Wissen: Kommunikative Polung

Einleitung
Ideal: Jemand findet Sie extrem sympathisch und attraktiv. Sie und Ihre Mitarbeiter sind hoch motiviert - und auch Ihre Kunden: Die meisten Kundengespräche führen stets zu einem positiven Abschluss und auch aus Vorstellungsgesprächen gehen Sie als Gewinner heraus?

 

Alternativ: Ihr Partner hat keine Lust (mehr) auf Sex, ein geschäftlicher Abschluss kommt nicht zustande, nach Vorstellungsgesprächen erhalten Sie Absagen, Patienten werden noch kranker als sie bereits sind, Menschen kommen nicht mehr wieder... Können Sie sich vorstellen, dass das auch etwas mit Ihnen selbst zu tun hat?

 

Kommunikative Negativ-Polung

Könnte es sein, dass das an der Art und Weise Ihrer Kommunikation liegt? Könnte es vielleicht sein, dass Sie Wörter, Begriffe, Ausdrücke oder Redewendungen verwenden, die bei anderen eine Negativ-Polung erzeugen? Können Sie sich vorstellen, dass Sie im Kopf ihres Gegenübers unbewusst bestimmte Bilder entstehen lassen und bestimmte Gefühle erzeugen, die diesem die Lust nehmen, wozu auch immer? Ist Ihnen bewusst, dass bestimmte Wörter und Begriffe sowie bestimmte kommunikative Eigenarten, Ihre Sprechweise, Ihre Mimik oder eine ganz bestimmte Gestik eine negative oder sogar extrem abstoßende Wirkung erzeugen?

 

Im Kopf
Im Kopf unseres Gegenübers lassen wir - wenn auch zumeist unbewusst - immer und ohne Ausnahme ganz bestimmte Bilder entstehen und erzeugen stets bestimmte Gefühle z.B. Freude, Ärger, Ängste, Neugier usw. Diese Gefühle erzeugen Lust oder Unlust, Zustimmung oder Ablehnung und führen zu positiven oder negativen Entscheidungen. 

 

Auch wenn wir das, was wir tun oder sagen selbst normal, richtig oder durchaus üblich finden und andere vielleicht ebenso agieren, bedeutet das noch nicht, dass alle damit erfolgreich sind und automatisch bei anderen gut ankommen. Vieles, was wr sagen und wie wir es ausdrücken, kommt bei anderen anders, ja sogar völlig gegensätzlich an. Unsere wahren Gedanken kann niemand lesen und ebenso wenig unsere vielleicht positiven Absichten.

 

Kongruenz
Wichtig ist, dass das, was man sagt - und wie man etwas sagt - mit dem kongruent ist (übereinstimmt), was man im eigentlichen Sinne beabsichtigt. Im Idealfall kann dies durch ständiges Nachfragen und ein unmittelbares Feedback erreicht werden. Im Alltag ist so etwas kaum möglich und in der Regel wenig alltagstauglich. Auf der einen Seite hat man zumeist nicht die Zeit dazu, bei jeder Aussage noch einmal nachzufragen, ob und wie genau eine Nachricht angekommen ist und wie man gerade wirkt. Auf der anderen Seite würde dieses ständige Nachfragen in den Augen anderer auf Dauer etwas merkwürdig anmuten und nerven, schließlich leben wir in einer recht schnelllebigen Zeit. Zudem würden Sie in den seltensten Fällen eine ehrliche Antwort bekommen.

 

Selbstverständnis
Als Dauer-Konsumenten, die wir uns alle für intelligent und gebildet halten, setzen wir zudem vieles einfach als völlig selbstverständlich voraus. Dazu gehört auch, dass man der Überzeugung ist, den anderen zu verstehen und ihn so zu verstehen wie er es tatsächlich meint. Nur ungern möchte man sich die Blöße geben, immer wieder nachzufragen, ob eine Nachricht auch verstanden wurde und ob sie so verstanden wurde, wie man das selbst beabsichtigt hat.

 

Feedback
Hinzu kommt, dass die meisten Menschen kein ehrliches Feedback mögen und viele nach dem Motto "Was maßt sich mein Gegenüber da an!" oder "Wer glaubt er, wer er ist!" sogar negativ darauf reagieren. Daher drücken wir, wenn überhaupt, unser Feedback stets höflich aus. Damit verfälschen wir es. Ebenso erhalten wir selbst zumeist verfälschtes und geschöntes Feedback. Dadurch bekommen wir nur selten ein Feedback über die wahren Gefühle unseres jeweiligen Gegenübers. Diese werden - wie wir es zumeist gelernt haben - unterdrückt.

 

Ein aufrichtiges verbales gefühls- oder gefühlsausdrucksnahes Feedback von anderen nach dem Motto: "Fürchterlich, was Sie da sagen!" oder "Sie sind aber negativ drauf!" oder "Sind Sie immer so spießig oder vulgär!"oder "Ich fühle mich jetzt ziemlich dämlich." gibt es zumeist nicht. Niemand gibt einem ein konkretes ehrliches und detailliertes Feedback, nicht nur aufgrund gesellschaftlicher Konventionen, die so etwas quasi verbieten, sondern auch wegen der Zeit, der zu kurzen kommunikativen Reaktionszeit, dem fehlenden Wissen über psychologische Zusammenhänge und der nicht vorhandenen psychologischen Beobachtungs-Technik.

 

Ausreden und Umdeutung
Im Ergebnis bleibt nur die Absage oder eben die verlorene Motivation Ihres Gegenübers. Um uns das logisch zu erklären und unser Selbst- und Weltbild nicht zu gefährden, finden wir stets eine logische Erklärung. Wir sagen uns einfach: "Der ist doof"  oder "Ich habe es bereits geahnt" oder "Ich wollte das in Wirklichkeit sowieso nicht." Zur Vermeidung negativer Gedanken / Gefühle (kognitive Dissonanzen) und um unser Selbstbild nicht zu gefährden, greifen wir zur Strategie der selbstwertdienlichen Verzerrung, deuten alles um, geben der Sache künstlich eine andere Sicht und denken: Alles ist wieder gut. Ist es nicht. Beim nächsten Mal handeln sie genauso, ähnlich oder noch extremer. Folglich wird es Zeit für einen Boxenstopp, Zeit mal in sich zu gehen und herauszufinden, was man da eigentlich macht und warum man das macht und woher das eigentlich kommt.    

 

Positiv- oder Negativ-Polung
Es sind nicht die Worte allein, die eine Positiv- oder Negativ-Polung ausmachen - es ist auch die Art und Weise wie wir konkret kommunizieren. Auch wenn wir selbst anderer Überzeugung sind: Wir selbst bekommen das zumeist gar nicht mit: Weder was wir genau sagen, noch wie wir etwas sagen. Oder hören Sie sich regelmäßig auf Band ab? Oder kommunizieren Sie vor einem Spiegel? Oder sehen Sie sich in den betreffenden Situationen auf Videoaufzeichnungen? Selbst wenn wir das täten, bräuchten wir einen Übersetzer, der uns sagt, was bei anderen wirklich ankommt und wie es ankommt.

Wie auch immer: Stets erzeugen wir durch unsere Art und Weise bestimmte Eindrücke und Bilder, die bei anderen entweder eine positive oder eine negative Stimmung, Sympathie oder Antipathie - und damit auch Reaktion (z.B. Entscheidung) erzeugen.

 

Bio-Feedback Mechanismus
Hinzu kommt: Durch den Bio-Feedback Mechanismus wirkt sich die besagte Polung auch auf unsere eigenen Gedanken und unsere eigene Gemütsverfassung aus. Das ist der Beginn eines fatalen Kreislaufs: Durch negative Kommunikation kann in einem selbst eine sogenannte Minus-Stimmung entstehen, die sich dann wieder auf andere überträgt und sich auf deren Motivation auswirkt. Vielleicht ist Ihre Gemütslage sogar die Ursache für eventuell durch Sie erzeugte Negativ-Polung.

 

Hilfe holen
Da man selbst gar nicht mitbekommt, was genau wie wirkt und niemand einem ein konkretes detailliertes Feedback gibt, ist es - spätestens bei wiederkehrenden ähnlichen Negativ-Reaktionen anderer - ratsam, einen Kommunikations-Profi, am besten einen Psycholinguisten zu konsultieren, der einem nach einer entsprechenden Analyse sagt, was genau es ist, womit wir bei anderen eine Negativ-Polung erzeugen. Da die meisten Menschen aber gar nicht glauben, was sie in Wahrheit selbst gesagt oder bildlich vermittelt haben, wird empfohlen, einige Gesprächs-Sequenzen auf Video oder Tonband mitzuschneiden. Nachfolgend kann man sich alles noch einmal anhören oder am besten sehen. Die Wahrheit ist zwar erst einmal etwas schmerzlich...dennoch: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zum Erfolg! Und wenn die Einsicht kommt und nachfolgend alte Kommunikationsgewohnheiten über Bord geworfen und zukünftig neu gelernt werden, läuft alles viel besser. Sie werden überrascht sein wie viele positive Reaktionen Sie nachfolgend erzeugen, zumindest bei Menschen, die psychisch gesund sind.

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