Wissen Psychologie:

Massive externale Fokussierung &  Helfer-Syndrom

Massive externale Fokussierung

Massive externale Fokussierung bezeichnet eine starke Fokussierung der eigenen Aufmerksamkeit nach außen (auf alles Andersartige, Ausländische und Fremde), das bevorzugt wird, während alles Nahe, Gleiche und Ähnliche (z.B. die eigenen Nachbarn, die eigene Nationalität) ignoriert oder sogar verachtet und in extremen Fällen sogar gehasst und bekämpft wirkt.

 

Mögliche Ursachen

Ursächlich kann sein, dass der betroffene Mensch sich selbst oder sein Umfeld nicht mag oder dass er in seinem Umfeld nicht die nötige Anerkennung findet. Nicht selten findet man einen regelrechten Hass (Selbsthass und Hass auf die eigene Gesellschaft).

 

Menschen, die in sozialen, zwischenmenschlichen und/oder gesellschaftlichen Interaktionen wiederholt geringe Erfolge in Bezug auf ihren Selbstwert erzielen oder auf anhaltend negative Erfahrungen in diesen Bereichen zurückblicken, stehen vor der Herausforderung, diese Diskrepanzen zwischen Selbstanspruch und erlebter Realität psychisch zu verarbeiten.

 

Werden die Ursachen für diese Misserfolge und Belastungen überwiegend oder ausschließlich external attribuiert – also dem sozialen Umfeld, gesellschaftlichen Strukturen, kulturellen Rahmenbedingungen oder abstrakten Systemen zugeschrieben –, während eine selbstreflexive Auseinandersetzung mit möglichen intrapsychischen oder interaktionellen Anteilen ausbleibt, greifen Betroffene häufig auf unterschiedliche selbstwertstabilisierende Strategien zurück.

 

Zu diesen Strategien zählen bekannte selbstwert- und weltbilddienliche Verzerrungen, etwa selektive Wahrnehmung, Externalisierung von Verantwortung oder die Umdeutung belastender Erfahrungen. Ebenso können Umkehrmechanismen beobachtet werden, bei denen eigene Defiziterfahrungen in moralische Überlegenheit oder Opferstatus transformiert werden.

 

Denk- und Handlungsmuster, die in diesem Zusammenhang unter dem Begriff des Leftismus beschrieben werden, lassen sich psychologisch als ideologisch gerahmte Formen solcher Selbstwertregulationsprozesse verstehen, bei denen individuelle Kränkungen in kollektive Schuldzuweisungen und moralische Absolutheitsansprüche eingebettet werden.

 

Eine weitere, weniger beachtete, jedoch psychodynamisch besonders wirkmächtige Strategie stellt die Abspaltung der als ursächlich unterstellten externalen Misserfolgsfaktoren dar, verbunden mit einer symbolischen oder realen „Flucht“ in ein neues externes Bezugssystem. Insofern gleicht massive externale Fokussierung einer Flucht nach außen sowie der Suche und Schaffung einer neuen individuellen und ggf. phantastischen Werte-Identität.

 

Das prägerierte neue Umfeld unterscheidet sich möglichst deutlich vom bisherigen sozialen, kulturellen oder gesellschaftlichen Kontext, dem die Verantwortung für eigene partnerschaftliche, familiäre oder gesellschaftliche Misserfolge zugeschrieben wird. In diesem Prozess kommt es zu einer Projektion negativer Selbst- und Beziehungserfahrungen auf das „alte“ Umfeld, während alternative Ideologien, ferne Kulturkreise oder idealisierte soziale Gruppen als positiv besetzte Gegenwelten fungieren.

 

Psychologisch betrachtet handelt es sich hierbei um einen phantastischen Austausch des externen Bezugsrahmens: Das als feindlich, beschränkend oder schuldhaft erlebte Umfeld wird innerlich verworfen, während ein neues, idealisiertes Außen konstruiert wird, dem die Hoffnung auf Selbstwertstabilisierung, Sinnstiftung und moralische Aufwertung innewohnt.

 

Dieses Muster wird im Folgenden als massive externale Fokussierung bezeichnet. Charakteristisch ist dabei eine Fixierung auf externe Erklärungsmodelle, die zur Aufrechterhaltung des eigenen Selbstbildes notfalls mit selbstwert- und weltbilddienlichen Konstruktionen einhergehen können, die den Charakter von Rationalisierungen oder sogar Lügenkonstrukten annehmen.

 

Ist das Selbstbild bereits erheblich geschädigt und gelingt eine partielle Selbstwerterhöhung über diese Mechanismen, kann die massive externale Fokussierung in bestimmten Konstellationen mit Ausprägungen des sogenannten Helfersyndroms einhergehen. In diesem Fall wird das eigene Selbstwertgefühl nicht primär durch innere Integration oder reale Beziehungserfahrungen stabilisiert, sondern durch das Helfen und moralische Engagement für andere.

 

Auffällig ist dabei, dass sich diese Hilfsbereitschaft selektiv auf jene Gruppen oder Milieus richtet, mit denen sich das Individuum im Sinne der neuen externalen Identifikation verbunden fühlt, während das eigene ursprüngliche soziale Umfeld abgewertet, verachtet oder aktiv bekämpft wird.

 

Die massive externale Fokussierung stellt somit keinen rein kognitiven Attributionsstil dar, sondern ein komplexes psychodynamisches Muster der Selbstwertregulation, Identitätsbildung und Realitätskonstruktion, das sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Implikationen besitzt.

 

Wie zeigt sich massive externale Fokussierung?
Massive externale Fokussierung zeigt sich zum Beispiel durch Engagement speziell für Ausländer, Engagement in der Entwicklungs- oder Flüchtlingshilfe oder in der zwischenmenschlichen oder generellen Bevorzugung von Menschen möglichst völlig fremder Kulturen.

 

Massive externale Fokussierung kann sich z.B. durch besonderes Engagement für andere (möglichst ferne) Kulturen, fremde Menschen oder seltene Tiere im Ausland zeigen. Massive externale Fokussierung zeigt sich z.B. über a) z.B. externales Engagement (z.B. vermeintlich "gut" gemeinte Entwicklungshilfe) und über b) Bevormundung und Unterdrückung von Menschen, die dem Betroffenen selbst von der Rasse her ähnlich sind oder als Gegner der eigenen überbewerteten Idee, die auch in einen regelrechten Wahn (sogar Allmachts-Wahn) ausarten kann, wahrgenommen werden. Weitere komplexere Beispiele folgen.

  

 

Wissenschaftliche Hintergründe der massiven externalen Fokussierung

 

Ein vielschichtiges psychologisches Phänomen

Massive externale Fokussierung lässt sich als ein komplexes psychologisches Konstrukt beschreiben, das Elemente der Attributionstheorie, der Abwehrmechanismenlehre und der Narzissmusforschung integriert. Massive externe Fokussierung ist ein vielschichtiges psychologisches Phänomen, das kognitive Verzerrung, Selbstwertproblematik, emotionale Projektion, psychosexuelle Besetzung und soziale Idealisierung verbindet.


Massive externale Fokussierung dient dazu, innere Konflikte, Selbstzweifel oder ungelöste frühere Verletzungen zu kompensieren, indem die Aufmerksamkeit nach außen, auf das Fremde, Idealisierte oder Andersartige gelenkt wird. Diese Strategien können kurzfristig psychischen Gewinn erzeugen, langfristig jedoch zu realen sozialen und intrapsychischen Konflikten führen, insbesondere dann, wenn sie die Wahrnehmung der eigenen Realität dauerhaft verzerren.

 

Massive externale Fokussierung stellt keinen pathologischen Zustand im engeren Sinne dar, wohl aber ein hochfunktionales, selbstwertregulierendes Muster, das kurzfristig Stabilität erzeugt, langfristig jedoch Selbstreflexion, Beziehungsgestaltung und persönliche Entwicklung blockieren kann. Gerade in gesellschaftlich polarisierten Kontexten gewinnt dieses Muster an Attraktivität, da ideologische Systeme eine scheinbar konsistente, moralisch aufgeladene Externalisierung persönlicher Konflikte ermöglichen.

 

1. Attributionstheoretische Grundlagen

Zentral für das Verständnis der massiven externalen Fokussierung ist die Attributionstheorie, insbesondere in der Tradition von Fritz Heider sowie Bernard Weiner. Attributionen beschreiben die kognitiven Prozesse, mit denen Menschen Ursachen für Erfolge, Misserfolge und soziale Ereignisse erklären. Unterschieden wird dabei unter anderem zwischen internalen und externalen Attributionen sowie zwischen stabilen und variablen Ursachen.

 

Empirisch gut belegt ist der sogenannte selbstwertdienliche Attributionsstil (self-serving bias): Erfolge werden bevorzugt internal attribuiert (Fähigkeit, Anstrengung), während Misserfolge external erklärt werden (Umstände, andere Personen, strukturelle Faktoren). Diese Verzerrung dient der Aufrechterhaltung eines positiven Selbstbildes und der Reduktion kognitiver Dissonanz.

 

Die massive externale Fokussierung stellt jedoch keine bloße quantitative Steigerung dieses Effekts dar, sondern eine qualitative Verschiebung. Misserfolge werden nicht nur situativ externalisiert, sondern in ein stabilisiertes, ideologisch aufgeladenes Erklärungssystem überführt.

 

Externe Ursachen werden als dauerhaft, allgegenwärtig und moralisch eindeutig konstruiert, während interne Ursachen systematisch ausgeschlossen oder abgewehrt werden. Dadurch verliert die Attribution ihre korrigierende Funktion und wird zu einem identitätsstiftenden Deutungsrahmen.

 

2. Abwehrmechanismen und psychodynamische Perspektiven

Aus psychodynamischer Sicht lässt sich die massive externale Fokussierung als ein Bündel klassischer Abwehrmechanismen verstehen, die der Regulation von Selbstwert, Affekten und inneren Konflikten dienen. Besonders relevant sind hierbei:

 

Projektion:
Eigene aggressive, neidische oder minderwertigkeitsbezogene Anteile werden auf das äußere Umfeld verschoben und dort bekämpft.

 

Spaltung:
Die soziale Welt wird dichotomisiert in moralisch „gute“ und „schlechte“ Gruppen, Kulturen oder Systeme.

 

Externalisierung:
Verantwortung für eigene Gefühle, Handlungen und Lebensverläufe wird konsequent nach außen verlagert.

 

Idealisierung und Entwertung:
Neue externe Bezugsgruppen oder Ideologien werden überhöht, während das eigene Herkunfts- oder Lebensumfeld abgewertet wird.

 

Diese Mechanismen treten insbesondere dann verstärkt auf, wenn das Selbst durch wiederholte Kränkungen, Bindungsstörungen oder soziale Zurückweisungen destabilisiert ist. Die massive externale Fokussierung fungiert in diesem Zusammenhang als kompensatorische Struktur, die ein fragiles Selbst vor weiteren Kränkungen schützt, indem sie Selbstkritik und Selbstverantwortung weitgehend unmöglich macht.

 

3. Narzissmustheoretische Einordnung

Eine weitere theoretische Anschlussstelle bietet die Narzissmus-Forschung, insbesondere in ihrer klinisch-psychodynamischen Ausprägung (u. a. Kohut, Kernberg). Hier wird Narzissmus nicht primär als Grandiosität verstanden, sondern als Störung der Selbstwertregulation.

 

Menschen mit narzisstischer Vulnerabilität reagieren auf Selbstwertbedrohungen häufig mit:

-  exzessiver Schuldzuweisung nach außen,

-  moralischer Überlegenheit,

-  rigider Ideologisierung,

-  aggressiver Abwertung kritischer oder widersprechender Umwelten.

 

Die massive externale Fokussierung lässt sich in diesem Sinne als narzisstische Abwehrformation interpretieren, bei der das eigene Selbst durch moralische Positionierung, ideologische Identifikation oder stellvertretendes Engagement stabilisiert wird. Besonders charakteristisch ist dabei, dass Anerkennung nicht durch reale Kompetenz, Beziehungstiefe oder Selbstintegration gewonnen wird, sondern durch symbolische Zugehörigkeit zu als überlegen konstruierten Gruppen oder Ideen.

 

4. Zusammenhang mit Helfersyndrom und moralischem Aktivismus

Im Kontext der massiven externalen Fokussierung kann das Helfersyndrom eine besondere Funktion übernehmen. Klassisch beschreibt das Helfersyndrom den Versuch, eigenes Selbstwertdefizit durch übermäßige Fürsorge für andere zu kompensieren. Im hier beschriebenen Zusammenhang erhält dieses Muster jedoch eine zusätzliche ideologische Dimension.

 

Hilfe wird nicht universal oder beziehungsorientiert gewährt, sondern selektiv und identitätsstiftend: Geholfen wird jenen Gruppen, die Teil des neuen externalen Bezugssystems sind und die eigene moralische Position bestätigen. Das Helfen dient dabei weniger der tatsächlichen Bedürfnisorientierung als der Selbstvergewisserung, moralisch auf der „richtigen Seite“ zu stehen.

 

Kritik, Ambivalenzen oder Hinweise auf Eigenanteile werden als Angriff auf das Selbstbild erlebt und entsprechend abgewehrt. Dadurch kann sich ein Kreislauf aus moralischem Aktivismus, Opferidentifikation und Feindbildkonstruktion stabilisieren.

 

5.  Weitere Hintergründe werden nachfolgend genannt

  

 

Umkehrmechanismen und die Parallele zum Stockholm-Syndrom

Ein zentrales psychologisches Phänomen, das im Rahmen der massiven externen Fokussierung beobachtet werden kann, sind sogenannte Umkehrmechanismen. Darunter versteht man kognitive und emotionale Strategien, bei denen ein Individuum bedrohliche oder belastende Situationen, Beziehungen oder Umwelteinflüsse in eine scheinbare Kontrolle oder positive Bewertung umkehrt.

 

Anders gesagt: Eigene Defizite, Misserfolge oder erlebte Kränkungen werden nicht nur externalisiert, sondern in moralische, ideologische oder emotionale Überlegenheit transformiert. Diese Mechanismen können mehrere Formen annehmen:

 

Moralische Umkehr:
Das eigene Versagen wird in moralische Überlegenheit gegenüber dem Ursprungskontext verwandelt („Ich bin besser, weil ich mich von diesen Menschen distanziere und anderen helfe“).

 

Affektive Umkehr:

Bedrohliche oder unangenehme Gefühle werden in Begeisterung, Fürsorge oder Hingabe gegenüber externen Gruppen transformiert, selbst wenn diese potentiell aggressiv oder ablehnend sein könnten.

 

Kognitive Umkehr:

Die Wahrnehmung der Realität wird so interpretiert, dass die eigene Opferrolle in einen moralisch überlegenen Status überführt wird.

 

Psychologisch ähnlich, aber in einem engeren Kontext, ist das Stockholm-Syndrom, das klassisch aus Geiselsituationen beschrieben wird: Betroffene entwickeln eine positive emotionale Bindung zu Personen, die ihnen Schaden zufügen, häufig aus einem Mix aus Angst, Abhängigkeit und dem Bedürfnis nach Kontrolle über die Situation.

 

Die Parallele zur massiven externen Fokussierung liegt in der psychologischen Umkehrung von Bedrohung zu Zugehörigkeit und Selbstwertstabilisierung. In beiden Fällen wird die ursprüngliche Quelle von Angst, Konflikt oder Defizit nicht direkt konfrontiert, sondern in ein Beziehungsmuster transformiert, das kurzfristig Sicherheit, Selbstwert oder moralische Bestätigung bietet.

 

Der Unterschied liegt jedoch im Grad der sozialen Projektion: Beim Stockholm-Syndrom erfolgt die Umkehr gegenüber konkreten, direkt bedrohlichen Individuen, typischerweise in einer realen, eng begrenzten Interaktion. Bei der massiven externen Fokussierung wird die Umkehr oft ideologisch oder kulturell generalisiert, das heißt auf abstrakte, ferne Gruppen oder Kulturen projiziert, während das eigene soziale Umfeld abgewertet, ignoriert oder bekämpft wird.

 

In beiden Fällen erfüllt die Umkehrfunktion eine zentrale Selbstschutzfunktion: Sie ermöglicht es dem Individuum, Gefühle von Hilflosigkeit, Minderwertigkeit oder Bedrohung in ein Gefühl von Kontrolle, moralischer Überlegenheit oder Zugehörigkeit umzuwandeln.

 

Bei der massiven externen Fokussierung wird dieser Mechanismus jedoch stärker strukturell und identitätsstiftend, wodurch er die Wahrnehmung sozialer Realität dauerhaft verzerren und persönliche Beziehungen innerhalb des ursprünglichen Umfeldes belasten kann.

Massive externale Fokussierung und ihre psychosexuelle Dimension

Gehen wir von Freud aus, so mag auch die Sexualität eine Rolle spielen. Daher ist massive externale Fokussierung zugleich eine Unterart des Fetischismus

 

Aus psychodynamischer Perspektive, insbesondere unter Bezug auf Sigmund Freud, kann die massive externale Fokussierung auch eine sexualisierte oder libidinös besetzte Komponente enthalten.

 

Ähnlich wie beim klassischen Fetischismus wird dabei psychische Energie – in diesem Fall Lust, Zuneigung oder Begeisterung – auf ein externes Objekt oder eine externe Gruppe projiziert, das oder die nicht zum eigenen primären sozialen Umfeld gehört.

 

In dieser Lesart wird die Hinwendung zu fremden Kulturen, Ideologien oder Gruppen nicht nur durch moralische, kognitive oder soziale Faktoren motiviert, sondern auch durch ein unbewusstes Begehren nach psychischer Befriedigung und Selbstwertsteigerung. Die fremden Gruppen oder idealisierten „Anderen“ fungieren dabei als libidinös besetztes Objekt, das Sicherheit, Anerkennung und Erregung zugleich vermittelt.

 

Die Parallele zum Fetischismus liegt in mehreren Punkten:

 

Projektion der eigenen Bedürfnisse:
Die emotionalen und libidinösen Ressourcen werden auf ein „externales Objekt“ verlagert, während das eigene Umfeld abgewertet oder ignoriert wird.

 

Symbolische Aufladung:
Die externalisierten Objekte – seien es Kulturen, Ideologien oder soziale Gruppen – werden überhöht, idealisiert und teilweise verklärt. Sie sind Träger von emotionaler und sexueller Energie, die ursprünglich dem eigenen sozialen Nahbereich zukommen könnte.

 

Selbstwertfunktion:
Ähnlich wie beim klassischen Fetischismus dient die Objekthingabe der Stabilisierung des Selbstwertes, indem die Person sich über die Bindung an das externe Objekt als moralisch, kulturell oder ideologisch überlegen erlebt.

 

Diese Perspektive zeigt, dass die massive externale Fokussierung nicht nur ein kognitives oder moralisches Phänomen ist, sondern tief im psychischen Energiesystem verankert sein kann. Die libidinöse Besetzung erklärt, warum solche Muster emotional so stark motivierend wirken, selbst wenn das eigene Umfeld realistisch betrachtet loyal, wertschätzend oder neutral ist.

 

In der klinischen und psychodynamischen Beobachtung bedeutet dies: Die massive externale Fokussierung kann kurzfristig eine intensive psychische Stabilisierung bieten, langfristig jedoch zu Beziehungsdefiziten im eigenen sozialen Umfeld, zu Idealisierungen fremder Gruppen und zu einer Verzerrung der realen sozialen Wahrnehmung führen.

 

Umgekehrte Rassismustendenzen und selektive Idealisierung

Tatsächlich liegt ein Fetisch vor. Dieser bezieht sich jedoch nicht etwa auf eine bestimmte Rasse. Vielmehr liegt eine Umkehrung der natürlichen Denkmuster vor, die auf einer Abneigung gegenüber der eigenen Rasse oder dem eigenen gesellschaftlichen Umfeld basiert, welches auf eine Form des Selbsthasses (siehe Masochismus) zurückgeführt werden kann, der wiederum auf Frustrationen oder tiefere seelische Verletzungen in der Kindheit/Jugend zurückgeführt werden könnte.

 

Kritiker beobachten bei Menschen mit massiver externaler Fokussierung häufig umgekehrte Formen von Diskriminierung und Abwertung, die sich gegen das eigene soziale oder ethnische Umfeld richten. Diese Denkmuster werden nicht selten als „rassistisch in umgekehrter Manier“ beschrieben, da die Betroffenen bestimmte Gruppen innerhalb ihres eigenen Umfeldes ablehnen oder sogar aktiv abwerten, während andere Gruppen idealisiert werden.

 

Psychologisch betrachtet lässt sich dies als projektiertes Selbsthass-Phänomen interpretieren: Abwertung des eigenen sozialen oder ethnischen Milieus dient der Stabilisierung eines geschädigten Selbstwertes und der Identifikation mit einem externen, idealisierten Objekt.

 

In der Praxis äußert sich dies häufig darin, dass weibliche Betroffene mit weißer Hautfarbe bestimmte Gruppen – beispielsweise sogenannte „alte weiße Männer“ – explizit ablehnen oder ablehnend darstellen, während Menschen mit anderer Hautfarbe oder aus bestimmten fremden Kulturen überhöht, idealisiert und moralisch aufgeladen werden.

 

Interessanterweise zeigen Beobachtungen, dass Asiaten in diesem Kontext oft ausgeklammert oder kaum Beachtung finden. Die psychologischen Ursachen hierfür sind bislang nicht eindeutig geklärt, könnten jedoch mit kulturellen Stereotypen, gesellschaftlicher Wahrnehmung und unbewussten Idealisierungsprozessen zusammenhängen.

 

Die selektive Idealisierung fremder Gruppen kombiniert dabei mehrere psychologische Mechanismen:

 

-  Projektion eigener Wünsche und unbewusster Bedürfnisse auf das idealisierte „Andere“,

-  libidinöse Besetzung dieser Objekte als Quelle emotionaler Befriedigung,

-  Umkehrmechanismen, die den Hass oder die Abwertung gegenüber dem eigenen Umfeld kompensatorisch aufheben, und -  Selbsthass/masochistische Strukturen, die dazu führen, dass das eigene Milieu als minderwertig, fehlerhaft oder moralisch
   unzulänglich erlebt wird.

 

Auf diese Weise entsteht ein komplexes Muster, in dem soziale Abwertung, moralische Idealisierung und emotionale Projektion miteinander verschränkt sind. Die massive externale Fokussierung wird damit nicht nur zu einem kognitiven oder moralischen Phänomen, sondern zu einer umfassenden psychologischen Strategie zur Stabilisierung des Selbstwertes, die sowohl die Wahrnehmung der eigenen sozialen Gruppe als auch die Interaktion mit fremden Gruppen tiefgreifend beeinflusst.

 

Selbsthass als Triebfeder der massiven externen Fokussierung

Ein zentrales, oft unterschätztes Element der massiven externen Fokussierung ist der Selbsthass, der sich gegen die eigene Person, die eigene soziale Herkunft oder die eigene kulturelle bzw. ethnische Zugehörigkeit richtet. Psychodynamisch betrachtet kann dieser Selbsthass auf Frustrationen, Kränkungen oder tiefe Verletzungen in Kindheit und Jugend zurückgeführt werden, etwa auf Ablehnung durch Bezugspersonen, wiederholte Zurückweisungen oder das Erleben von Hilflosigkeit.

 

In der Folge entsteht eine Umkehrung der natürlichen Denkmuster: Das eigene Umfeld, die eigene „Rasse“ oder soziale Gruppe werden abgelehnt, verspottet oder moralisch verurteilt, während externe Gruppen oder ferne Kulturen idealisiert, bewundert und emotional aufgeladen werden. Dieser Mechanismus ähnelt psychologisch einer masochistischen Struktur, bei der die Abwertung der eigenen Identität ein Erleben von Kontrolle, moralischer Reinheit oder Zugehörigkeit gegenüber außenstehenden Gruppen ermöglicht.

 

Freud und spätere psychoanalytische Theorien betonen, dass Masochismus nicht nur körperlich, sondern auch psychisch als Selbstbestrafung oder Selbstabwertung auftreten kann. Bei der massiven externen Fokussierung wird diese Abwertung nach außen projiziert, indem das eigene soziale Umfeld abgelehnt und ferne Gruppen idealisiert werden – das Individuum „bestraft“ sich selbst symbolisch, indem es seine eigene Herkunft und Realität verleugnet, während es im Idealisierungsobjekt Anerkennung, moralische Bestätigung und teilweise auch libidinöse Befriedigung sucht.

 

Diese Dynamik erklärt, warum Betroffene:

-  eine starke emotionale Bindung zu idealisierten fremden Gruppen aufbauen,

-  sich gleichzeitig vom eigenen Umfeld entfremden oder es aktiv ablehnen und

-  trotz äußerer „Freiheit“ innerlich oft in einem Muster aus Selbstabwertung und Bedürftigkeit gefangen bleiben.

 

Kurz gesagt: Die massive externale Fokussierung ist in vielen Fällen nicht nur ein kognitives oder moralisches Deutungsmuster, sondern eine komplexe psychodynamische Struktur, die Selbsthass, Masochismus, Idealisierung und Externalisierung miteinander verknüpft.

 

Mögliche biologische Ursachen

Auch biologische Ursachen sind möglich. Denn es konnte beobachtet werden, dass massive externale Fokussierung in bestimmten Fällen mit Infektionen durch Toxoplasma gondii assoziiert sein könnte. Experimente an Flohkrebsen und Ratten haben gezeigt, dass Toxoplasmose die natürliche Freund-Feind-Wahrnehmung verändern kann:

 

Infizierte Tiere zeigen ein paradoxes Verhalten, indem sie sich gefährlichen Räubern gegenüber weniger scheu verhalten, teilweise sogar Anziehung oder Risikobereitschaft entwickeln. Übertragen auf Menschen wird diskutiert, dass Toxoplasmose subtile Veränderungen in Angstverarbeitung, Impulssteuerung und sozialer Wahrnehmung hervorrufen kann.

 

In Verbindung mit psychodynamischen Mechanismen könnte dies erklären, warum bei manchen Individuen die Hinwendung zu fremden Gruppen, Ideologien oder Kulturen besonders intensiv erlebt wird, während das eigene Umfeld abgewertet oder emotional vernachlässigt wird. Es entsteht eine Art biologisch verstärkte Umkehr der natürlichen sozialen Prioritäten, die die psychische Dynamik der massiven externen Fokussierung unterstützt.

 

Darüber hinaus können neurobiologische Faktoren wie Dysregulationen im dopaminergen Belohnungssystem, Serotoninhaushalt oder Stressachse (HPA-Achse) eine Rolle spielen. Veränderungen in diesen Systemen könnten sowohl die emotionale Bindung an idealisierte externe Gruppen erleichtern als auch die Ablehnung des eigenen Umfeldes verstärken, indem Belohnung und Sicherheit verstärkt auf „fremde“ Objekte projiziert werden.

 

Somit ergibt sich ein interdisziplinäres Bild, in dem psychodynamische, kognitive, emotionale und biologische Faktoren miteinander wirken: Selbsthass, Masochismus, Fetischisierung und Umkehrmechanismen werden durch biologische Prädispositionen und infektiöse Einflüsse unterstützt, die das soziale Wahrnehmungs- und Bindungsverhalten beeinflussen

 

Weitere Zusammenhänge

Massive externale Fokussierung steht in Verbindung mit Fetischismus, dem masochistischen Kick-/Trill-Phänomen, einer persönlichen Selbstwertproblematik, dem sogenannten Helfer-Syndrom oder einer naiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung.

Zugleich handelt es sich auch um eine Art Wahrnehmungsfehler.

 

In sozialpsychologischer Hinsicht besteht auch ein Zusammenhang mit bestimmten Ideologien z.B. der Multikulti-Ideologie. Hier wirken nicht nur bestimmte persönlichkeitsbasierte Denkmuster und darauf wiederum basierende selektive Wahrnehmungen, sondern manchmal auch die sogenannte "Umkehr" der Realität - wie wir dies von der Schizophrenie oder einer Wahn-Störung her kennen, bei dem zum Beispiel alles Positive negativ und alles Negatives positiv gesehen wird.

 

Auch hier werden masochistische Züge deutlich, weniger der Genuss bzw. die Vorliebe. Stattdessen sollte man eher von einem "umgedrehten Hass" sprechen oder einer "Kanalisierung des Selbsthasses, der die eigene Rasse und Gesellschaft einschließt. Zugleich widerspricht die massive externale Fokussierung dem natürlichen menschlichen Selbstschutz-Instinkt  bzw. dem gesunden Selbstschutz-Prinzip, das archaisch im Menschen verankert ist.

 

Indem der massiv external fokussierte Menschen seinen Fokus auf Dinge, Menschen und Umstände richtet, die möglichst weit weg - und nach Möglichkeit anders als das eigene Selbst und das eigene Umfeld sind - lenkt sich der Betroffene von sich selbst, seinem Umfeld und von möglichen kognitiven Dissonanzen oder einer Selbstwert-Problematik ab. Massive externale Fokussierung stellt somit eine Art Realitäts-Flucht dar.

 

Der mittels externaler Fokussierung aus dem eigenen realen Umwelt in eine irreale Welt bzw. Traumwelt Flüchtende sucht eine vermeintlich neue Rolle und einen Sinn für seine innere Leere, die nicht selten mit Dekadenz und Langeweile in Verbindung steht. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass massive externale Fokussierung wesentlich häufiger bis überwiegend  in degenerierten Wohlstands-Gesellschaften auftritt und oft ein Merkmal der Wohlstands-Psychopathie sein kann.

 

Massive externale Fokussierung bedeutet nicht nur, wahrnehmungstechnisch den Fokus nach außen zu richten, sondern auch auf Dinge, die von außen nach innen kommen oder von außen stammend im Inneren sind. Nicht das real wahrnehmbare Vorhandensein äußerer Elemente ist für die Wahrnehmungsverzerrung entscheidend, sondern allein deren Vorstellung. In schweren Fällen besteht eines Wahnkomplex oder gar eine Schizophrenie. Massive externale Fokussierung fungiert jedoch auch als individuelle Problemlösungsstrategie bei kognitiven Dissonanzen.

  

 

Zusammenspiel / Wechselwirkung

Einfach ausgedrückt, stellt massive externale Fokussierung eine Mischung aus a) den Fokus stark nach außen richten,
b) Gott spielen, c) Erhaschen von Anerkennung zum Zwecke der Aufwertung des eigenen Selbstwertes und d) Ablenkung von eigenen Problemen dar. Zugleich entstehen durch massive externale Fokussierung massive Wahrnehmungsfehler. 

 

Hintergrund

In dem wir unseren Fokus auf etwas völlig anderes richten, das möglichst ganz weit weg ist, lenken wir uns von kognitiven Dissonanzen oder einer Selbstwertproblematik ab und kompensieren diese durch das narzisstisch anmutende Erhaschen von Aufmerksamkeit und Anerkennung in einem ganz anderen Umfeld (z.B. Ausland, Menschen anderer Nationalität, vermeintlich arme Menschen, Schutz seltener Tiere usw).

 

Dabei suchen sich die von einer massiven externalen Fokussierung Betroffenen nicht nur eine Art neues Zuhause inklusive einer neuen Geborgenheit und einem neuen Lebenssinn:

 

Allein über die Hilfe, die sie anbieten und das oft besondere Engagement, das sie an den Tag legen, verspüren sie das Gefühl von Anerkennung und Macht, schließlich geht es um das Erhaschen von Anerkennung durch vermeintlich Schwächere, die - so wünscht sich das der Betroffene - zu dem Betroffenen aufschauen.

 

Anerkennung, welche die Betroffenen im eigenen Umfeld oder im eigenen Land nicht finden, suchen wir dann ganz weit weg. Manchmal ist dieses neu geschaffene Umfeld auch eine fremdartige virtuelle Welt, in der sich die Betroffenen elektronisch / online engagieren. Alternativ nutzen sie hilflos oder arm erscheinende Wesen (Menschen oder Tiere) zum Zwecke der Aufwertung des eigenen Selbstwertes und zur Unterdrückung kognitiver Dissonanzen.

 

Zusammenhänge mit Wahrnehmungsfehlern und Persönlichkeitsstörungen

Massive externale Fokussierung ist auf der einen Seite ein Wahrnehmungsfehler (Selektive Wahrnehmung), der - ähnlich wie selbstwertdienliche Verzerrungen oder der Effekt der kognitiven Dissonanzreduktion wiederum selbst Wahrnehmungsfehler impliziert. Ebenso geht die massive externale Fokussierung häufig mit bestimmten Formen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung einher und ist insbesondere bei naiv-aggressiven Persönlichkeiten und Wohlstands-Psychopathen anzutreffen, ebenso bei einer fortgeschrittenen Infektion mit dem Gehirn-Parasiten Toxoplasma gondii.

 

Allgemeiner Zusammenhang mit Narzissmus

Die massive externale Fokussierung hilft narzisstischen Persönlichkeiten, mögliche Symptome zu verdrängen (Ablenkung) und fehlende Anerkennung, um die narzisstische Persönlichkeiten geradewegs ringen, zu erhalten.

 

Wie bereits erwähnt, ist ein narzisstischer Mensch in hohem Maße auf die Anerkennung und Bewunderung seiner Umwelt angewiesen. Sofern er das Gefühl hat, dass er diese bereits in der Kindheit fehlende Anerkennung in seinem unmittelbaren Umfeld auch heute nicht bekommt und/oder er sein Umfeld (daher) innerlich ablehnt, kann es sein, dass sich sein Fokus nach außen bzw. außerhalb seines eigenen Umfelds richtet.

 

Die massive externale Fokussierung dient insofern als eine Art Flucht nach außen. Eine derartige massive externale Fokussierung nach außen hilft narzisstischen Persönlichkeiten, sich woanders Anerkennung zu verschaffen und sich dadurch besser zu fühlen. Je weiter oder spezieller der Fokus gesetzt wird, desto höher spürt der Betroffene die Chance, dass sein vermeintlich eigenes "Unvermögen" nicht gesehen wird.

 

An Stelle von echter oder vermeintlicher Ablehnung erhält der Betroffene nun Respekt und Anerkennung. Dies kann er dann seinem eigenen Umfeld darstellen und es (bewusst/unbewusst) abstrafen.

 

Zusammenhang mit speziellen (gefährlichen) Formen des Narzissmus
Eine besondere Form der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, die zumeist mit einer massiven externalen Fokussierung einhergeht, ist die naiv-aggressive Persönlichkeitsstörung. Bei dieser Störung besteht ein übertriebener Hang, bestimmte Probleme zu suchen und zu lösen oder die "Welt verbessern" zu wollen, nur nicht sich selbst und sein eigenes Umfeld.

 

Indem sich naiv-aggressive Persönlichkeiten selbst als Weltverbesserer oder Missionare begreifen bzw. sich als solche darstellen, haben sie eine optimale Möglichkeit, sich selbst in den Vordergrund zu stellen, sich gut zu fühlen und das vermeintliche Lob anderer zu erhaschen. In Wirklichkeit dient die vermeintlich "gute" Hilfe jedoch lediglich dem eigenen Selbstwertgefühl, das stetig neu befriedigt werden möchte, oftmals ohne jegliches Gefühl für Verhältnismäßigkeit.

 

Dabei besteht der Hang, die Lebensweise anderer Menschen zu dominieren, insbesondere jener Menschen, die der naiv-aggressiven Persönlichkeit immer noch nicht die nötige Anerkennung zollen, obgleich sie von allem was anders und fremd ist, diese Anerkennung doch scheinbar erhalten.

 

Massive externale Fokussierung: Kein einfaches Grundprinzip

Wer sich zu Hause langweilt, geht nach draußen. Wer zu Hause keine Sorgen und Probleme hat (oder diese zumindest nicht wahrnimmt) oder sich gar langweilt, der sucht sich Probleme und schafft sich Sorgen. So das Grundprinzip. So einfach ist es aber nicht: Externale Fokussierung basiert nicht etwa auf reiner Langeweile, sondern auf dem Effekt der selektiven Wahrnehmung in Verbindung mit Selbstüberhöhung und Selbstüberschätzung im Rahmen von Selbstermächtigung und dem Wahrnehmungsfehler der Überlegenheitsillusion (Lake Wobegon Effect).

 

Fokussierung der Aufmerksamkeit bis hin zur Einmischung

Von einer überwertigen fixen Idee oder einem Wahn ausgehend, fokussieren sich Aufmerksamkeit und Engagement bei der massiven externalen Fokussierung auf externe Dinge, Menschen und Probleme. Im kleinen Rahmen beobachten wir z.B. unsere Nachbarn und mischen uns in deren Angelegenheiten ein, wobei wir uns weniger mit uns selbst beschäftigen (müssen). Im größeren Rahmen bezieht sich unsere Aufmerksamkeit und unser Engagement z.B. auf Bedürfnisse und Probleme in anderen (möglichst fernen) Ländern sowie auf Ungerechtigkeiten, Konflikte und Hungersnöte im Ausland.

 

Nicht nur aus Langeweile, sondern auch zur Ablenkung ggf. eigener Probleme richten wir unseren Fokus auf das, was uns von uns selbst (eigene Persönlichkeit, eigene Familie, eigene Ordnung, eigene Staatsbürgerschaft, eigene Nation, eigene Hautfarbe etc.) deutlich abhebt.

 

Dabei konnte folgendes festgestellt werden: Je höher die Gegensätze sind, desto höher das Interesse. Ein ähnliches Phänomen kennt man bereits aus der Sexualpsychologie. Einfach ausgedrückt, lässt es sich wie folgt beschreiben:

 

Gegensätze ziehen sich an. Bei der massiven externalen Fokussierung beschränken sich Aufmerksam und Interesse selektiv auf die Gegensätze, während alles was ähnlich oder gleich wirkt, mit mangelndem Interesse oder sogar ("massiv") abgelehnt wird. Vermutlich ist hier auch eine eventuelle Problematik in der Kindheit mit dafür verantwortlich. Zugleich ist dies ein Aspekt für den Zusammenhang mit der narzisstischen Persönlichkeitsstörung.

 

Das Problem

Es kommt zu Verzerrungen der Wahrnehmung, zu falschen Urteilen und Entscheidungen und sogar zur Umkehr der Realität. Das zweite Problem: Erhöhte Aufmerksamkeit führt zu Einmischungen. Das dritte Problem: Diese Einmischungen empfinden andere (von außen betrachtet) als nicht adäquat, als überheblich oder gar als Nötigung. Das vierte Problem: Dass die Betroffenen überheblich oder nötigend wirken, merken sie  (allein wegen dem Fokus) selbst gar nicht, andere aber schon. Sie fühlen sich übergangen und drangsaliert und ziehen daraus Rückschlüsse (z.B. "überheblich").

 

Von einer fixen überwertigen Idee ausgehend, steigert sich die massive externale Fokussierung insbesondere im Zusammenhang mit der naiv-aggessiven Persönlichkeitsstörung bis hin zu einem regelrechten Wahn, der - wie die Geschichte zeigt - über die Wahn-Symbiose (symbiotischer Wahn) auch zu einem Massenwahn (z.B. Eroberung fremder Länder, Kreuzzüge, Weltkriege usw.), einem Klassenwahn (z.B. alle Adligen köpfen), einem Rassenwahn (z.B. alle Juden vernichten), einem Glaubenswahn (z.B. alle Ungläubigen bekehren oder bekämpfen), einem Hexenwahn (z.B. alle Hexen verbrennen), einem Überzeugungs-Wahn (z.B. alle Andersdenkenden überzeugen) oder einem fiktiven Moral-Wahn (Helfer-Syndrom) (z.B. alle Flüchtlinge anderer Länder aufnehmen) ausufern kann, nur eben mit folgender Urteilsbildung: Alles was "fremd" oder "außen" ist, wird klar bevorzugt und auf Basis einer neuen (eigenen) subjektiven Skalierung bewertet.

 

Daher wird das Phänomen auch als Externaler-Fokussierungs-Wahn beschrieben, der zudem in manchen Kulturen (z.B. Deutschland) stärker ausgeprägt ist als in anderen Ländern. Dem liegt aber nicht zwingend ein Wahn bzw. eine wahnhafte Störung in Form einer Psychose, sondern mehr eine überbewertete fixe Idee aufgrund einer naiv-aggressiven Persönlichkeit zugrunde.

 

Externaler-Fokussierungs-Wahn: Psychologische Einordnung

Das Phänomen der massiven externen Fokussierung wird auch als „Externaler-Fokussierungs-Wahn“ bezeichnet. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen Wahn im klinisch-psychiatrischen Sinne, wie er etwa bei schizophrenen Psychosen oder anderen wahnhaften Störungen vorkommt. Vielmehr liegt hier eine überbewertete, rigide fixierte Idee vor, die das Denken, Fühlen und Handeln der betroffenen Person stark strukturiert.

 

Diese fixe Idee ist häufig emotional aufgeladen und mit aggressiven oder impulsiven Tendenzen verknüpft. Personen mit naiv-aggressiver Persönlichkeit – d. h. Menschen, deren Abgrenzung, Selbstbehauptung und moralische Empfindsamkeit überbetont, aber zugleich emotional instabil sind – neigen besonders dazu, die Ursachen für eigene Misserfolge und Kränkungen ausschließlich external zu verorten.

 

Psychologisch betrachtet sind folgende Merkmale charakteristisch:

 

Fixierung auf externe Schuld- oder Problemzuweisungen:

Alle negativen Erfahrungen werden automatisch auf andere Personen, Gruppen, Institutionen oder kulturelle Milieus projiziert.

 

Selektive Wahrnehmung:

Informationen, die den eigenen Attributionen widersprechen, werden ausgeblendet, rationalisiert oder verzerrt interpretiert.

 

Moralisch aufgeladene Idealisierung fremder Gruppen:

Externale Objekte dienen nicht nur der Selbstwertstabilisierung, sondern häufig auch der moralischen Überhöhung oder ideologischen Bestätigung.

 

Aggressiv-naive Verteidigungsstrategien:

Kritik oder Widerspruch gegenüber der eigenen Position wird emotional übersteigert abgelehnt und oft als Angriff auf das Selbst interpretiert.

 

Insofern handelt es sich bei der Externalen-Fokussierungs-Idee um ein psychologisch komplexes Abwehr- und Selbstwertregulationsmuster, das in seiner Dynamik wahnähnlich wirkt, ohne dass klinisch ein Wahn oder eine Psychose vorliegt.

 

Die Intensität und Prävalenz solcher Muster können kulturell variieren; empirische Beobachtungen deuten darauf hin, dass sie in bestimmten Gesellschaften oder Milieus – zum Beispiel in Deutschland – stärker ausgeprägt sind, was möglicherweise auf gesellschaftliche Polarisierung, kulturelle Wertorientierungen oder kollektive Krisenwahrnehmungen zurückgeführt werden kann.

 

Diese Einordnung erlaubt es, den Externalen-Fokussierungs-Wahn wissenschaftlich zu diskutieren, ohne pathologisierende Terminologie zu verwenden, und gleichzeitig die psychodynamischen, kognitiven und sozialen Mechanismen sichtbar zu machen, die hinter dem Phänomen stehen.

 

 

Eigene und echte Probleme werden nicht wahrgenommen -

Die Realität wird verzerrt: Abstruse / extreme Auswirkungen

Wie bereits erwähnt, stellt die massive externale Fokussierung im Prinzip eine Mischung aus "den Fokus nach außen richten" und "Gott spielen" dar und kann sich bis hin zu einem Allmachts-Wahn entwickeln. Ob die vermeintliche Intention nun gutmütig oder bösartig ist, spielt dabei keine Rolle. Die Sicht ist deutlich getrübt bis hin zum völligen Realitätsverlust.

 

Da sich der Fokus zwanghaft nach außen richtet, werden die eigenen Probleme nicht mehr wahrgenommen. Die Aufmerksamkeit nach außen ist so stark, dass alles andere (interne) regelrecht übersehen und die eigentliche Realität verdrängt wird, was in der Regel zu enormen Problemen im Inneren (in der eigenen Familie, im eigenen Land etc.) führt.

 

Durch die Blindheit des o.g. "Wahns" wird die Realität derart verkannt und verzerrt, dass externale Fokussierungen bis hin zur Massenvernichtung (z.B. Holocaust), zum Totalverlust (z.B. Untergang der 6. Armee bei Stalingrad) und zum Untergang von Staaten, Zivilisationen und Kulturen führen (z.B. Niedergang des Imperium Romanums, Untergang des Dritten Reiches etc.). Externale Fokussierung kann sowohl in Verbindung mit dem Streben nach Macht oder einer bestimmten Gesinnung als auch in Verbindung mit dem Heile-Welt-Naivitäts-Fehler stehen.

 

Ob die Fokussierung nun positiv gemeint ist oder sie sich tatsächlich bösartig verhält macht keinen Unterschied. Im Falle der massiven externalen Fokussierung dient der Fokus nicht etwa der Selbstlosigkeit (z.B. selbstlose Hilfe) sondern dem Zweck der Ego-Befriedigung (z.B. Anerkennung als Helfer und Retter) und zum Zwecke der Selbstüberhöhung (z.B. "Ich habe den Durchblick", "Ich weiß und kann es besser", "andere sind mir unterlegen: Sie sind quasi minderbemittelt").

 

Massive externale Fokussierung als kollektivistisches (Gesellschafts-)Problem

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass - in kollektivistischer Hinsicht - insbesondere Menschen deutscher Nationalität eine starke externale Fokussierung besitzen. Dies sieht man nicht nur in den vielen Bestrebungen, andere Länder zu unterwerfen, sondern auch in den Bestrebungen, anderen Ländern und Menschen den eigenen Stempel aufzudrücken oder dem eigenen Willen zu unterwerfen. Ob dies nun unter dem Deckmantel der Hilfeleistung (z.B. Entwicklungshilfe) oder über Drohung, Angriff oder Eroberung vollzogen wird, ist für das innere Anliegen selbst unerheblich.

 

Aufgrund der zwanghaften Verzerrungen und Umdeutungs-Funktion des Wahns, werden externale Fokussierungen von den Betroffenen nicht wahrgenommen. Sie fühlen sich selbst gut, erhalten Anerkennung und ggf. Bewunderung. Ihr Selbstwert steigt. Wie beim regulären Wahn auch, kommt es zu Umdeutungen und entsprechenden Erklärungen (z.B. moralische Apekte, rechtliche Aspekte, Sicherheitsaspekte, Mangel an Rohstoffen etc.).

 

Sofern Persönlichkeiten mit massiv-externaler Fokussierung einen bestimmten gesellschaftlichen Stellenwert mit entsprechender allgemeiner Anerkennung besitzen, sind sie dadurch in der Lage, große Massen an Menschen von ihren fixen Ideen (oder wahnhaften Ideen) zu überzeugen und mitzureißen. Die Wirkung des Social Cognition Effects (siehe: Sozialer Einfluss) ist dabei enorm. Sie hat eine regelrechte Sog-Wirkung. Dadurch werden Führer, die ihre fixen Ideen ausleben möchten, in der Lage, ihr Vorhaben selbst dann durchzubringen und umzusetzen wenn diese noch so abstrus, zerstörerisch oder sogar verbrecherisch erscheinen. Besonders stark wirkt sich die hinzukommende Anziehungskraft des Narzissmus aus.  

 

Zusammenhang mit Selbstüberschätzung und Kollektivüberschätzung

Die "Massive externale Fokussierung" steht in einem Zusammenhang mit Selbstüberschätzung und Kollektivüberschätzung. Das Bedürfnis, das eigene Selbstwertgefühl (oder Kollektiv-Wertgefühl) aufrechtzuerhalten und möglichst zu erhöhen, gehört prinzipiell zu den grundlegenden Motiven eines jeden Menschen und eines jeden gesunden Kollektivs. Gefährlich wird dies jedoch, wenn - auf das Individuum bezogen - eine Selbstüberschätzung und - auf eine Gruppe (z.B. einen Staat) bezogen - eine Kollektivüberschätzung.

 

Während die individuelle Selbstüberschätzung zum Eingehen erhöhter Risiken des Individuums führt, führt die Kollektivüberschätzung zum erhöhten Eingehen von Risiken in Bezug auf das Kollektiv. Während sich der Einzelne für sich selbst verrennt, verausgabt, überfordert oder schädigt (ggf. opfert), kann es bei Kollektiven zu einer Massenüberforderung, einer Massenschädigung oder einer Massenopferung kommen, wobei für die vermeintlich "gute Sache" größte Opfer hingenommen werden, die in Wahrheit jedoch völlig abstrus und unerträglich sind. Die Kinderkreuzzüge seien hier ebenso als Beispiel genannt wie die Welteroberungsgebahren im Nationalsozialismus. Je höher die Risiken sind, desto stärker die Motivation.

 

Die Deutschen im zweiten Weltkrieg schätzen es regelrecht, einer übergroßen Übermacht gegenüberzustehen und sich diesbezüglich "unter Beweis" zu stellen. Das Schlimme daran war, dass dieses Konzept sogar noch aufging. Was im zweiten Weltkrieg geschah, wissen die meisten. Die massive externale Fokussierung im Hinblick auf den Kinderkreuzzug (peregrinatio puerorum) kennen jedoch wenige. Was geschah hier?

 

Massive externale Fokussierung und der Kinderkreuzzug

Beim sogenannten Kinderkreuzzug handelt es sich um ein Ereignis, bei dem im Frühsommer des Jahres 1212 Tausende von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus Deutschland und Frankreich unter der Leitung "visionärer" Knaben mit einer überwertigen fixen Idee oder gar einer wahnhaften Störung zu einem unbewaffneten Kreuzzug ins Heilige Land aufbrachen.

Von Köln zog die Gruppe über Trier nach Speyer und von da weiter Richtung Süden.

 

Ans Ziel sind sie niemals gekommen - bereits an den Ufern des italienischen Mittelmeers hat sich ihr Kreuzzug aufgelöst. Bereits vor der Überquerung der Alpen sind viele der Teilnehmer vor Hunger und Durst gestorben. Die 7000 überlebenden Kreuzzugsteilnehmer kamen schließlich in Genua an und waren darüber enttäuscht, dass das von den Anführern angekündigte Wunder der Meeresteilung ausgeblieben war.

 

Nach diesem "Debakel von Genua" hat sich der Zug in zwei Gruppen aufgeteilt. Während eine erste und kleinere Gruppe nach Rom zog, um sich vom Kreuzzugsgelübde entbinden zu lassen, zog die zweite und weitaus größere Gruppe nah Pisa und Brindisi, um Schiffe zu besteigen. Letztendlich wurden die Teilnehmer als Sklaven an die Sarazenen verkauft. Keiner der Kreuzzugsteilnehmer hat das Heilige Land je erreicht. Das Entscheidende: Die Teilnehmer der Kreuzzugs-Idee fühlten sich so sicher und allmächtig, dass sie - im Gegensatz zu anderen Kreuzzügen und Armeen - völlig unbewaffnet aufbrachen. Sie glaubten sogar an das, was man ihnen verhieß: Dass sich das Meer spalten würde und sie nur ins Heilige Land herüberlaufen müssten.

 

Dahinter steckte eine Opfer-Bewegung der freiwilligen Armut. Diese Bewegung ging davon aus, dass nur Unschuldige und Arme fähig wären, das Grab Christi zurückzuerobern. Vorausgegangen waren diverse Desaster anderer Kreuzzüge z.B. die massive Niederlage der Kreuzfahrer bei der Schlacht von Hattin im Jahre 1187, der Misserfolg des Vierten Kreuzzuges von 1204 und weitere massiv externale Bestrebungen und Kampfhandlungen einschließlich der Bekämpfung der Katharer als Ketzer und des Kreuzzuges gegen die Albigenser.

 

Hier ging es um die Unterdrückung und Unterwerfung der Andersdenkenden im eigenen Lande. Wie irrsinnig derartige Vorhaben waren - ebenso, dass es gar nicht wirklich um die eigentliche Sache geht, zeigt sich z.B. auch am Vierten Kreuzug. So verrückt es auch klingen mag: Dieser wahnhafte Kreuzzug wurde einfach ins christliche Konstantinopel umgeleitet endete mit der Plünderung der Stadt.

 

Der Kinderkreuzzug ist nicht nur ein Beispiel für eine massive externale Fokussierung, sondern zugleich auch ein Beispiel für den Wahn und auch die Naivität, die dahintersteckt. Damit ist es zugleich ein Beispiel für die naive bzw. naiv-aggressive Persönlichkeitsstörung - hier in kollektivistischer Hinsicht. Chroniken belegen dies.

 

Tatsächlich handelte es sich bei den Teilnehmern des Kinderkreuzzuges nämlich nicht nur um Kinder. Hier liegt ein Übersetzungsfehler in Bezug auf die Bezeichnung "peregrinatio puerorum" vor. Ein Teil des Begriffes basiert auf dem lateinischen Wort "pueri", was keinesfalls lediglich Knaben bzw.  Kinder bedeutet. Als "pueri" bezeichnete man im Mittelalter auch Erwachsene mit einer extrem naiven Persönlichkeit bzw. Menschen, denen kindliche Attribute sowie das Attribut der Unschuld zugeschrieben wurden.

 

Zugleich bezieht sich der Begriff "pueri" auf die soziale Schicht. Er bezeichnete Menschen, die sowohl "arm im Geiste" also naiven Gemügtes" und "arm" vom Stand her waren. So oder so: Es handelte sich um gutgläubige Menschen, die besonders anfällig für die Versprechungen ihrer Anführer waren.

 

Obwohl alle vorausgegangenen Kreuzzüge misslangen oder zumindest ihr Ziel nicht vollständig erreicht werden konnten, meinten ihre Anführer: "Wir schaffen das!". Dabei versprachen sie sogar, dass sich das Wasser des Meeres teilen würde. Die Anführer des Kinderkreuzzuges, der eigentlich auch eine Art Reformbewegung in Form einer Massenpilgerfahrt zum masochistischen Zwecke des "Buße tuns" und "Opfer bringens" war, setzen dabei vehement auf die Naivität ihrer Teilnehmer. Sie waren davon überzeugt, dass nur naive ununschuldige Menschen es schaffen können. Sie gingen davon aus, dass nur ein naives Massenopfer die Ungläubigen besiegen kann.  

 

Warum liefen die Menschen mit? Für die damaligen Menschen war es das höchste Ziel Vergebung für ihre Sünden zu erlangen, Buße zu tun und dazu ein möglichst großes Opfer zu erbringen. Auch wollten die Teilnehmer mit ihrer Aktion ein deutliches Zeichen setzen: Ihr Appell richtete sich an eine Christenheit, die in ihren Augen reich und überheblich geworden war und christliche Armut und Demut vergessen hatte.

 

In dieser Zeit, in der auch viele Bettelorden entstanden, wollte man sich aller erarbeiteten positiven Gelüste des Lebens entsagen. Man ging in der Armutsbewegung, die sich bereits im 11. Jahrhundert begründete, davon aus, dass nur der ein wahrer Christ ist, der naiv alles aufgibt und alles fortwirft - eine Art Rückbesinnung auf vermeintlich urchristliche Werte. Die persönliche Armut des Einzelnen wurde nun besonders vehement propagiert und damit – zumindest indirekt – die Armut der gesamten Gesellschaft.

 

Warum sind solche gedanklichen Verzerrungen möglich

und damit der Drang nach Umsetzung der irrsinnigsten Ideen?

Menschen müssen nicht zwingend psychisch krank bzw. gestört sein, um irrsinnigen Ideen zu folgen, ohne den eigentlichen Irrsinn oder das Schlechte daran, zu hinterfragen. Der Mensch verfügt bereits von Natur aus über einen "hauseigenen" Mechanismus, der so etwas bewirkt. Eigentlich ist ein solcher Mechanismus gut gemeint - er soll Menschen helfen, weniger an sich selbst zu zweifeln und sich damit besser zu fühlen:

 

Sobald Menschen (oder Gruppen) ihr Selbstwertgefühl (ihre Gruppenidentität) bedroht sehen, neigen sie dazu, die Realität in Richtung einer eigenen Logik zu verzerren, die das Selbstbild aufrechterhält. Dabei greifen Menschen auch auf völlig irrationale Erklärungsversuche zurück. Beim sogenannten Selbstwert-Effekt werden z.B. die Tatsachen völlig verdreht.

 

Der Overconfidence-effect, auch Overconfidence barrier-effect genannt, beschreibt die Tendenz, von seinen eigenen Urteilen und seiner Urteilskraft völlig überzeugt zu sein. Der Effekt basiert auf einer natürlichen Fehlkalibrierung subjektiver Wahrscheinlichkeiten im Gehirn. Auch die sogenannte Überlegenheitsillusion, die auch als "Lake Wobegon Effect" bekannt ist, gehört zu den sogenannten selbstwertdienlichen Verzerrungen, mit denen wir uns selbst aufwerten, um uns besser zu fühlen. Aufgrund der Illusion können wir aber auch genauso gut "vor die Pumpe laufen". (Detail-Infos)

 

Beispiel für "Massive externale Fokussierung"

Im vorausgehenden Text wurden bereits unterschiedliche Beispiele für das Prinzip der massiven externalen Fokussierung genannt, ebenso Beispiele aus der Geschichte. Hier nun ein zusammengefasstes fiktives Beispiel:

 

Fiktives Beispiel "Massive externale Fokussierung"

Ein Mensch (Mann A) möchte, um seinen Selbstwert zu erhöhen anderen Menschen helfen. Im Rahmen seiner externalen Fokussierung richtet er seinen Fokus auf a) Fremde, denen er helfen (alternativ: den Weg zeigen, sie nötigen oder unterdrücken) kann, um seinen Selbstwert zu erhöhen, b) auf jene, die den Fremden erst in die Lage brachten, in der er jetzt Hilfe braucht (Aufbau eines Feindbildes) und c) auf die Hilfe selbst, die in hohem Engagement (z.B. Krieg führen oder humanitäre Hilfe leisten) mündet.

 

Im konkreten Beispiel nimmt Mann A die Fremden zu sich auf, um ihnen Obdach zu gewähren (in einem anderen Beispiel würde er gegen sie vorgehen und siegen). Dafür erhält er Anerkennung. Dadurch fühlt er sich gut. Sein Selbstwertgefühl steigt. Je mehr Fremden er helfen kann (je siegreicher und ruhmvoller er ist), desto mehr erhöht sich sein Selbstwertgefühl. Steigendes Selbstwertgefühl zuzüglich Anerkennung führen zu einer weiteren Selbstüberschätzung:

 

Mann A nimmt immer mehr Menschen auf, weil er sich immer stärker fühlt (alternativ wird mit immer weniger Soldaten gegen weit mehr Gegner gekämpft) bis das Haus auseinanderfällt (der Gegner ihn einkesselt) oder er selbst auszieht (er sich zurückziehen und fliehen muss) und dann selbst zum Fremden (zum Flüchtigen) wird.

 

Jetzt kommt der Clou an der Sache: Da sich Mann A selbst aber nicht als Fremder fühlt und die ehemaligen Fremden eben keiner massiven externalen Fokussierung unterliegen, bleibt er draußen und bekommt selbst keine Hilfe. Der zweite Clou an der Sache: Ob es sich bei Mann A nun um einen humanitären Flüchtlingshelfer oder einen Diktator einer totalitäten Nation handelt, ist unerheblich. Beide folgen den gleichen Mustern und ernten bei gleicher Ausprägung der massiven externalen Fokussierung die gleichen Ergebnisse.

 

Beide sind nicht in der Lage, dies zu erkennen. Bei einer massiv ausgeprägten externalen Fokussierung würden sie sogar alle Andersdenkenden, die sie aufrütteln wollen, massiv bekämpfen (Siehe: Einsicht / Einsichtsfähigkeit).

 

MEF als "Helfer-Syndrom"

Eine typische Unterart der massiven externalen Fokussierung ist das Helfersyndrom. Damit bezeichnet man ein Modell seelischer Probleme, die häufig in sozialen Berufen (z.B. Sozialarbeiter, Arzt, Altenpfleger, Lehrer, Pfarrer, Psychologe usw.) anzutreffen sind. Das Phänomen wurde erstmals 1977 vom Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer in dessen Buch "Die hilflosen Helfer" beschrieben.

 

In der modernen Psychologie, der Psychotherapie und der Psychoanalyse des 21. Jahrhunderts wird jedoch häufiger der Begriffe "Altruistische Abtretung" verwendet, einer Konfliktbewältigungsstrategie, die auch einen Abwehrmechanismus darstellt. Ebenso steht der Begriff in einem Zusammenhang mit der "naiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung" (Köhler) und dem "Heile-Welt-Naivitäts-Fehler" (Köhler). Es geht um das Streben (Nachholen von) nach Anerkennung und Wertschätzung sowie um Selbstwert.

 

Laut dem besagten Modell verfügt ein vom Helfer-Syndrom Betroffener über ein schwaches Selbstwertgefühl, wodurch er sich auf seine Helfer-Rolle im Beruf fixiert. Arbeitet der Betroffene in einem anderen Beruf, in dem er weniger helfen kann, so sucht er sich eine entsprechende Rolle. Notfalls will er auch Menschen helfen, die gar keine wirkliche Hilfe benötigen. Sein Drang, zu helfen und das Helfen selbst wird zur Sucht. Der vom Helfersyndrom Betroffene versucht durch seine Hilfe ein Ideal zu verkörpern, das er selbst bei seinen Eltern oder generell in seiner Kindheit stets vermisst hat.

 

Er ist bemüht, das auszuleben, was ihm früher fehlte, wobei seine Hilfsbereitschaft und Aufopferung für die Belange anderer z.B. Fremder bis zur Selbstschädigung und zur Vernachlässigung der eigenen Familie und Partnerschaft geht. Die Grenzen des Möglichen und für sein Umfeld Erträglichen übersieht oder unterschätzt er völlig.

 

Er drängt sich anderen geradewegs auf, wobei er auch die Frage ignoriert, ob seine Hilfe überhaupt sinnvoll, notwendig und erwünscht ist. Er sieht seine Hilfe als eine Art Mission, auf der er sich befindet. Insofern fährt er sich einen regelrechten "Trip" und verfolgt - über fixe überwertige Ideen hinausgehend - regelrechte Wahngedanken. Hilfe anderer lehnt er ab. Als Folge können Probleme in Ehe- und Partnerschaft, Vernachlässigung der eigenen Familie und Kinder, Depressionen, Überbelastung und das Burnout-Syndrom vorkommen.

 

Zu den Risikofaktoren zählen bestimmte Berufsfelder und Persönlichkeitsstrukturen, die gehäuft zu einer entsprechenden Berufswahl oder zu massiver externaler Fokussierung auf Menschen und Themen außerhalb des Berufs führen. Entsprechenden Persönlichkeitsstrukturen liegen oft Erfahrungen aus der eigenen Lebensgeschichte zugrunde, die den Selbstwert des Betroffenen infrage stellten. Das Helfersyndrom kommt in allen Bevölkerungsschichten vor, wobei ganz spezielle Persönlichkeitsmerkmale das Risiko erhöhen. Zu nennen sind: Depressive Persönlichkeitsmuster, Abhängige Persönlichkeitsmuster, Borderline- bzw. emotional-instabile Persönlichkeitsmuster.

 

Das Helfersyndrom hat viel mit Beziehungsmustern zu tun. Die sogenannte Transaktionsanalyse, aus der das Konzept des Drama-Dreiecks stammt, kann im Coaching bzw. in der Therapie helfen, der Falle pathologischer Hilfsbereitschaften zu entfliehen. Hier geht es konkret um eine Dreiecksbeziehung zwischen sozialen Rollen wie Opfer, Verfolger und Retter.

 

Externale Fokussierung in anderen Bereichen

Externale Fokussierung ist zugleich die Ursache, warum z.B. im innerdeutschen Unterhaltungs- und Show-Business (und zwar in allen Zeiten) Schauspieler und Sänger dann wesentlich beliebter waren, wenn sie aus dem Ausland kamen oder zumindest einen ausländischen Akzent oder ausländisch klingenen Namen hatten (z.B. Zarah Leander, Roberto Blanco, Roy Black, Howard Carpendale, CostaCordalis, Mary Roos usw.). Umgekehrt gab und gibt es im Unterhaltungs- und Show-Business sogar ein regelrechtes Bestreben, sich dieser Reiz-Erwartung möglichst anzupassen (z.B. eigene Identitäten entsprechend anzupassen z.B. beim Künstlernamen).

 

MEF aufgrund Logik und Not

 

MEF als Strategie der Problemlösung

Massive externale Fokussierung liegt nicht nur als Störung vor. Der massive Fokus nach außen kann in einigen Fällen auch aufgrund ernstzunehmender Notwendigkeiten und logischen Schlussfolgerungen entstehen, die mit einer Strategie der Problemlösung gleichzusetzen sind z.B. im zwischenmenschlichen oder sexuellen Bereich. Hieraus können regelrechte Leidenschaften entstehen, deren Ursprung aber in der Regel in vorausgehenden kognitiven Dissonanzen liegt. 

 

Ein Mensch, der aufgrund eines bestimmten Aussehens, welches in seinem eigenen Kulturkreis von potentiellen Partnern nicht gefragt ist - oder aufgrund anderer Eigenschaften und Einstellungen, mit denen er in seinem Kulturkreis nicht konform geht, benachteiligt ist, nicht konform geht oder gar Probleme und kognitive Dissonanzen bekommt, kann sich als mögliche Strategie der Problemlösung external auf potentielle Partner im oder aus dem Ausland fokussieren.

 

Hier spielen Aussehen und Mentalität eine deutliche Rolle. Ebenso kann das Image der jeweiligen Nationen der Ausländer kann eine anziehende Rolle spielen.

 

Dies kommt z.B. bei deutschen Männern vor, die ihren Fokus auf osteuropäische Frauen richten. Besonders auffällig ist die Strategie bei deutschen Frauen, die vom Aussehen und/oder von ihrer Mentalität her nicht oder eher weniger dem Idealbild deutscher Männer entsprechen. Beispiele a) Korpulente Frauen sind bei Afrikanern mehr gefragt als im eigenen (hier z.B. deutschen) Kulturkreis. Beispiel b) Osteuropäische Frauen geben sich weiblicher als deutsche Frauen.

 

Positive Beinflussung von Lern- und Handlungsprozessen durch Externale Fokussierung

Zum Zwecke der methodischen Aufmerksamkeitslenkung geht man in unterschiedlichen Bereichen der Frage nach, wie man (z.B. bei Verbrauchern, bei Wählern etc.) eine möglichst hohe Aufmerksamkeit erreichen kann, die zusätzlich noch zu einer derart hohen Motivation bzw. einem derart hohem Engagement führt, wie dies durch das Phänomen der massiven externalen Fokussierung erzeugt wird.

 

Auch im Hinblick auf motorische Lern- und Ausführungs-Zusammenhänge wird die Fokussierung untersucht. Dabei wird u.a. zwischen internaler und externaler Aufmerksamkeitslenkung unterschieden. Während man unter einem externalen Fokus die Lenkung der Aufmerksamkeit auf die Umwelt versteht, versteht man unter einem internalen Fokus die Lenkung der Aufmerksamkeit auf innere Prozesse. Je nach Fachrichtung und Untersuchung kann sich dies auf die eigene Person oder (z.B. bei der Motorik) auf die Bewegungen des Körpers beziehen.

 

Im Vergleich zu einem internalen Fokus kann ein externaler Aufmerksamkeitsfokus zu einer besseren Lern- und Verhaltensleistung führen. Zachry et al. (2005), der z.B. die Wirkung unterschiedlicher Aufmerksamkeitsbedingungen auf die Leistung beim Basketball-Freiwurf untersuchte, konnte z.B. zeigen, dass bei externaler Fokussierung (Aufmerksamkeitsrichtung auf den Korb) bessere Leistungen erbracht wurden als z.B. bei internaler Fokussierung (z.B. Konzentration auf die Hand).

 

Die Erklärung des Vorteils beim Lernen und Ausführen motorischer Fertigkeiten erfolgt u.a. über die die sogenannte "Constrained-Action-Hypothese", bei der angenommen wird, dass bei externaler Fokussierung automatisierte motorische Kontrollprozesse wirksam werden, die bei der internalen Fokussierung eher gestört werden.

 

Umgekehrt werden z.B. auch aufmerksamkeitsbedingte Leistungseinbußen untersucht, wobei stets von einer Prozeduralisierung motorischer Fertigkeiten durch intensives Üben und regelmäßige Übungen ausgegangen wird. Es wird angenommen, dass durch eine ausführungsbezogene Aufmerksamkeitslenkung eine Deprozeduralisierung erfolgt und daraus Leistungseinbußen resultieren.

 

Insgesamt stellt externale Fokussierung einen Vorteil dar, der (z.B. beim Sport) zu guten Leistungen führt. Wer eine bestimmte Arbeit bzw. Ausführung möglichst gut erbringen möchte, der konzentriert sich in der Regel auf eben jene Handgriffe, welche die Ausführung erbringen. Das genaue Gegenteil ist aber der Fall: Wenn die Aufmerksamkeit weg von der Sache auf Umweltreize gerichtet ist, welche die konkrete Ausführung nicht direkt betreffen und die prozeduralisierte Ausführung ungestört erfolgen kann, wird die Leistung bzw. die Ausführung besser. Sie ist weniger fehlerhaft.

 

In vielen Sportarten - aber auch beim Militär) wird diese Erkenntnis bereits seit langer Zeit beim Training genutzt, in vielen Fällen jedoch intuitiv. Hier geht es darum, bestimmte Ausführungen (z.B. Handgriffe) so "in Fleisch und Blut" zu bekommen bzw. zu verinnerlichen und zu verankern, dass sie wie Programme wirken.

 

Da die meisten Prozesse (Denk- und Entscheidungsprozesse) intuitiv in unserem Unterbewusstsein erfolgen, kann bei Ausführungen, bei denen wir nicht mehr bewusst nachdenken und uns konzentrieren müssen, intuitiv und sicher (sicherer als bei komplexen, langsamen und aufwändigen analytischen Denkprozesen) das entsprechende Programm abgerufen werden. Dies läuft dann völlig automatisch ab.

 

Sich bei der Ausführung einer wichtigen Tätigkeit oder einer bestimmten Handlung einfach nicht mehr zu konzentrieren, fällt schwer. Stets richtet sich unser Fokus auf die Bewegung bzw. die Ausführung. Daher empfiehlt sich im Hinblick auf prozeduralisierte Ausführungen die Lenkung der Aufmerksamkeit auf möglichst irrelevante Reize.

 

Während externale Fokussierung im Hinblick auf prozeduralisierte Ausführungen einen Vorteil darstellt, kann externale Fokussierung im Hinblick auf innere Prozesse (z.B. Persönlichkeit) auch einen Nachteil darstellen: Wer seinen Fokus mehr auf andere als auf sich selbst richtet, hat im Hinblick auf entsprechendes Feedback zwar bessere Chancen auf eine Kongruenz von Selbst- und Fremdbild, er kann sich aber selbst regelrecht verlieren. Insbesondere dann, wenn im Inneren Probleme bestehen, dient die Ablenkung durch externe Fokussierung nicht gerade deren Behebung. Dadurch entstehen Persönlichkeiten, die sich selbst völlig entfremden.

 

Dass in besonders angespannten Situationen eine normale externale Fokussierung (z.B. Urlaub, Fokus auf den Freunden) gut tun kann (weil sie von den eigenen Sorgen und Nöten ablenkt), darf jedoch nicht davon ablenken, dass die Sorgen und Nöte dann auch irgendwann einmal selbst geklärt werden müssen. Dennoch wird die externale Fokussierung auch in der Psychotherapie genutzt, z.B. um in besonderen Krisensituationen erst einmal vom eigentlichen Problem abzulenken. Externale Fokussierung wird ebenfalls in der Politik genutzt, z.B. um von inneren Problemen abzulenken oder um einer bestimmten Ideologie zu folgen.

 

 

Abschließende, integrative Zusammenfassung: Massive externe Fokussierung

Massive externe Fokussierung bezeichnet ein psychologisches Muster, bei dem die Aufmerksamkeits‑ und Motivationsausrichtung einer Person übermäßig stark nach außen gerichtet ist – auf ferne Kulturen, fremde Menschen, abstrakte soziale Probleme oder ideologische Objekte –, während das eigene, nahe soziale Umfeld, eigene Bedürfnisse und interne Konflikte ignoriert, abgewertet oder emotional abgelehnt werden.

 

Im Kern handelt es sich nicht um eine rein kognitive Präferenz, sondern um ein mehrdimensionales psychisches Strukturmuster, das mehrere Mechanismen miteinander verknüpft:

 

1. Kognitive und soziale Mechanismen

Die massive externe Fokussierung zeigt sich in einer selektiven Wahrnehmung, bei der externe Gruppen oder Ereignisse systematisch bevorzugt, das Eigene jedoch ausgeblendet oder negativ bewertet werden.

 

Diese selective attention wirkt sozial‑psychologisch ähnlich wie selbstwertdienliche Attributionen: Erfolge der Fremden werden hervorgehoben, Probleme in der eigenen Umgebung werden ignoriert oder external attribuiert.

 

In Extremfällen kann diese Schwerpunktverlagerung so rigide werden, dass sie als überwertige fixierte Idee erscheint – manchmal beschrieben als „Externaler‑Fokussierungs‑Wahn“. Dabei ist nicht zwingend eine klinisch‑psychiatrische Wahn‑Störung gegeben, sondern ein stark ideologisiertes, emotional aufgeladenes Denkmuster, das reale und imaginierte externe Faktoren als ursächlich für eigenes Leid oder Misserfolg konstruiert.

 

2. Selbstwert, Selbsthass und Umkehrmechanismen

Ein zentrales psychodynamisches Element ist der Selbsthass oder die innere Abwertung des eigenen sozialen oder kulturellen Umfelds. Diese Abwertung kann Ausdruck tiefer emotionaler Verletzungen oder unzureichend integrierter Selbstwertprobleme sein, die häufig in frühen Beziehungserfahrungen wurzeln.

 

Der Selbsthass wird nach außen projiziert und dient zugleich als Motivationsquelle für Idealisierung externaler Objekte: Fremde Gruppen, Kulturen oder abstrakte soziale Aufgaben werden überhöht, als moralisch überlegen dargestellt und dienen als Stellvertreter für ein „besseres Selbst“.

 

Dies kann in der psychodynamischen Sprache als ein Umkehrmechanismus beschrieben werden: innere Konflikte und Abwehrbedürfnisse werden so transformiert, dass der Fokus auf das Fremde zur Befriedigung eigener psychischer Bedürfnisse wird.

 

3. Libidinöse und psychosexuelle Aspekte

In Analogie zu klassischen Konzepten des Fetischismus kann die massive externe Fokussierung auch eine libidinöse Besetzung des Externen beinhalten. Die Projektion emotionaler, moralischer oder erotischer Energie auf externe Objekte kann so stark werden, dass diese für die Betroffenen selbstwertstiftender erscheinen als reale, nahe soziale Beziehungen.

 

Diese externalisierte Libido trägt dazu bei, dass Fremdes nicht nur rational, sondern emotional intensiv bevorzugt wird.

 

4. Biopsychologische Einflüsse

Empirische Befunde zeigen, dass bestimmte biologische Faktoren – etwa Infektionen mit dem Parasiten Toxoplasma gondii – soziale Wahrnehmung, Angst‑ und Bindungsverarbeitung beeinflussen können, was theoretisch auch die Tendenz zur Externalisierung sozialer Ziele verstärken könnte.

 

Neurobiologisch können Belohnungs‑, Stress‑ und Affektregulationssysteme beteiligt sein, indem sie die emotionale Erregung verstärken, die mit Idealisierung oder sozialer Aktivierung einhergeht.

 

5. Dynamik und Selbstwertregulation

Menschen mit massiver externaler Fokussierung suchen oft Bestätigung, Anerkennung und moralische Überlegenheit über ihr Engagement oder ihre Ideale, während sie eigene Schwächen, Verletzlichkeiten oder familiäre Bindungen ausblenden.

 

Dies ist eng verknüpft mit Mustern wie dem Helfersyndrom, bei dem Hilfe nicht primär altruistisch, sondern als mittel zur Selbstwertstabilisierung und zur Ablenkung von inneren Konflikten erlebt wird.

 

6. Gesellschaftliche und kulturelle Manifestationen

Der Effekt kann sich auch kollektiv zeigen: Gesellschaftliche Bewegungen, Ideologien oder historische Ereignisse (z. B. moralisch aufgefasste Missionen, Massenaktionen oder ideologisch aufgeladene Programme) können external‑fokussierte Dynamiken strukturell verstärken, insbesondere wenn sie von Persönlichkeiten mit stark ausgeprägtem Selbstwertdefizit oder einer neigten zu überwertigen Ideen angeführt werden.

 

7. Abgrenzung zum klinischen Wahn

Der Begriff Externaler‑Fokussierungs‑Wahn sollte nicht mit einer klinischen Wahn‑Oder Psychose‑Diagnose gleichgesetzt werden. Vielmehr handelt es sich oft um eine rigide, emotional aufgeladene Fixidee, die in einem normativen (wenn auch verzerrten) sozialen Rahmen entsteht.

 

Anders als bei psychotischen Wahnzuständen sind Betroffene in der Regel grundsätzlich Alltags‑ und Realitäts‑Kommunikativ, wenn auch ihre Wahrnehmung selektiv verzerrt ist.

 

Fazit

Massive externe Fokussierung ist ein vielschichtiges psychologisches Phänomen, das kognitive Verzerrung, Selbstwertproblematik, emotionale Projektion, psychosexuelle Besetzung und soziale Idealisierung verbindet. Sie dient oft dazu, innere Konflikte, Selbstzweifel oder ungelöste frühere Verletzungen zu kompensieren, indem die Aufmerksamkeit nach außen, auf das Fremde, Idealisierte oder Andersartige gelenkt wird. Diese Strategien können kurzfristig psychischen Gewinn erzeugen, langfristig jedoch zu realen sozialen und intrapsychischen Konflikten führen, insbesondere dann, wenn sie die Wahrnehmung der eigenen Realität dauerhaft verzerren.