Einfluss des persönlichen und räumlichen Umfelds auf Wahrnehmung, Psyche und Verhalten
Reize und deren Wahrnehmung
Wahrnehmung basiert auf der Aufnahme von Reizen (mit Hilfe unserer Sinnesorgane) aus unserer Umwelt - und deren Verarbeitung im Gehirn. Reize stimulieren unseren Organismus. Die Bezeichnung der
Reize hängen ab von der Wirkung auf die jeweiligen Sinnesorgane (z.B. Geruchsinn = Olfaktorische Reize / Auge = Visuelle Reize usw).
Reize führen zu Reaktionen
Reize können eine Verhaltensreaktion aktivieren. Ein Reiz der zu einer Verhaltensreaktion führt, wird auch Stimulus genannt. Stimulus bezeichnet die Anregung, die auf den menschlichen Organismus einwirkt und beim Menschen etwas bewirkt.
Bewirkt wird ein bestimmtes Denken, bestimmte Gefühle und ein bestimmtes Verhalten. Der menschliche Organismus reagiert auf wahrgenommene Reize entweder positiv oder negativ - ggf. auch neutral.
Das sogenannte Reiz-Reaktions-Schema beschreibt, wie Lebewesen auf Reize aus ihrer Umwelt reagieren. Es beschreibt, wie Reize aufgenommen, verarbeitet und schließlich in Reaktionen umgesetzt werden. Tatsächlich beginnt jede unserer Bewegungen, Empfindungen und Entscheidungen mit einem Reiz. Die Reiz-Reaktions-Kette bewirkt schnelle und effektive Anpassungen an veränderte Bedingungen - manchmal jedoch leider auch im negativen Sinn.
Positive und aversive Stimuli / Stimulanzen / Stimulationen und entsprechende Reaktionen
Reize
gelten als Stimuli. Sie wirken auf unseren Organismus, auf unser Denken und unsere Psyche. Während positive Stimuli / Stimulanzen / Stimulationen wie z.B. ein schönes bzw. anregendes Bild,
ein positives Wort, eine zärtliche Berührung beim Gegenüber zu positiven Reaktionen bzw. positivem Verhalten und dem Bedürfnis nach Nähe und Wiederholung bzw. zu Nähe- und Wiederholungsverhalten
führt, bewirken aversive Stimuli / Stimulanzen / Stimulationen eine negative Reaktion oder ein Flucht- und/ oder Vermeidungsverhalten.
Die Rolle der Peripherie (Umgebung) in der Wahrnehmung und Kommunikation
Ob wir es wollen oder nicht: Wir kommunizieren durch unser gesamtes Kommunikationsumfeld und durch die Dinge, mit denen wir uns - bewusst oder unbewusst - umgeben. Dazu zählen Lebewesen (Menschen und Tiere) ebenso wie Technik (Auto, Handy, Uhr, Anrufbeantworter, Beleuchtung, Ausrüstung etc.), Wohn- und Arbeitsumfeld (Adresse, Büro- und Wohnausstattung, Kunstobjekte etc.), Einrichtung (Farben, Möbel, Fußbodenbelag etc.), Büro- und Geschäftsausstattung (z.B. Bürotechnik), Mitgliedschaften (Vereine, Verbände, Parteien etc.) und Daten (Titel, Ausbildungsabschluss, Werdegang, Referenzen etc.).
Unser Umfeld bzw. unsere Umgebung hat einen entscheidenden Einfluss auf unsere Wahrnehmung. Von wahrnehmbaren Umweltreizen werden Informationen abgeleitet, die unsere Denkprozesse und daraus resultierende Annahmen erheblich beeinflussen und in starkem Maße verzerren. Daraus leitet sich ebenfalls unser Image ab.
Überstrahlungseffekt / Halo-Effekt / Hof-Effekt
Die manipulative Wirkung der Peripherie auf die Manifestation der Gesamtinformation im Gehirn kennt man in der Wahrnehmungspsychologie u.a. als Überstrahlungseffekt oder „Halo-Effekt“ bzw. „Hof-Effekt“. Dieser Wahrnehmungsfehler besagt, dass ein hervorstechendes Merkmal die Gesamtbewertung überstrahlt, unsere Urteile in erheblichem Maß beeinflusst und eine Gesamtassoziation bildet, die in keinem tatsächlichen Zusammenhang zur eigentlich wahrgenommenen Sache bzw. zur Realität steht.
Bestimmte Eindrücke wirken auf den Beobachter so stark, dass sie alle anderen Wahrnehmungen überstrahlen. Der Effekt beschreibt die Tendenz, um andere bestimmte Eigenschaften einer Person einen „Hof“ zu bilden und daraus übergreifende Annahmen abzuleiten.
Alleine durch Kulissen sowie Menschen und Dinge, mit denen wir uns umgeben, senden wir regelrechte Botschaften (z.B. Image-Botschaften, Handlungsaufforderungen, Wertschätzungs-Botschaften, Preisliche Botschaften). In kommunikativen Situationen sämtliche Peripherien zu erkennen, zu hinterfragen und abzugleichen ist wichtig für den Erfolg der Kommunikation.
Die Rolle in der Peripherie für unser Gehirn und persönlichkeitsbildende neuronale Prozesse
Aus den modernen Neurowissenschaften weiß man, dass sich unsere Persönlichkeit als „Gerüst“ von Nervenzellen bildet und stetig weiter entwickelt. Die Umgebung, in der wir uns aufhalten sowie das Umfeld, in dem wir uns bewegen, spielt dabei eine wesentliche Rolle und entscheidet mit darüber, was wir wahrnehmen, wie wir uns selbst wahrnehmen (Selbstbild) und was wir aus dieser Wahrnehmung und Erfahrung heraus folglich denken, fühlen, uns selbst zutrauen usw.
Alles, was wir denken und fühlen und wie wir handeln, bestimmt unser Nervensystem und die neuronalen Strukturen in unserem Gehirn. Diese entwickeln sich, je nachdem, was wir wahrnehmen, denken, fühlen und erfahren stetig weiter. Zellen bilden sich heraus oder verkümmern. Es bilden sich ganz bestimmte Verbindungen, Strukturen und Verzweigungen - und dadurch das, was wir als unsere Persönlichkeit bezeichnen.
Anders als ein Pilot im Flugzeug merken wir selbst nichts davon, dass wir von elektronischen Signalen und unserer Gehirn-Chemie gesteuert werden. Selbst wenn unsere elektro-chemischen Prozesse aus den Fugen geraten bzw. sich verstellen und wir uns daher aus der Perspektive anderer sehr merkwürdig verhalten, bemerken wir es nicht. Dass sich allein durch unser Denken oder Unterlassen eigenständig neuronale Pfade herausbilden, diese sich umleiten oder verkümmern, wollen wir nicht wahrhaben. Dennoch zurück zur Realität:
Durch bestimmte Denkprozesse (z.B. immer wiederkehrende gleiches Wahrnehmungen, Denkmuster und Erfahrungen) bilden sich - ebenso wie uns Haare und Fingernägel wachsen oder diese ausfallen - ständig neue Nervenzellen oder sie verkümmern oder leiten sich um. Ebenso wie sich Wunden von alleine wieder verschließen, so wird dadurch im Laufe unseres Lebens bzw. unserer Umgebung und unserer Erfahrungen automatisch teilweise ein neues anderes Nervensystem konstruiert, wodurch sich unser Charakter bzw. unsere Persönlichkeit entsprechend verändert.
Wer ganz bestimmte Wahrnehmungen und Erfahrungen macht, entwickelt sich genau zu dem, was er durch seine Wahrnehmungen und sein Denken programmiert. Insofern folgt nicht nur unsere Psyche, sondern auch unser Nervensystem dem Gesetz der Anziehung, das ganz einfach besagt, dass ein bestimmtes Denken und daraus resultierendes Handeln zu bestimmten Ergebnissen und Erfahrungen führt. Diese Ergebnisse sind dann so, wie sie in unserem Gehirn programmiert und verankert sind.
Selbstbild und Verhalten
Das Zusammenspiel von sozialer und räumlicher Peripherie formt unser Selbstbild. Wer sich regelmäßig in unterstützenden und positiven Umgebungen bewegt, internalisiert diese positiven Impulse, was das Selbstvertrauen stärkt. Wer jedoch in einem Umfeld von Kritik, Ablehnung oder negativen Einflüssen verharrt, läuft Gefahr, ein eingeschränktes, pessimistisches Selbstbild zu entwickeln. Ebenso beeinflusst die Wahrnehmung unserer Umwelt die Entscheidungen, die wir treffen, und die Strategien, die wir anwenden, um Probleme zu lösen.
Räumliche Umgebung
Der physische Raum, in dem wir leben oder arbeiten, prägt unsere Psyche, unser Denken und unser Verhalten. Studien aus der Umweltpsychologie zeigen, dass Licht, Farben, Ordnung, Lärm, Naturzugang und sogar Raumgestaltung unser Denken, unsere Kreativität, unsere Stresslevel und unser allgemeines Wohlbefinden beeinflussen.
Ein unaufgeräumter, chaotischer oder lauter Raum kann kognitive Belastung erhöhen und die emotionale Stabilität mindern, während ein klar strukturierter, ästhetischer und angenehmer Raum die Konzentration, Motivation und Kreativität steigern kann.
Das soziale Umfeld / Die soziale Umgebung
Umgebungsreize erfolgen auch durch unser soziales Umfeld. Hier wirkt der soziale Einfluss auf unser Denken und Verhalten,
Unser Denken, Fühlen und Verhalten sowie unsere Meinungs- und Urteilsfindung wird durch externe Faktoren (passiv wie aktiv) massiv beeinflusst (Sozialer Einfluss).
Dazu zählt allein die tatsächliche, vorgestellte oder implizite Anwesenheit anderer. Die tatsächliche, vorgestellte oder implizite Anwesenheit von Autoritäten verstärkt diesen Effekt weiter (siehe Milgram-Experiment von 1963) . Oft erfolgt diese Beeinflussung von außen sehr subtil (Subtile Einflussnahme), zum Beispiel durch bestimmte Konventionen, soziale Erwartungen, den kulturellen Kontext etc., aber auch gezielt - zum Beispiel über bewusste direkte Überzeugungsversuche oder mittels - den Rezipienten zumeist völlig unbewussten - gezielten Beeinflussungsstrategien und bestimmte Argumentationstechniken.
Doch um letzteres soll es hier nicht gehen, vielmehr um den automatischen Einfluss, den bestimmte Menschen, ein bestimmtes soziales Umfeld und die Gesellschaft, in der man lebt auf das Denken und Verhalten eines Individuums hat.
Denn Menschen passen ihr Verhalten häufig unbewusst an ihr soziales Umfeld an.
Dieses Phänomen wird in der Sozialpsychologie als Normsetzung oder soziale Vergleichsprozesse bezeichnet. Freunde, Familie oder Arbeitskollegen beeinflussen nicht nur, wie wir denken und fühlen, sondern auch unsere Ziele, Motivation und die Art, wie wir mit Herausforderungen umgehen.
Wer sich dauerhaft in einem Umfeld von Menschen befindet, die Selbstzweifel, Pessimismus oder Prokrastination zeigen, wird eher ähnliche Muster entwickeln. Umgekehrt können unterstützende, motivierende und werteorientierte soziale Kreise persönliche Entwicklung, Resilienz und Erfolg stark fördern.
Fazit / Zusammenfassung
Unser Denken, Fühlen und Handeln findet nie isoliert statt. Zahlreiche psychologische Studien zeigen, dass sowohl das soziale als auch das räumliche Umfeld – also unsere „Peripherie“ – maßgeblich unsere Selbstwahrnehmung, unser Verhalten und unser Wohlbefinden beeinflusst. Das betrifft sowohl subtile, unbewusste Prozesse als auch bewusste Entscheidungen.
Die räumliche Umgebung und das Umfeld, in dem wir uns aufhalten (in dem wir wahrnehmen und denken) spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle ("Die Größe meines Raumes ist die Größe meiner Welt"). Dadurch finden Beeinflussungs- und Sozialisierungs-Prozesse statt, die sich ganz wesentlich auf unser Denken und auch auf unsere Gehirnzellen und die neuronalen Verbindungen auswirken.
Konsequenz: Bewusste Wahl des Umfelds
Aus diesen Erkenntnissen folgt eine wichtige praktische Konsequenz: Die bewusste Gestaltung und Auswahl des eigenen Umfelds kann zu mehr psychischer Gesundheit, höherer Motivation und erfolgreicherem Handeln führen. Dies bedeutet, kritisch zu hinterfragen, welche Menschen, Aktivitäten und räumlichen Bedingungen uns guttun und welche eher blockierend wirken.
Wer seine Peripherie aktiv gestaltet, schafft die Voraussetzung dafür, alte Verhaltensmuster zu verändern und neue, konstruktive Wege zu gehen. Daher empfiehlt sich in vielen Fällen, in denen die Lebens-Ergebnisse nicht so sind wie man sich selbst das wünscht, ein rechtzeitiges Umdenken in der dazu passenden Umgebung (Peripherie), damit sich daraus auch neue neuronale Strukturen und eine neue Realität bildet.