordernd

 

Positivität widerspricht der eigenen Selbstdefinition. Sie wird nicht integriert, sondern abgewehrt.

 

 

3. Bindungs- und Beziehungslernen

Unsichere oder vermeidend gebundene Personen empfinden Nähe, Freundlichkeit oder Engagement nicht als Hilfe, sondern als Risiko:

-  Verlustangst

-  Vereinnahmungsangst

-  Misstrauen

-  Angst vor Abhängigkeit

-  Angst vor Enttäuschung

 

Was für andere normal ist, wirkt für sie bedrohlich.

 

 

4. Autonomiebedrohung und Reziprozitätsdruck

Positives Engagement kann auslösen:

-  Druck, etwas zurückgeben zu müssen

-  Angst, Erwartungen nicht erfüllen zu können

-  Befürchtung, Kontrolle zu verlieren

-  Angst vor Schuldgefühlen

 

Statt Dankbarkeit entsteht Stress – und damit Abwehr.

 

 

Warum führt die Positiva-Aversion zu Selbstschädigung?

Wer positive Angebote, hilfreiche Beziehungen oder förderliche Erfahrungen systematisch vermeidet, erlebt:

-  weniger Unterstützung

-  weniger Entwicklung

-  weniger korrigierende Lebenserfahrungen

-  mehr Misserfolg

-  mehr Bestätigung eigener negativer Weltbilder

 

Dadurch entsteht eine selbsterfüllende Prophezeiung:

 

-  „Ich habe mich ja immer schon geirrt – das Positive hilft mir nicht.“

-  „Ich bin eben jemand, bei dem die Dinge nicht funktionieren.“

 

Es entsteht ein Kreislauf:

 

-  Positives wird abgewehrt

-  Negativität bleibt dominant

 

Negativität bestätigt das bestehende Selbst- und Weltbild. Das Weltbild verstärkt die Abwehr des Positiven. Selbstschädigung nimmt zu. Dieser Kreislauf ähnelt dem „Gesetz der Anziehung“ im psychologischen Sinn: Nicht im spirituellen, sondern durch selektive Wahrnehmung, Erwartungseffekte und Verhaltenstendenzen.

 

Klinischer Relevanzbereich

Die Positiva-Aversion findet sich verstärkt bei:

 

-  ängstlich-vermeidendem Persönlichkeitsspektrum

-  negativistischen Mustern

-  Personen mit früher emotionaler Vernachlässigung

-  schambasierten Störungsbildern

-  Menschen mit fragiler Identität

-  gewissen masochistischen oder borderline-ähnlichen Untertypen

 

Aber sie ist keine Störung – sie ist ein psychologisches Muster, das in vielen Persönlichkeitsprofilen auftreten kann.

 

Schlussfolgerung

Das Vermeiden des Positiven ist ein unterschätztes Phänomen der psychischen Selbstbehinderung. Es beruht nicht auf Widersprüchlichkeit oder Unlogik der Betroffenen, sondern auf tief verankerten psychischen Strukturen:

 

-  Bedürfnis nach Konsistenz

-  Schutz vor Scham oder Verletzung

-  Bewahrung etablierter Schemata

-  Angst vor Nähe oder Verpflichtung

-  Selbstwertproblematik

 

Das Ergebnis jedoch ist paradox: Indem Menschen das abwehren, was ihnen helfen würde, stabilisieren sie jene Muster, unter denen sie leiden. Genau hierin liegt die Nähe zu masochistischen und negativistischen Persönlichkeitsdynamiken – ohne mit ihnen identisch zu sein.