Psychologie der Ausgrenzung, Psychologie des Hasses und der Hetze, Psychologie der Feindbilder, Psychologie der Verblendung, Psychologie des Mitläufers, Psychologie des Fanatismus, Psychologie der Verfolgung, Psychologie der Parolen, Psychologie des Gruppenwahns bzw. Massenwahns und der Massenhysterie
Die Lauten und die Verblendeten – Wie Hasschöre entstehen
Der Mob trägt viele Fahnen – Die Psychologie kollektiver Verblendung
Worum geht es?
Das Thema berührt mehrere reale psychologische und historische Phänomene:
Massenpsychologie, Konformitätsdruck, Feindbildbildung, Deindividuation, moralische Enthemmung, ideologische Verblendung, Gruppenradikalisierung, Sündenbockmechanismen und pluralistische
Ignoranz.
Es geht um die Psychologie der Ausgrenzung, die Psychologie des Hasses, die Psychologie der Feindbilder, die Psychologie der Verblendung, die Psychologie des Mitläufers, die Psychologie des Fanatismus, Die Psychologie der Hetze und Verfolgung, die Psychologie der Parolen und des Papageiensprechs sowie um die Psychologie des Gruppenwahns bzw. Massenwahns und der Massenhysterie - gestern wie heute.
Die Wiederkehr der Masse – Vom „Kreuzigt ihn!“ bis zur Gegenwart
Die Geschichte der Menschheit ist nicht nur die Geschichte großer Persönlichkeiten, Erfinder, Denker und Humanisten. Sie ist auch die Geschichte der Masse. Jener Masse, die sich im Kleinen wie im Großen immer wieder zusammenfindet, um Menschen auszugrenzen, zu verfolgen, zu verurteilen und zu vernichten.
Egal wann und wo in der Geschichte: Die Psychologie des Mobs war und ist im sozialpsychologischen Komzext stets ebenso identisch wie die Typologie der Täter im persönlichkeitspsychologischen Sinne. Was wechselt sind die Fahnen, die Parolen, die Ideologien. Doch die psychologischen Muster bleiben erstaunlich gleich.
Vor zweitausend Jahren schrien Menschen: „Kreuzigt ihn!“. Sie schrien nicht gegen einen Verbrecher. Sie schrien gegen einen Mann, der Frieden, Nächstenliebe, Vergebung und Wahrhaftigkeit predigte. Parallel dazu forderte de grölende Masse, Barabbas - einen tatsächlichen Straftäter stattdessen freizulassen. Und so geschah es dann auch unter dem Druck des schreienden Mobs. Und so geht es unverändert weiter im Laufe der Geschichte der Menschheit - bis heute.
Dabei wirft die Geschichte eine ganz besonders unbequeme Frage auf: Warum stehen Menschen so oft auf der falschen Seite? Die Antwort ist relativ simpel: Das Böse erscheint selten als böse. Eine der gefährlichsten Eigenschaften des Bösen besteht darin, dass es sich selbst selten als böse erkennt.
Hinzu kommt: Menschen handeln gewöhnlich nicht in dem Bewusstsein, dass sie bei ihren Anklagen, ihrem sonstigen Verhalten (inklusive Diskreditierung, Ausgrenzung, Hetze, Verfolgung, Behinderung, Verfolgung) und ihren diesbezüglichen Hass-Gefühlen ggf. selbst "böse" Täter sind. Sie denken nicht: „Ich bin heute ein Täter.“ Viel häufiger glauben sie: „Ich kämpfe für das Richtige und Gute.“
Genau deshalb konnten Hexenverfolgungen und Schauprozesse stattfinden. Gerade deshalb konnten politische Säuberungen stattfinden. Gerade deshalb haben Menschen ihre Nachbarn denunziert. Gerade deshalb konnten Millionen Menschen Diktaturen unterstützen, die Parolen von Ideologen frenetisch beklatschen und sich selbst wahnwitzigsten und bösartigen Ideologien verblendet anschließen und mit bestem bzw. gefühlt "reinem" Gewissen zu Tätern und Mittätern werden. Nicht trotz ihrer moralischen Überzeugung. Sondern WEGEN ihrer moralischen Überzeugung.
Wenn Denken durch Parolen ersetzt wird
In vielen Massenbewegungen lässt sich ein Phänomen beobachten, das man als „Papageiensprech“ bezeichnet. Menschen übernehmen vorgefertigte Begriffe, Schlagworte, Narrative und Parolen. Sie wiederholen diese ständig. Sie hinterfragen sie nicht. Sie analysieren sie nicht. Sie prüfen sie nicht. Die Wiederholung ersetzt das Denken.
Aus psychologischer Sicht handelt es sich um einen Prozess der kognitiven Vereinfachung. Komplexe Realitäten werden auf wenige Schlagworte reduziert: Freund. Feind. Gut. Böse. Kirche. Teufel. Demokratisch. Undemokratisch. Rechts. Links. Faschist. Antifaschist. Die tatsächliche Person sowie die eigentliche Sache verschwindet hinter dem Etikett.
Warum Menschen selbst die falschesten Narrative übernehmen
Dass Menschen - insbesondere in Gruppen bzw. Massen - selbst die falschesten Narrative übernehmen, liegt psychologisch an kognitive Abkürzungen, sogenannten Heuristiken. Menschen haben ein natürliches Bedürfnis nach Orientierung und schneller Einordnung. Medien - und ganz besonders einfache Parolen - bieten fertige Deutungsmuster. Daher greifen Menschen häufig bzw. bevorzugt auf folgende Heuristiken zurück:
- Autoritätsheuristik („Wenn Experten/Journalisten das sagen, wird es stimmen.“)
- Mehrheitsheuristik („Alle sagen es — also wird es richtig sein.“)
- Verfügbarkeitsheuristik (Wenn ein Thema ständig präsent ist, wird es als besonders wichtig oder gefährlich empfunden.)
Solche Heuristiken sind sind anfällig für manipulative Nutzung und werden genau dafür verwendet. Medien fungieren diesbezüglich als Verstärker
Hinzu kommt das Bedürfnis nach Sicherheit und Zugehörigkeit. Propaganda-Parolen wirken nicht nur kognitiv, sondern emotional. Und Menschen möchten nun einmal immer zu einer moralisch „richtigen“ Gruppe gehören. Die Angst, Außenseiter oder „abweichend“ zu wirken, fördert Konformität. Soziale Sanktionen (Spott, Ausschluss, Diffamierung) werden als reale Bedrohung empfunden. Je polariserter das gesellschaftliche Klima, desto stärker funktionieren diese Mechanismen.
Hinzu kommt der psychologisch relevante sogenannte Bestätigungsfehler (Confirmation Bias): Menschen suchen bevorzugt Informationen, die ihre Sicht bestätigen, und vermeiden solche, die widersprechen. Medien wie auch einfache Parolen, die man nachgrölt, bieten dafür ein perfektes Umfeld: Narrative Geschlossenheit, klare Freund-Feind-Schemata, moralische Bewertungen.
Was zumeist auch vergessen wird, ist die enorme Beeinflussung der Menschen durch Manipulative Rhetorik / Persuasive Rhetorik, die auf die Beeinflussung und Überzeugung von Menschen von einer bestimmten Realität bzw. Schein-Realität - und damit zur Beeinflussung von Emotionen, Urteilen, Entscheidungen und Einstellungsänderungen - abzielt
Erzeugt wird eine derart starke Wirkung auf Gefühle und Gedanken, dass alle weiteren Gedankengänge, die zu Wahrnehmungen, Einstellungen, Urteilen und Entscheidungen führen, darauf basieren und von selbst manipuliert werden, was selbst nicht erkannt werden kann. Über einfache "logische" Schlüsse und dadurch erzeugte Denkfehler manifestiert sich ein neues Denkschema, welches alle Beobachtungen, Wahrnehmungen, Beurteilungen und Entscheidungen lenkt.
Zur manipulativen und persuasiven Rhetorik zählt auch die schwarze Rhetorik. Hier geht es nicht um Wahrheit, Fairness oder Argumentationsqualität, sondern ausschließlich um Beeinflussung und Machtgewinn. Besonders deutlich wird die Wirksamkeit von manipulativer / persuasiver Rhetorik anhand der Methodik des Framings, des Storytellings, des Primings und der Kontaminierung durch historische Analogie.
Allein die Methodik / Technik der Kontaminierung durch historische Analogie zur Zuschreibung / Erzeugung von Schuld durch Assoziation (Gilt by Association) ist eine der mächtigsten Manipulationsmethoden moderner politischer Kommunikation. Es geht darum, mit Vorsatz einen gezielten Fehlschluss zu erzeugen. Die Wirksamkeit ist sehr hoch, weil nur wenige Menschen so etwas kennen und erkennen können. Die Technik wirkt auf der emotionalen Ebene, nicht der rationalen und funktioniert immer. Sie wirkt sehr stark, sicher und nachhaltig. Detail-Infos
Warum Menschen nicht erkennen...
Warum Menschen nicht erkennen, dass Sie letztendlich gelenkte Propaganda nachgrölen liegt - neben den vorgenannten - mittels geschickter vereinfachter Kommunikation - systemisch
erzeugten Fehlschlüssen - an drei Gründen:
Zum einen an der Illusion der eigenen Unmanipulierbarkeit. Fast jeder glaubt: „Die anderen sind beeinflussbar — ich nicht.“ Dieser psychologische blinde Fleck macht Propaganda extrem
wirkungsvoll. Der zweite Grund liegt in der Informationsüberlastung: Der moderne Mensch unterliegt unzähligen Reizen. Hinzu kommt, dass die weitreichenden modernen Medien Menschen tagtäglich
mit unzähligen Reizen bombardieren. Die Folge: Das Gehirn weicht auf narrative Muster aus, um Chaos zu ordnen. Propaganda nutzt diese Überforderung gezielt aus.
Der dritte Punkt ist, dass Lügen nicht erkannt werden, insbesondere dann, wenn Moral Fakten ersetzt. Hinzu kommt, dass - obgleich dies trotzdem immer ungenierter erfolgt - moderne Propaganda theoretisch eigentlich gar nicht mit Lügen, die trotzdem messbar geschluckt bzw. geglaubt werden, arbeiten müsste. Lügen werden heute ersetzt oder ergänzt mit a) emotionalen Frames, b) moralischen Imperativen, c) selektiven emotionalisierenden Bildern und d) vereinfachenden Geschichten (siehe dazu auch Storytelling)
Menschen folgen moralischen Erzählungen oft selbst dann, wenn Fakten widersprechen. Das vermittelt ihnen sogar ein Gefühl der „Güte“ — selbst wenn sie objektiv destruktive Entscheidungen unterstützen.
Die Psychologie des Schrei-Chors
Besonders auffällig wird dieses Phänomen dort, wo Menschen nicht argumentieren, sondern schreien. Der Schrei-Chor erfüllt mehrere psychologische Funktionen:
- Er erzeugt Gruppenzugehörigkeit.
- Er signalisiert Loyalität.
- Er verhindert individuelles Nachdenken.
- Er schüchtert Andersdenkende ein oder soll es zumindest zun.
- Er erzeugt moralische Überlegenheit.
- Er verwandelt komplexe Menschen in Feindbilder.
Der Einzelne verliert sich in der Menge. Die Verantwortung verteilt sich auf alle. Dadurch sinkt die persönliche Hemmschwelle. In der Psychologie spricht man hier hier unter anderem von Deindividuation und von Verantwortungsdiffusion. Der Mensch handelt plötzlich anders als allein: Aggressiver. Unreflektierter. Enthemmter. Das Individuum überträgt die Verantwortung auf die Gruppe, in welcher der Einzelne ebenso untergeht wie ein Vogel im Vogelschwarm oder ein Fisch im Fischschwarm.
Kontext zur Massenpsychose / kollektiven Psychose
Psychosen bezeichnen Zustände einer verzerrten Wahrnehmung, die mit Realitätsverlust einhergehen können. Eine Massenpsychose (collective psychosis) - auch Kollektive Psychose und Massenhysterie - bezieht sich auf psychotische / hysterische Verhaltensweisen von Menschen in einer (tatsächlichen oder vorgestellten) Massensituation, wobei vernunftgesteuertes Verhalten durch induziertes irrationales, möglicherweise wahnhaftes Denken und Verhalten ersetzt wird und realitätsgerechte Ich-Funktionen aufgegeben werden.
Massenpsychologische Konditionierung kann in Verbindung mit kollektive Affektmobilisierung zur Entstehung / Erzeugung einer Massenpsychose / kollektiven Psychose führen.
Psychosen bezeichnen Zustände einer verzerrten Wahrnehmung, die mit Realitätsverlust einhergehen können. Eine Massenpsychose (collective psychosis) - auch Kollektive Psychose und Massenhysterie - bezieht sich auf psychotische / hysterische Verhaltensweisen von Menschen in einer (tatsächlichen oder vorgestellten) Massensituation, wobei vernunftgesteuertes Verhalten durch induziertes irrationales, möglicherweise wahnhaftes Denken und Verhalten ersetzt wird und realitätsgerechte Ich-Funktionen aufgegeben werden.
Der Begriff der Massenpsychose (collective psychosis) bezieht sich schwerpunktmäßig auf das Denken und Glauben von Menschen, die mittels entsprechender Beeinflussung (Siehe: Sozialer Einfluss / Einfluss von Medien) eine bestimmte Meinung und Einstellung bekommen, die schließlich zu deren vermeintlicher "Realität" und "Wahrheit" wird - und nachfolgend dann eine bestimmte Haltung und Entscheidung hervorruft. Den Betroffenen kommt die Einsichtsfähigkeit abhanden bzw. die Einsicht in die Tatsache, dass sie die Dinge nicht mehr klar und nüchtern sehen.
Eine Form der Psychose ist der Wahn, auch jener, der durch massenpsychologische Konditionierung ggf. erzeugt werden kann. Ein Wahn bezeichnet eine irreale Überzeugung, die aber nach objektiv messbaren Aspekten nicht zutrifft, an welcher der Betroffene bzw. hier konkret die vom kollektiven Wahn Betroffenen jedoch unbeirrt festhält / festhalten, obgleich diese nicht mit der der objektiv nachprüfbaren Realität übereinstimmt.
Zugleich ist Wahn ein Krankheitssymptom aus dem Fachgebiet der Psychiatrie, die eine Störung der Urteilsfähigkeit zur Folge haben kann. Ein Wahn kommt bei verschiedenen psychischen Störungen vor und reicht bis von reiner Einbildung (z.B. Unterstellung grundsätzlicher Abneigungen anderer der eigenen Person gegenüber) bis hin zum völligen Realitätsverlust.
Menschen mit wahnhaften Störungen, ob diese nun krankhaft sind oder von außen (z.B. über den Prozess der massenpsychologischen Konditionierung) induziert wurden (siehe induzierter Wahn) deuten Wahrnehmungen oder Erlebnisse um und konstruieren gelegentlich komplexe, für den (nicht gleichsam konditionierten reflektierten) Außenstehenden konfuse, für den Betroffenen allerdings schlüssige "Wahnsysteme", in denen sie wie in einer zweiten, subjektiven Realität leben, welche sie ggf. durch neue Konstrukte erklären, schützen und verteidigen.
Durch massenpsychologische Konditionierung kann es auch zu einer Hysterie kommen - insbesondere in Verbindung mit kollektiver Affektmobilisierung. Hysterie bezeichnet eine hohe emotionale Erregung, die mit nach außen gerichteten histrionischen Reaktion einhergeht. Hysterie beschreibt übertriebene Reaktionen: Zum Einen a) auf Basis von unbegründeten Ängsten - und b) auf Basis von Geltungssucht.
In Verbindung mit induzierten Psychosen steht auch die - wie bei manchen regulären psychiatrisch relevanten Störungsbildern - die fehlende Einsicht bzw. Einsichtsfähigkeit in die Falschheit der eigenen Gedanken und ebenso in die etwaige Schadhaftigkeit des eigenen Verhaltens. Ihre eigenen Gedanken und Handlungen halten sie für schlüssig und logisch. Selbst gegenteilige Beweise können sie nicht davon abbringen. Menschen, die gegenteilige Beweise antreten, werden von Menschen mit einem Wahn für Feinde oder selbst für krank (bzw. verrückt) gehalten.
In der Regel werden wahnhafte Gedanken, Vorstellungen und Annahmen von den Betroffenen gegenüber der Außenwelt vehement verteidigt. Wahnhafte Gedanken, Vorstellungen und Annahmen werden von den Betroffenen gegenüber der Außenwelt so stark verteidigt, dass Zuschreibungen oder Anschuldigungen jeglicher Art zu einer sogenannten "Umkehr" führen.
Wenn z.B. wahnhafte Menschen auf ihre wahnhaften Gedanken angesprochen werden - auch, um sie ggf. mit der Falschheit ihrer Wahrnehmungen zu konfrontieren, werden diese "verrückt" gehalten oder in ihnen Feinde erachtet. Letzteres kann zu heftigem aggressiven Verhalten führen. Interessant ist, dass von einem Wahn Betroffene sämtliche Zuschreibungen fast 1:1 umkehren.
7.1 Einfluss bedingte Massenpsychosen und gezielt herbeigeführte Massenpsychosen / Massenhysterien
Während sich der Begriff der Massenpsychose (collective psychosis) schwerpunktmäßig auf das Denken und Glauben der Menschen bezieht, die eine bestimmte Meinung und Einstellung bekommen, die schließlich zu deren vermeintlicher "Realität" und "Wahrheit" wird und eine bestimmte Haltung und Entscheidung hervorruft, bezieht sich der Begriff Massenhysterie mehr auf das übertriebene, hysterische bzw. fanatische - unlogisch und abstrus wirkende Verhalten von Menschen, die über die Erzeugung von Ängsten und / oder Feindbildern in Hysterie verfallen, zumeist mit der Vorstellung das vermeintlich "Richtige" zu tun.
Bezüglich des Innenlebens zeigen sich bei Massenpsychosen Realitätsverzerrung, Realitätsverlust und Realitätsleugnung, gepaart mit Ignoranz oder Abwehr in Bezug auf anderslautende Informationen außerhalb der eigenen Blase bzw. Gruppierung, in der die Massenpsychose entsteht bzw. auftritt. Äußerlich kennzeichnen sich Massenpsychosen durch hysterisches sowie durch ängstlich-abweisendes und /oder aggressives konfrontatives Verhalten.
7.2 Programmierende Wirkung
Massenpsychologische Konditionierung geht aufgrund des starken Einflusses und Primings mit einer gehirnprogrammierenden Wirkung und mit der Ignoranz der Realität bzw. von anderslautenden Meinungen und Wahrheiten einher, was wiederum mit Realitätsverleugnung (bzw. der Leugnung / Verleugnung der Realität) einhergeht.
Ignoranz zeichnet sich dadurch aus, dass eine Person z.B. über kein bestimmtes oder ausreichendes Wissen zu einem Thema oder einer bestimmten Person oder Sache verfügt, etwas nicht wissen will oder nicht zur Kenntnis nimmt (Missachtung). Ignoranz liegt in der Entscheidungstheorie und Informationsökonomik vor, wenn ein Entscheidungsträger über keinerlei entscheidungsrelevante Informationen verfügt und sich über diese Realität hinwegsetzt.
Als Beispiel für Ignoranz sei ein Zitat aus dem Roman Der Besuch des Leibarztes von Per Olov Enquist erwähnt: „König Christian VII. kleidete sich in einen grauen Mantel und glaubte, so werde er nicht erkannt; dass zwei Soldaten ihm ständig im Abstand folgten, auch jetzt, ignorierte er.“
Als Beispiel für Ignoranz und Realitätsleugnung bei Massenpsychosen seien hier einige Aussagen genannt, die Betroffene gegenüber Angehörigen machten, welche sie über eine vermeintliche oder tatsächliche Falschheit ihres Denkens und Glaubens aufklären wollten. Die in der Forschung zur Ignoranz und Realitätsleugnung gesammelten Aussagen der Betroffenen ähneln sich frappierend.
Hier einige Beispiel-Zitate, die bei der Konfrontation mit - vom Glauben abweichender Informationen - im Prinzip alle gleich sind z.B. : "Was soll ich mit solch einem Schwachsinn anfangen?", "Aus welcher Filterblase ist das?", "Ich höre / schaue mir so was nicht an", "Lies mal Zeitung! Schau mal TV!", "So einen Unsinn brauchst Du mir nicht zu ...!", "Geh in / nach XY und schau Dir XY (selbst) an, die da wegen XY"... usw.)
Bezüglich der letzten Aussage ist erwähnenswert, dass die Betroffenen, welche die "Aufklärer" bzw. (Neu)Informations-Überbringer dazu bewegen wollten, selbst zu einen bestimmten Ort zu "gehen" und sich von der vermeintlichen "Realität" selbst "überzeugen" sollten, selbst aber gar nicht (bzw. sogar nie) an jenem Ort waren, zu dem die Aufklärer "gehen" sollten bzw. zu den sie die Aufklärer schicken wollten.
Auch wenn die Betroffenen von den Angehörigen etwas Schriftliches bekamen, wurde dies ignoriert. In jeden Fällen, in denen die Betroffenen den Text tatsächlich lasen (bzw. ihn sich anschauten und überflogen) wurde tatsächlich etwas ganz anderes herausgelesen, als dort nachweislich schwarz auf weiß stand.
Die Programmierung durch Informationen, die Gewöhnung an diese Informationen bis zur Gewohnheit und die dadurch erfolgende Ausblendung und Ignoranz anderer Informationen, die der Wahrheit bzw. Realität entsprechen, führt folglich dazu, dass die Falschheit zur eingebildeten "Wahrheit" wird und Fakten bzw. Wahrheiten, die kognitive Dissonanzen erzeugen, ausgeblendet, anders decodiert und uminterpretiert werden.
Die Dynamik der Feindbildbildung
Warum sind Feindbilder so mächtig? Weil sie einfach sind. Das Freund-Feind-Schema ist ebenso praktisch wie das Schwarz-weiß-Schema. Dies wirkt psychologisch entlastend. Einfache Freund-Feind-Bilder vereinfachen die Komplexität. Sie schaffen ein Kollektivgefühl („Wir gegen die“). Sie richten Frust über gesellschaftliche Probleme auf symbolische Gruppen. Historisch wurden Juden, Kommunisten, Homosexuelle oder politische Gegner stigmatisiert.
Heute dienen Medien als Verstärker. Wenn Medien, die im Kontext zur Macht des sozialen Einflusses als Autoritäten gelten und so wirken, Feindbild-Narrative nutzen, übernehmen oder verstärken, entsteht Gruppendruck, Konformitätszwang, Normalisierung von Ausgrenzung. Menschen hinterfragen die Realität dann weniger, weil sie glauben, „alle“ denken so.
Die Verwechslung von Haltung und Verhalten
Eine der größten Gefahren moderner Gesellschaften besteht darin, dass Menschen zunehmend anhand ihrer Selbstbeschreibung beurteilt werden , nicht anhand ihres Verhaltens. Doch entscheidend ist nicht, was Menschen über sich sagen. Entscheidend ist, wie sie handeln.
Wer ständig „Demokratie“ ruft, aber andere Meinungen niederbrüllt, handelt nicht demokratisch. Wer ständig von Toleranz spricht, aber Andersdenkende ausgrenzt, handelt nicht tolerant. Wer sich als Antifaschist bezeichnet, aber Einschüchterung, Ausgrenzung oder politische Verfolgung unterstützt, reproduziert Verhaltensmuster, die historisch selbst typische Kennzeichen autoritärer Systeme waren. Kurz gesagt: An ihrem Verhalten sollt ihr sie erkennen. Nicht an ihren Parolen.
Die Gefahr der pluralistischen Ignoranz: Wegschauen, Mitmachen, Schweigen –
die Mechanismen der direkten oder indirekten Zustimmung
Besonders gefährlich sind nicht nur die Täter. Gefährlich sind auch die Zuschauer. Viele Menschen erkennen, dass etwas falsch läuft. Doch sie schweigen. Sie glauben: „Die anderen werden schon etwas sagen.“. Doch die anderen denken oft genau dasselbe. Und wenn sie nicht dasselbe denken, dann tun sie zumindest so. Sie passen sich an. Niemand traut sich, als Erster das zu sagen, was er oder sie erkennt: Dass der Kaiser nackt ist.
Des Kaisers neue Kleider (dänisch „Kejserens nye Klæder“) von Hans Christian Andersen erzählt von einem eitlen Herrscher, der so versessen auf Prachtgewänder ist, dass er zwei falschen Webern verfällt. Im Glauben, ein ganz besonders tolles magisches Gewand zu tragen, zeigt er sich dem Volk. Niemand traut sich das zu sagen, was er sieht – bis ein Kind laut ausspricht, was keiner zu sagen wagt. Es geht hier und Anpassung und den mangelnden Mut des Einzelnen, die Wahrheit zu sagen, um die Angst, sich nicht konform zu verhalten, um die Angst vor Beurteilung und Ächtung.
Psychologen nennen dieses Phänomen pluralistische Ignoranz. Jeder wartet auf den anderen. Und dadurch handelt niemand. So konnten zahlreiche historische Katastrophen überhaupt erst möglich werden. Detail-Infos zur Thematik sind unter der Rubrik Sozialer Einfluss zu finden.
Historisch hat sich immer wieder gezeigt: Die Mehrheit will Ruhe, Sicherheit, Normalität. Sie stellt Systemnarrative selten in Frage, solange ihr eigenes Leben nicht unmittelbar bedroht ist. Wer es doch tut, riskiert sozialen oder beruflichen Schaden. Propaganda sorgt dafür, dass Nicht-Mitmachen als riskant erscheint — und Mitmachen als moralisch richtig.
Bonhoeffers Warnung vor der Dummheit
Der Theologe Dietrich Bonhoeffer erkannte während der Zeit des Nationalsozialismus etwas Bemerkenswertes. Er hielt Dummheit für gefährlicher als Bosheit. Nicht weil dumme Menschen weniger intelligent wären, sondern weil sie aufhören, selbstständig zu denken.
Der Dumme wird zum Werkzeug. Er übernimmt fremde Gedanken, fremde Feindbilder, fremde Narrative, fremde Urteile. Er wird manipulierbar. Gerade deshalb können Propaganda, ideologische Sprachregelungen, geschicktes Framing und permanentes Priming eine enorme Wirkung entfalten.
Kontext zur kollektiven Affektmobilisierung
Massenpsychologische Konditionierungsprozesse stehen in engem Zusammenhang mit der kollektiven Affektmobilisierung, also der systematischen Erzeugung und Steuerung gemeinschaftlicher emotionaler Zustände innerhalb großer Gruppen zur Erreichung von gesellschaftlicher Spaltung, Ausgrenzung von Andersdenkenden und Bekämpfung politischer Oppositionen.
Während Konditionierung auf die Verknüpfung bestimmter Reize mit erwünschten Reaktionen abzielt, fungiert die kollektive Affektmobilisierung als deren emotionaler Motor: Durch gezielte Ansprache von Angst, Wut, Bedrohungsgefühlen oder Euphorie werden Gruppen in ein gemeinsames emotionales Erregungsniveau versetzt, das ihre Wahrnehmungs- und Urteilsfähigkeit beeinflusst und sie empfänglicher für manipulative Botschaften macht. Beide Prozesse verstärken sich gegenseitig und bilden damit einen zentralen Mechanismus moderner Massenbeeinflussung.
„Denn sie wissen nicht, was sie tun“
Die Worte Jesu am Kreuz gehören möglicherweise zu den tiefsten psychologischen Beobachtungen der Menschheitsgeschichte: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun.“. Diese Aussage bedeutet nicht, dass Täter keine Verantwortung tragen. Sie verweist vielmehr auf ein erschreckendes Phänomen:
Menschen können Teil von Unrecht werden, ohne dessen wahres Wesen zu erkennen. Sie können glauben, für das Gute zu kämpfen, während sie Unrecht tun. Sie können glauben, Freiheit zu verteidigen, während sie Freiheit zerstören. Sie können glauben, Faschismus zu bekämpfen, während sie selbst autoritäre Verhaltensmuster praktizieren, die sich um eine Einheitsmeinung bündeln. Genau daher stammt der Begriff des Faschismus.
Die wichtigste Frage
Die entscheidende Frage lautet daher nicht: „Wer sind die Bösen?“. Die entscheidende Frage lautet: „Unter welchen Umständen könnte ich selbst Teil der grölenden, (vor-)verurteilenden und ausgrenzenden Masse werden?“. Wer diese Frage ehrlich stellt, entwickelt Demut.
Wer sie nie stellt, läuft Gefahr, genau zu jenem Menschen zu werden, den er zu bekämpfen glaubt. Denn die Geschichte zeigt immer wieder: Der Mob erkennt sich selbst selten als Mob. Und genau darin liegt seine größte Gefahr.
1. Psychologische Grundlagen: Warum Menschen Narrative übernehmen
1.1 Kognitive Abkürzungen (Heuristiken)
Menschen haben ein natürliches Bedürfnis nach Orientierung und schneller Einordnung. Medien bieten fertige Deutungsmuster. Daher greifen Menschen häufig bzw. bevorzugt zurück auf folgende Heuristiken:
- Autoritätsheuristik („Wenn Experten/Journalisten das sagen, wird es stimmen.“)
- Mehrheitsheuristik („Alle sagen es — also wird es richtig sein.“)
- Verfügbarkeitsheuristik (Wenn ein Thema ständig präsent ist, wird es als besonders wichtig oder gefährlich empfunden.)
Solche Heuristiken sind evolutionär sinnvoll, aber anfällig für manipulative Nutzung.
1.2 Bedürfnis nach Sicherheit und Zugehörigkeit
Propaganda wirkt nicht nur kognitiv, sondern emotional: Menschen möchten zu einer moralisch „richtigen“ Gruppe gehören.
Die Angst, Außenseiter oder „abweichend“ zu wirken, fördert Konformität. Soziale Sanktionen (Spott, Ausschluss, Diffamierung) werden als reale Bedrohung empfunden. Je polariserter das gesellschaftliche Klima, desto stärker funktionieren diese Mechanismen.
1.3 Bestätigungsfehler (Confirmation Bias)
Menschen suchen bevorzugt Informationen, die ihre Sicht bestätigen, und vermeiden solche, die widersprechen.
Medien bieten dafür ein perfektes Umfeld: Narrative Geschlossenheit, klare Freund-Feind-Schemata, moralische Bewertungen.
1.4 Beeinflussung durch Manipulative Rhetorik / Persuasive Rhetorik
Manipulative und persuasive Rhetorik zielt auf Beeinflussung und Überzeugung von Menschen von einer bestimmten Realität ab - und damit zur Beeinflussung von Emotionen, Urteilen, Entscheidungen und Einstellungsänderungen.
Erzeugt wird eine derart starke Wirkung auf Gefühle und Gedanken, dass alle weiteren Gedankengänge, die zu Wahrnehmungen, Einstellungen, Urteilen und Entscheidungen führen, darauf basieren und von selbst manipuliert werden, was selbst nicht erkannt werden kann. Über einfache "logische" Schlüsse und dadurch erzeugte Denkfehler manifestiert sich ein neues Denkschema, welches alle Beobachtungen, Wahrnehmungen, Beurteilungen und Entscheidungen lenkt.
Zur manipulativen und persuasiven Rhetorik zählt auch die schwarze Rhetorik. Hier geht es nicht um Wahrheit, Fairness oder Argumentationsqualität, sondern ausschließlich um Beeinflussung und Machtgewinn (siehe dazu auch Punkt 3. "Sprache als Macht-Instrument"). Besonders deutlich wird die Wirksamkeit von manipulativer / persuasiver Rhetorik anhand der Methodik des Framings, des Storytellings, des Primings und der Kontaminierung durch historische Analogie.
Allein die Methodik / Technik der Kontaminierung durch historische Analogie zur Zuschreibung / Erzeugung von Schuld durch Assoziation (Gilt by Association) ist eine der mächtigsten Manipulationsmethoden moderner politischer Kommunikation. Es geht darum, mit Vorsatz einen gezielten Fehlschluss zu erzeugen. Die Wirksamkeit ist sehr hoch, weil nur wenige Menschen so etwas kennen und erkennen können. Die Technik wirkt auf der emotionalen Ebene, nicht der rationalen und funktioniert immer. Sie wirkt sehr stark, sicher und nachhaltig. Detail-Infos
2. Propaganda damals und heute – gleiche Muster, neue Verpackung
2.1 Die Grundprinzipien bleiben konstant
Ob nationalsozialistische Propaganda, DDR-Medien oder moderne politisierte Kommunikation — die Muster ähneln sich:
- Vereinfachung komplexer Themen zu moralischen Schwarz-Weiß-Geschichten
- Wiederholung („Priming“), bis Begriffe emotional aufgeladen sind
- Feindbildkonstruktion („Die Bösen / Schuldigen sind…“)
inklusive geschickte Freund-Feind-Bild-Verdrehung im Rahmen der 1:1 Umkehr-Rhetorik
- Moralische Aufladung politischer Positionen („Unsere Position = das Gute“)
- Sprachmanipulation (Begriffe umdeuten, euphemisieren, stigmatisieren)
Diese Strategien sind heute wissenschaftlich gut dokumentiert.
3. Sprache als Macht-Instrument: Framing, Euphemismus und Orwell’sches „Neusprech“
Das Denken folgt der Sprache – nicht umgekehrt. Sprache schafft Realität. Wer Begriffe kontrolliert, kontrolliert Wahrnehmung.
3.1 Umdeutung politischer Begriffe
Historisch und aktuell finden sich häufige Beispiele: „Demokratie“ wird als moralischer Besitzstand einer Gruppe dargestellt, statt als pluralistisches Verfahren. Personen oder Meinungen, die vom dominanten Narrativ abweichen, werden als „undemokratisch“, „extrem“ oder „gefährlich“ etikettiert — unabhängig vom tatsächlichen Inhalt. Gleichzeitig können autoritäre oder ausgrenzende Praktiken sprachlich als „Schutz“, „Solidarität“ oder „Verantwortung“ dargestellt werden.
Die DDR bezeichnete sich selbst als „demokratisch“, während Westdeutschland offiziell als „faschistisch“ deklariert wurde – ein klassisches Beispiel staatlicher Bedeutungsumkehr.
3.2 Der Mechanismus des „Neusprech“
Orwell beschreibt, wie politische Sprache systematisch...
... den Wortschatz verengt,
... alternative Deutungen verunmöglicht,
... moralische Urteile bereits in der Sprache selbst einbaut.
Beispiele:
- „Kritiker“ → „Gefährder“
- „Opposition“ → „Radikalisierung“
- „Zwang“ → „Maßnahme“
- „Zensur“ → „Desinformationseindämmung“
4. Die Dynamik der Feindbildbildung
4.1 Warum Feindbilder so mächtig sind
Feindbilder sind psychologisch entlastend: Sie vereinfachen politische Komplexität. Sie schaffen ein Kollektivgefühl („Wir gegen die“). Sie richten Frust über gesellschaftliche Probleme auf symbolische Gruppen. Historisch wurden Juden, Kommunisten, Homosexuelle oder politische Gegner stigmatisiert. Heute sind es andere Gruppen sein — das Muster ist identisch.
4.2 Medien als Verstärker
Wenn Medien Feindbild-Narrative übernehmen oder verstärken, entsteht:
- Gruppendruck
- Konformitätszwang
- Normalisierung von Ausgrenzung
Menschen hinterfragen dann weniger, weil sie glauben, „alle“ denken so.
5. Warum Menschen Propaganda kaum erkennen
5.1 Die Illusion der eigenen Unmanipulierbarkeit
Fast jeder glaubt: „Die anderen sind beeinflussbar — ich nicht.“ Dieser psychologische blinde Fleck macht Propaganda extrem wirkungsvoll.
5.2 Informationsüberlastung
Moderne Medien bombardieren Menschen mit Reizen. Das Gehirn weicht auf narrative Muster aus, um Chaos zu ordnen. Propaganda nutzt diese Überforderung gezielt aus.
5.3 Moral statt Fakten
Moderne Propaganda arbeitet weniger mit Lügen und mehr mit:
- emotionalen Frames,
- moralischen Imperativen,
- selektiven emotionalisierenden Bildern,
- vereinfachenden Geschichten (siehe dazu auch Storytelling)
Menschen folgen moralischen Erzählungen oft selbst dann, wenn Fakten widersprechen. Das vermittelt ihnen sogar ein Gefühl der „Güte“ — selbst wenn sie objektiv destruktive Entscheidungen unterstützen.
6. Wegschauen, Mitmachen, Schweigen – die Mechanismen der Zustimmung
Historisch hat sich immer wieder gezeigt:
- Die Mehrheit will Ruhe, Sicherheit, Normalität.
- Sie stellt Systemnarrative selten in Frage, solange ihr eigenes Leben nicht unmittelbar bedroht ist.
- Wer es doch tut, riskiert sozialen oder beruflichen Schaden.
Propaganda sorgt dafür, dass Nicht-Mitmachen als riskant erscheint — und Mitmachen als moralisch richtig.
7. Gefahr einer Massenpsychose / kollektiven Psychose
Massenpsychologische Konditionierung kann in Verbindung mit kollektive Affektmobilisierung zur Entstehung / Erzeugung einer Massenpsychose / kollektiven Psychose führen.
Psychosen bezeichnen Zustände einer verzerrten Wahrnehmung, die mit Realitätsverlust einhergehen können. Eine Massenpsychose (collective psychosis) - auch Kollektive Psychose und Massenhysterie - bezieht sich auf psychotische / hysterische Verhaltensweisen von Menschen in einer (tatsächlichen oder vorgestellten) Massensituation, wobei vernunftgesteuertes Verhalten durch induziertes irrationales, möglicherweise wahnhaftes Denken und Verhalten ersetzt wird und realitätsgerechte Ich-Funktionen aufgegeben werden.
Der Begriff der Massenpsychose (collective psychosis) bezieht sich schwerpunktmäßig auf das Denken und Glauben von Menschen, die mittels entsprechender Beeinflussung (Siehe: Sozialer Einfluss / Einfluss von Medien) eine bestimmte Meinung und Einstellung bekommen, die schließlich zu deren vermeintlicher "Realität" und "Wahrheit" wird - und nachfolgend dann eine bestimmte Haltung und Entscheidung hervorruft. Den Betroffenen kommt die Einsichtsfähigkeit abhanden bzw. die Einsicht in die Tatsache, dass sie die Dinge nicht mehr klar und nüchtern sehen.
Eine Form der Psychose ist der Wahn, auch jener, der durch massenpsychologische Konditionierung ggf. erzeugt werden kann. Ein Wahn bezeichnet eine irreale Überzeugung, die aber nach objektiv messbaren Aspekten nicht zutrifft, an welcher der Betroffene bzw. hier konkret die vom kollektiven Wahn Betroffenen jedoch unbeirrt festhält / festhalten, obgleich diese nicht mit der der objektiv nachprüfbaren Realität übereinstimmt.
Zugleich ist Wahn ein Krankheitssymptom aus dem Fachgebiet der Psychiatrie, die eine Störung der Urteilsfähigkeit zur Folge haben kann. Ein Wahn kommt bei verschiedenen psychischen Störungen vor und reicht bis von reiner Einbildung (z.B. Unterstellung grundsätzlicher Abneigungen anderer der eigenen Person gegenüber) bis hin zum völligen Realitätsverlust.
Menschen mit wahnhaften Störungen, ob diese nun krankhaft sind oder von außen (z.B. über den Prozess der massenpsychologischen Konditionierung) induziert wurden (siehe induzierter Wahn) deuten Wahrnehmungen oder Erlebnisse um und konstruieren gelegentlich komplexe, für den (nicht gleichsam konditionierten reflektierten) Außenstehenden konfuse, für den Betroffenen allerdings schlüssige "Wahnsysteme", in denen sie wie in einer zweiten, subjektiven Realität leben, welche sie ggf. durch neue Konstrukte erklären, schützen und verteidigen.
Durch massenpsychologische Konditionierung kann es auch zu einer Hysterie kommen - insbesondere in Verbindung mit kollektiver Affektmobilisierung. Hysterie bezeichnet eine hohe emotionale Erregung, die mit nach außen gerichteten histrionischen Reaktion einhergeht. Hysterie beschreibt übertriebene Reaktionen: Zum Einen a) auf Basis von unbegründeten Ängsten - und b) auf Basis von Geltungssucht.
In Verbindung mit induzierten Psychosen steht auch die - wie bei manchen regulären psychiatrisch relevanten Störungsbildern - die fehlende Einsicht bzw. Einsichtsfähigkeit in die Falschheit der eigenen Gedanken und ebenso in die etwaige Schadhaftigkeit des eigenen Verhaltens. Ihre eigenen Gedanken und Handlungen halten sie für schlüssig und logisch. Selbst gegenteilige Beweise können sie nicht davon abbringen. Menschen, die gegenteilige Beweise antreten, werden von Menschen mit einem Wahn für Feinde oder selbst für krank (bzw. verrückt) gehalten.
In der Regel werden wahnhafte Gedanken, Vorstellungen und Annahmen von den Betroffenen gegenüber der Außenwelt vehement verteidigt. Wahnhafte Gedanken, Vorstellungen und Annahmen werden von den Betroffenen gegenüber der Außenwelt so stark verteidigt, dass Zuschreibungen oder Anschuldigungen jeglicher Art zu einer sogenannten "Umkehr" führen.
Wenn z.B. wahnhafte Menschen auf ihre wahnhaften Gedanken angesprochen werden - auch, um sie ggf. mit der Falschheit ihrer Wahrnehmungen zu konfrontieren, werden diese "verrückt" gehalten oder in ihnen Feinde erachtet. Letzteres kann zu heftigem aggressiven Verhalten führen. Interessant ist, dass von einem Wahn Betroffene sämtliche Zuschreibungen fast 1:1 umkehren.
7.1 Einfluss bedingte Massenpsychosen und gezielt herbeigeführte Massenpsychosen / Massenhysterien
Während sich der Begriff der Massenpsychose (collective psychosis) schwerpunktmäßig auf das Denken und Glauben der Menschen bezieht, die eine bestimmte Meinung und Einstellung bekommen, die schließlich zu deren vermeintlicher "Realität" und "Wahrheit" wird und eine bestimmte Haltung und Entscheidung hervorruft, bezieht sich der Begriff Massenhysterie mehr auf das übertriebene, hysterische bzw. fanatische - unlogisch und abstrus wirkende Verhalten von Menschen, die über die Erzeugung von Ängsten und / oder Feindbildern in Hysterie verfallen, zumeist mit der Vorstellung das vermeintlich "Richtige" zu tun.
Bezüglich des Innenlebens zeigen sich bei Massenpsychosen Realitätsverzerrung, Realitätsverlust und Realitätsleugnung, gepaart mit Ignoranz oder Abwehr in Bezug auf anderslautende Informationen außerhalb der eigenen Blase bzw. Gruppierung, in der die Massenpsychose entsteht bzw. auftritt. Äußerlich kennzeichnen sich Massenpsychosen durch hysterisches sowie durch ängstlich-abweisendes und /oder aggressives konfrontatives Verhalten.
7.2 Programmierende Wirkung
Massenpsychologische Konditionierung geht aufgrund des starken Einflusses und Primings mit einer gehirnprogrammierenden Wirkung und mit der Ignoranz der Realität bzw. von anderslautenden Meinungen und Wahrheiten einher, was wiederum mit Realitätsverleugnung (bzw. der Leugnung / Verleugnung der Realität) einhergeht.
Ignoranz zeichnet sich dadurch aus, dass eine Person z.B. über kein bestimmtes oder ausreichendes Wissen zu einem Thema oder einer bestimmten Person oder Sache verfügt, etwas nicht wissen will oder nicht zur Kenntnis nimmt (Missachtung). Ignoranz liegt in der Entscheidungstheorie und Informationsökonomik vor, wenn ein Entscheidungsträger über keinerlei entscheidungsrelevante Informationen verfügt und sich über diese Realität hinwegsetzt.
Als Beispiel für Ignoranz sei ein Zitat aus dem Roman Der Besuch des Leibarztes von Per Olov Enquist erwähnt: „König Christian VII. kleidete sich in einen grauen Mantel und glaubte, so werde er nicht erkannt; dass zwei Soldaten ihm ständig im Abstand folgten, auch jetzt, ignorierte er.“
Als Beispiel für Ignoranz und Realitätsleugnung bei Massenpsychosen seien hier einige Aussagen genannt, die Betroffene gegenüber Angehörigen machten, welche sie über eine vermeintliche oder tatsächliche Falschheit ihres Denkens und Glaubens aufklären wollten. Die in der Forschung zur Ignoranz und Realitätsleugnung gesammelten Aussagen der Betroffenen ähneln sich frappierend.
Hier einige Beispiel-Zitate, die bei der Konfrontation mit - vom Glauben abweichender Informationen - im Prinzip alle gleich sind z.B. : "Was soll ich mit solch einem Schwachsinn anfangen?", "Aus welcher Filterblase ist das?", "Ich höre / schaue mir so was nicht an", "Lies mal Zeitung! Schau mal TV!", "So einen Unsinn brauchst Du mir nicht zu ...!", "Geh in / nach XY und schau Dir XY (selbst) an, die da wegen XY"... usw.)
Bezüglich der letzten Aussage ist erwähnenswert, dass die Betroffenen, welche die "Aufklärer" bzw. (Neu)Informations-Überbringer dazu bewegen wollten, selbst zu einen bestimmten Ort zu "gehen" und sich von der vermeintlichen "Realität" selbst "überzeugen" sollten, selbst aber gar nicht (bzw. sogar nie) an jenem Ort waren, zu dem die Aufklärer "gehen" sollten bzw. zu den sie die Aufklärer schicken wollten.
Auch wenn die Betroffenen von den Angehörigen etwas Schriftliches bekamen, wurde dies ignoriert. In jeden Fällen, in denen die Betroffenen den Text tatsächlich lasen (bzw. ihn sich anschauten und überflogen) wurde tatsächlich etwas ganz anderes herausgelesen, als dort nachweislich schwarz auf weiß stand.
Die Programmierung durch Informationen, die Gewöhnung an diese Informationen bis zur Gewohnheit und die dadurch erfolgende Ausblendung und Ignoranz anderer Informationen, die der Wahrheit bzw. Realität entsprechen, führt folglich dazu, dass die Falschheit zur eingebildeten "Wahrheit" wird und Fakten bzw. Wahrheiten, die kognitive Dissonanzen erzeugen, ausgeblendet, anders decodiert und uminterpretiert werden.
Ähnlich wie bei nachfolgendem bekannten Beispiel zu einer ähnlichen Denk-Problematik,...
Das
Ist ein
ein interessantes Buch
Das
ist der Tropfen auf
auf dem heißen Stein
...bei dem zumeist etwas Anderes gelesen wird als dort steht. Denn allein aufgrund unseres Wissens und unserer Erfahrungen (unseres bereits fest im Gehirn verankerten Programmes / Schemas haben wir das Ende der Sätze bereits vorausgeahnt (ähnlich wie bei Vorausurteilen und Vorurteilen) und deshalb nicht mehr so genau beachtet, was wirklich dort steht.
Wie auch in Bezug auf sogenannte (vermeintliche) "Menschenkenntnis") und andere Wahrnehmungsfehler folgen einfach den Mustern, die wir seit Jahren verinnerlicht haben - und können uns nur schwer von ihnen lösen. Derartige Muster können durch Priming verstärkt werden. Folgender Test zur Veranschaulichung:
Johnny´s father has five sons.
1. Zaze
2. Zeze
3. Zise
4. Zose
What ist the name of the fifths son?
...und jetzt noch diesen Test zur Veranschaulichung:
Ein Mann der hat zwei Söhne:
Tick, Trick und .....?
8. Gegenstrategien: Wie individuelle und gesellschaftliche Resilienz entsteht
- Die eigene Wahrnehmung und eigene Denkmuster und Glaubenssätze hinterfragen
- Medien / Medienmacher hinterfragen
- Medienkompetenz fördern (Quellenkritik, Narrative erkennen)
- Pluralismus verteidigen (Opposition als demokratischen Kern begreifen)
- Sprachkritik üben (Euphemismen, Framing, Umdeutungen, Wortsinnverschleierung und Priming identifizieren)
- Psychologische Manipulation erkennen und verstehen
- Persuasive Konzepte und Methoden kennen, verstehen und erkennen
- Ambiguitätstoleranz stärken – die Fähigkeit, Grautöne auszuhalten
- Whistleblower-, Minderheiten- und Oppositionsschutz sichern
- Bewusstmachung: Demokratie lebt nicht von Einheitsmeinung, sondern vom Streit um Wahrheit.
Fazit
Propaganda war nie nur ein Instrument des 20. Jahrhunderts. Die psychologischen Mechanismen, die Menschen empfänglich machen, sind universell und zeitlos. Moderne Medienumgebungen haben ihre Wirkung sogar verstärkt: Mehr Geschwindigkeit, mehr Emotionalisierung, mehr moralischer Druck.
Nur wenn Menschen verstehen, wie Manipulation funktioniert, können sie ihr widerstehen. Die zentrale Erkenntnis lautet:
Demokratie braucht Vielfalt – und kritische Distanz zu jeder Form von medial vermittelter Gewissheit.