Wissen: Lernpsychologie

Wir glauben Erfahrungen zu machen,

aber die Erfahrungen machen uns

(Eugene Ionesco)

 

Lernpsychologie beschäftigt sich mit dem Lernen und den entsprechenden Prozessen, folglich damit wie Menschen oder Tiere Informationen erwerben, verarbeiten und speichern. 

 

Die Lernpsychologie steht u.a. in einem engen Zusammenhang mit der Verhaltensforschung, der Pädagogik (Pädagogische Psychologie) und der Didaktik. 

 

Viele verstehen unter "Lernen" die bewusste Anhäufung von Wissen, die bewusste, teilweise anstrengende Arbeit des Einprägens und Übens von Begriffen, Wissen, Kenntnissen oder Fertigkeiten. In Wahrheit ist Lernen viel mehr: Lernen ist ein nicht beobachtbarer dauerhafter Prozess des Erwerbs und/oder der Änderung bestehender Verhaltensweisen als Folge von Erfahrungen und Übungen durch die Auseinandersetzung mit bestimmten Umweltsituationen. Tatsächlich lernen wir das meiste unbewusst.

 

Lernen" bezieht sich zwar in Wirklichkeit nicht auf "Bildung", sondern auf das - zumeist intuitive Erlernen bestimmer - mehr oder weniger förderlicher - Denk- und Handlungsmuster, kann aber ebenfalls zu Bildung führen, zumindest dann, wenn das zu lernende "Wissen" logisch nachvollziehbar verstanden und verinnerlicht wird und in der Praxis anwendbar ist - und dort auch genutzt wird - und nicht wieder verkümmert. Bildung bedeutet übrigens nicht, dass man automatisch das richtige Wissen gelernt hat. Damit kann Bildung zugleich eine Art der Wissensverzerrung in eine bestimmte (ggf. gewünschte), eigentlich aber falsche Richtung sein. Ebenso lernen wir - nicht nur bewusst (analytisch), sondern zumeist unbewusst Denk- und Handlungsmuster, die uns aktuell oder (zumeist) später nicht (mehr) wirklich förderlich sind und dann zu Problemen führen, zu Problemen mit der Psyche oder mit der Umwelt. Hier gilt es umzulernen. Ein probates Mittel dazu ist ein Coaching oder eine Psychotherapie. 

 

Wer etwas lernt, der beeinflusst damit zugleich (unbewusst) sein Denken und Handeln - damit zugleich auch seinen Erfolg oder Misserfolg. Wir lernen auch in Bezug auf uns selbst und entwickeln unser Selbstbild. Ebenso entwickeln wir durch individuelle Erfahrungen bzw. Lernen ganz persönliche Theorien über andere Menschen (Fremdbild / Menschenkenntnis) und die Welt (Weltbild / Weltannschauung), wodurch sich wiederum regelrechte Ideologien entwickeln können.

Daher liegt es im Wesen eines jeden Staatssystems, dass die Bürger bestimmte Dinge lernen, andere aber möglichst nicht. Denn diese Dinge könnten uns unerwünschte Vorteile verschaffen oder den Staat oder ein System selbst hinterfragen lassen. An das jeweilige System angepasste Bürger funktionieren besser. Insbesondere das Schulsystem sowie die Medien (insbesondere die Massenmedien) haben einen besonders starken Einfluss auf das, was wir lernen, ebenso auf das, was wir nicht lernen und wissen sollen. Manchmal ist es sinnvoll, das zu Lernende sowie das bereits (richtig oder falsch) Gelernte zu hinterfragen und umzulernen bzw. neu zu lernen. Darauf basiert auch die Psychotherapie:

 

Was uns heute ausmacht, was und wie wir denken und darauf basierend handeln, haben wir im Laufe unseres Lebens erlernt: Entweder richtig und passend oder falsch und unpassend bzw.  überholt und nicht mehr zeitgemäß. Wenn das Erlernte für uns heute nachteilig ist, zu Problemen führt oder wir dadurch sogar krank werden, gilt es, dies erkennen und für unsere neuen bzw. heutigen Bedürfnisse und Ziele entsprechend umzulernen. Denn Denk- und Handlungsprogramme, die auf falsch Gelerntem basieren schaden uns. Was einmal (falsch) gelernt wurde, muss nicht für immer in unserem Kopf festhängen und unser Handeln täglich ggf. ungünstig beeinflussen. Zum Glück ist der Mensch dazu fähig, neu zu lernen bzw. umzulernen. 

 

Motivation als Zentralbegriff der Lernpsychologie
Ein zentraler Begriff der Lernpsychologie ist "Motivation". 
Die Lernpsychologie unterscheidet drei Arten von Motivation:
a) Triebreduktion, b) Anreizmotivation und c) Verstärkung. Während bei der Triebreduktion das Zentrum der Motivation im Individuum selbst liegt, liegt bei der Anreizmotivation das Zentrum in der Außenwelt. Die "Verstärkung" ist ein als angenehm empfundener Reiz, der auf ein Verhalten folgt und dadurch die Wiederholung des Verhaltens oder einer vergleichbaren Aktivität hervorruft. Es gibt Motivation, die ursprünglich, angeboren und triebnah ist (Primäre Motivation) und solche, die durch Lernprozesse erworben wird und auf geistigen Bedürfnissen und Interessen basiert (Sekundäre Motivation). 


Da das Lernen selbst ein nicht beobachtbarer Prozess ist,  erklärt man Lern- bzw. Verhaltensänderungsprozesse mit Hilfe von Lerntheorien. Beispiele:

 

Das klassische Konditionieren

(Ivan P. Pawlow 1849-1936),

 

das operante Konditionieren

z.B. Lernen durch Versuch und Irrtum

(Edward Thorndike 1874-1949) 

 

Lernen durch Verstärkung

(Burrhus F. Skinner (1904 - 1990),

 

Das Lernen am Modell

z.B. die sozial-kognitive Lerntheorie

(Albert Bandura, Walter Rischel),

 

Lernen durch Einsicht

(Max Wertheimer 1880-1943, Wolfgang Köhler 1887-1967,

Kurt Koffka 1886-1941, Rolf Oerter)

 

und weitere...

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