Negativismus - Negativistische  Persönlichkeitsstörung

Psychologisches Fachwissen zum Thema Negativistische Persönlichkeitsstörung, Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung, negatives Denken, Negativismus, Katastrophendenken

Negativismus
In der Psychologie versteht man unter Negativismus ein ablehnendes Verhalten. Negativismus ist in der Psychiatrie zudem ein Symptom der katatonen Schizophrenie, welches aus krankhaftem Misstrauen und Paranoia besteht und sich in einer Verweigerungshaltung manifestiert.

Widerstand
Negativistische Menschen leisten Widerstand gegenüber allen Aufforderungen oder Versuchen, bewegt oder verändert zu werden. Stattdessen kommt es bei negativistischen Menschen gern zu gegenteiligem Verhalten: Die Betroffenen handeln entgegengesetzt zu dem von ihnen verlangten bzw. erwarteten Verhalten oder verweigern die gewünschten Handlungen komplett. Da bei ihnen alles umgekehrt abläuft, können einige von ihnen dadurch zur gewünschten Handlung gebracht werden, indem man ihnen das Gegenteil des eigentlich Gewünschten anempfiehlt oder befiehlt (Befehlsnegativismus).

 

Auftreten von Negativismus
Fast automatisch tritt Negativismus in bestimmten menschlichen Entwicklungsstufen auf, zum Beispiel bei Kindern im Trotzalter oder in der Pubertät bei Jugendlichen. Als Negativismus wird aber auch eine generelle Grundhaltung von Menschen bezeichnet, deren Denkmuster von einem negativen Denken geprägt ist und im Leben immer das Schlimmste und Schlechteste erwarten, was eine permanent negative Grundhaltung mit sich führt, in der negativ denkende Menschen verharren, aufgrund ihrer entsprechend selektiven Wahrnehmung Positives kaum mehr als solches wahrnehmen und somit in einen negativen Teufelskreis geraten, was bis zur sozialen Isolation führen kann.

Isolation 
Entweder isolieren sich solche Menschen selbst, da sie von Anderen nur Negatives erwarten oder sie werden aufgrund ihres Verhaltens von anderen isoliert. Schließlich ist es für andere Menschen sehr anstrengend, nur Negatives zu hören (Befürchtungen, negative Prognosen, Klagen, Suche nach Problemen, wo keine sind). So etwas zieht andere Menschen runter, macht schlechte Laune und sorgt gemäß Selbsterfüllender Prophezeiung / Rosenthal Effekt und dem Gesetz der (entsprechenden) Anziehung für negative Gedanken, sinkende Motivation und die Anziehung von Sorgen, Nöten und Problemen, wo zuvor keine waren.    

 

Negative Denkspirale

Wer immer nur das Schlechteste in allem sieht oder mögliche (ggf. fiktive) Probleme, Traurigkeit oder Enttäuschung in den Vordergrund rückt und sich gedanklich wie verbal eher auf die negativen Aspekten des Lebens fokussiert, gerät mit der Zeit automatisch in eine negative Denkspirale, die Misserfolge, Probleme und psychische Erkrankungen begünstigt. Nach dem Gesetz der Anziehung werden positive Einflüsse ausgeblendet, Erfolge verhindert und Probleme bzw. Misserfolge geradewegs angezogen.

Katastrophendenken
Eine Folge einer solchen negativen Grundhaltung ist das sogenannte "Katastrophendenken", eine regelrechte Denkfalle, bei der negativistische Menschen davon ausgehen, dass ihre Zukunft etwas Unangenehmes für sie bereit hält. Daraus resultieren Lebens-Ängste und Unsicherheits-Gefühle. Ganz normale alltägliche Ereignisse werden dann als Zeichen für etwas anstehendes Negatives wahrgenommen. Während eine mögliche Neuorientierung behindert wird, kommt es zu einer Art Opferhaltung sowie einem Gefühl des Ausgeliefertseins und der Ohnmacht. Ein solches Katastrophendenken versetzt die negativistische Menschen in lähmende Angstzustände.

Negativistische Persönlichkeitsstörung

Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung

Psychologisches Fachwissen: Negativistische Persönlichkeitsstörung, Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung

Menschen mit einer negativistischen Persönlichkeitsstörung, die häufiger auch als passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung bezeichnet wird, haben - wie die Bezeichnung es bereits selbst ausdrückt - eine negative (negativistische) Einstellung bzw. abwertende Grundhaltung gegenüber - von anderen Menschen kommenden - Anregungen und Leistungsanforderungen, die sich in passivem Widerstand bzw. mürrischem bis streitsüchtigem Trotzverhalten (verbal und nonverbal) äußert. Was ggf. als "verantwortungsvolle Skepsis" oder als vermeintliche "Vernunft" erklärt wird, ist in Wirklichkeit prinzipieller Trotz des Trotzes wegen. Ursächlich ist eine negative Grundeinstellung, die sich auf alles und andere überträgt. Zum Trotzverhalten kann zählen:

 
- Verhalten, das aus Prinzip anders ist, als gewünscht

- Bewusste oder unbewusste Missachtung von Vorgaben

- Häufig beobachtbare mürrische Mimik und ablehnende Gestik in der sozialen Interaktion / in Kommunikationssituationen

- Ständiges Hinterfragen (unrelevanter oder unwesentlicher Zusammenhänge) / Hinterfragen allein des Hinterfragens wegen

- Häufige Äußerung von Unwohlgefühl im sozialen und/oder beruflichem Kontext

- Übertriebenes Klagen über persönliches Unglück

- Häufiges Klagen darüber, missverstanden, zu wenig beachtet oder missachtet zu werden

- Häufige Erklärung, sich genötigt oder ungerecht behandelt zu fühlen

- Häufiges sich beschweren (selbst über kleinste Dinge)

- Intuitive Suche nach Problemen und Streit

- Heftige Reaktionen auf kleinste Reize / Unsachliche Reaktion auf bestimmte Schlüsselreize

- Nichtannahme nützlicher Vorschläge inklusive aktivem Weghören

- Reaktion mit unverhältnismäßiger Kritik

- Für "unsinnig" Erkären von Anregungen, Meinungen oder Forderungen

- Das prinzipielle Dagegensein und Besserwissen

- Der ständig geäußerte Glaube daran, dass man etwas besser könne, als andere

- Vermeidungsverhalten

- Verzögerungsmanöver

- Behinderung von Bemühungen anderer

- Vorsätzliche Nicht-Kooperation

- Passives Widersetzen bei Routine-Aufgaben im sozialen und/oder beruflichem Umfeld

- Vorsätzlich langsame Arbeitsweise

- Nichtleistung oder Schlechtleistung

- Beharrlichkeit in Behauptungen

- Erklärung, Pflichten angeblich "vergessen" zu haben

- Verachtung auf Autoritätspersonen

- Unangemessene Kritik an Autoritäten

- Offener Ausdruck von Neid und Groll gegenüber Menschen,

  denen es scheinbar besser geht oder denen,

  die eine höhere Stellung haben oder mehr Beachtung finden

- Abwechslung zwischen feindseligem Trotz und Reue

- Unbewusste Selbst-Sabotage eigener Handlungen

  z.B. in Simulationen/Testsituationden

- Sabotage der Leistung anderer

 

Der Hintergrund
Menschen mit mit einer passiv-aggressiven bzw. negativistischen Persönlichkeitsstörung fühlen sich in vorliegenden sozialen Beziehungen selbst nicht adäquat wieder und fühlen sich scheinbar in ihrer Rolle so unwohl, dass sie durch unterschiedlichstes verbal und/oder nonverbales Trotzverhalten kontinuierlich ihren Ärger ausdrücken, wobei jedoch die Lösungsorientierung fehlt.

 

Soziale Kompetenzen im Umgang mit Ärger und Wut scheinen ebenso geringer ausgeprägt wie die natürliche Durchsetzung eigener Bedürfnisse auf üblichem Wege. An Stelle einer Argumentation erfolgt unter inszeniertem Klagen eine (Dennoch-)Zustimmung mit gleichzeitiger Verweigerungshaltung, ständigem Hinterfragen und übermäßiger Kritik. Insbesondere gegenüber Menschen, denen es in irgendeiner Art und Weise besser zu gehen scheint, begegnen Menschen mit einer negativistischen Persönlichkeitsstörung mit Neid, Missgunst, Groll, Trotz und Fremdabwertung, wobei Feindseligkeit mit Reue in einem zwiespältigem Wechselspiel stehen kann.

 

Daraus resultierende Auseinandersetzungen und Streitigkeiten mit der Umwelt basieren vermutlich auf einem geringen Selbstwertgefühl im sozialen und/oder beruflichem Kontext, wobei persönliche Enttäuschungen auf andere projiziert werden. Ggf. liegen die Ursachen bereits in der Kindheit und/oder der späteren Entwicklung und basieren ggf. auf dem Gefühl, gesellschaftlich bzw. sozial benachteiligt zu sein -  oder auf früheren traumatisch erlebten Erfahrungen. Ggf. kann ein Zusammenhang mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung bestehen.

 

Das Verhalten, das aus einer negativistischen Persönlichkeitsstörung heraus herrührt erfolgt keinesfalls immer bewusst. Die meisten Handlungen erfolgen unbewusst. Sie entspringen unbewussten Motiven (siehe Motiv-Fehler). Das bedeutet, dass es eine Person zwar gut meint und ggf. etwas richtig und gut tuen will, unbewusst jedoch das genaue Gegenteil von dem tut, was richtig und gut ist.

Gesellschaftliche Akzeptanz

Gesellschaftliche Akzeptanz der Negativistischen Persönlichkeitsstörung, Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung

Da eine kritische, negativistische Grundhaltungen und Trotzverhalten in Deutschland in vielerlei Hinsicht teilweise fast gesellschaftskonform ist (siehe Beispiele aus der Gesellschaft), wird die negativistische Persönlichkeitsstörung – anders als in den USA - in Deutschland - dem aktuellen Wissensstand nach -  selbst nicht diagnostiziert, auch da hier eine klare Einstufung in die entsprechende Normierung fehlt. Grund ist die - im Vergleich zu den Menschen in den USA - eher kritische bis ablehnende Grundhaltung der meisten Menschen in Deutschland, angefangen bei der nicht selten komplexen Kinder-Planung über eine kritischen Erziehung und Hinterfragung bis hin zu Alltags-Verhalten. Im Alltag zeigt sich dies durch:

 
- Mürrisches Verhalten in Warteschlangen und an Kassen
- Extrem kritische und häufig negative Presseberichterstattung in Bezug auf herausragend erfolgreiche Persönlichkeiten,     
  Unternehmen, Institutionen und vom Mainstream abweichende Meinungen

- Abtun als Spinnerei, Verschwörungstheorie, Unterstellung unlauterer Absichten 

- Einmischung in Befindlichkeiten anderer / Kontrollverhalten, Meldeverhalten und Spitzeltum
- Klugschwätzerei
- Kleingeistiges Bürokratie- und Klischee-Denken

- Extremes Beschwerde- und Klageverhalten

- Prinzipielle Rechthaberei & Besserwisserei selbst bei extremer Dummheit und Unkenntnis

- Häufiges Negieren anderer Meinungen / Ablehnung und Unterdrückung anderer Meinungen

- Messbare gerichtliche Streitlust

- Antrieb, andere zu verklagen

- Häufige Androhung einer Klage / Schnelles Drohen mit Anwalt

- Datenschutz-Psychopathie

- Abmahnwellen

- Überlastung der Gerichte

- Beharren auf Rechten

- Starkes Aufbegehren gegen Benachteiligung, Diskriminierung u.ä.

 

Insofern zählt die negativistische Persönlichkeitsstörung zur akzeptierten Mentalität vieler Bürger in Deutschland. Dies ändert jedoch nichts daran, dass es sich um eine schwerwiegende Störung handelt, die einem selbst und seinen Mitmenschen schadet, persönliches Glück mindert, eigene Chancen schmälert, persönliche und berufliche Erfolge mindert oder gar sabottiert und darüber hinaus anderen schadet. Allein der Schaden, der durch negativistische Störungen in Unternehmen entsteht, ist erheblich. Zusammen mit weiteren ungünstigen bis schadhaften Persönlichkeitsstörungen ist die negativistische Persönlichkeitsstörung im Hinblick auf das Thema Personal (Arbeitsleistung, Kooperation, Verhalten gegenüber Kunden etc.) ein enormer Motivations-Killer, Entwicklungs-Hemmer und betriebswirtschaftlicher Negativ-Faktor. 

Abgrenzung von Wohlstands-Psychopathen

Eine besondere Art negativistisch auftretender (wirkender) Menschen sind sogenannte Wohlstands-Psychopathen. Obgleich ihr Auftreten / Verhalten teilweise ähnlich wirkt - und Missgunst, Groll und Trotz ebenfalls eine Rolle spielen, sind diese aber von Menschen mit einer Negativistischen Persönlichkeitsstörung abzugrenzen. Denn hier spielt der - in seinem Verhalten überzogen selbstbewusst, arrogant und herablassend wirkende - innere Hang zur Selbstüberschätzung, Selbsterhöhung und Selbstermächtigung eine Schlüsselrolle.

 

Bei Menschen mit einer Negativistischen Persönlichkeitsstörung liegt anstelle eine völlig überzogenen Selbstwertgefühls ein eher geringeres Selbstwertgefühl im sozialen Kontext vor. Zudem missachten Wohlstands-Psychopathen - wie klassische Psychopathen bzw. Soziopathen auch - gezielt soziale Normen, gesellschaftliche Regelwerke sowie die Rechte anderer, die außerhalb ihrer eigenen Norm liegen, die sie selbst stecken und sich dabei zumeist auf ein Umfeld Gleichgesinnter berufen, das "ihre" eigene Gesellschaft bildet. Die Einschränkung der Rechte anderer ist nicht im Sinne einer Negativistischen PS, wo die Betroffenen mehr auf ihren (vermeintlichen) Rechten pochen. Sogenannte Wohlstands-Psychopathen gehen da erheblich weiter.

 

Während Feindseligkeit mit Reue bei negativistischen Persönlichkeiten oft in einem zwiespältigem Wechselspiel stehen, sind Wohlstands-Psychopathen ihrer Selbst- und Weltsicht fest überzeugt und weichen davon nicht ab - ebenso wenig von ihren Vorurteilen und Vorausurteilen gegenüber Andersdenkenden, die sie nicht zu ihrer vermeintlich "elitären" Gruppe zählen. Auch ansonsten sind Wohlstands-Psychopathen von der Negativistischen Persönlichkeitsstörung abzugrenzen. Denn deren völlig überzogene unverhältnismäßige Selbstüberschätzung, Selbsterhöhung und Selbstermächtigung basiert zumeist auf erlernter Bestätigung im eigenen Lebensstil und Umfeld, basierend auf einem hohen Sicherheitsgefühl - in der Regel auf Basis sozialer Absicherung und fehlender Ängste / Hemmungen, einseitigem Feedback sowie der Ausblendung ungünstiger Fremdeinschätzungen und Kritik.

 

Dies führt bei Wohlstands-Psychopathen - wie bei "Hochmütigen Persönlichkeiten" - zu herablassendem Verhalten, das sich dadurch zeigt, dass sie von oben herab auf andere Menschen blicken, die außerhalb ihres eigenen subjektiven Selbst- und Weltbildes stehen, das für sie die vermeintliche "Realität" darstellt.  Infos zu Wohlstands-Psychopathen finden Sie bei den weiteren Infos unter "Wissen: Persönlichkeitsstörungen".

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