Wissen: Aggression & Aggressivität

Anti-Aggressions-Therapie & Anti-Aggressions-Training

Anti-Aggressions-Training / Anti-Aggressions-Coaching. Persönlich in Solingen oder Online via Zoom

Aggression und aggressives Verhalten
Jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens hin und wieder mit Aggression konfrontiert, die einem überall im Alltag begegnen kann. Entweder wird man Zeuge aggressiven Verhaltens anderer oder man verhält sich selbst einmal aggressiv.

 

Oft entsteht aggressives Verhalten infolge von Konflikten, sozialer Ablehnung oder (echten oder lediglich gefühlten bzw. herausinterpretierten  Beleidigungen. 

 

Aggressives Verhalten basiert auf Wut. Wut ist eine natürliche Reaktion auf eine bedrohliche Situation. Ob die Situation, die zu Wut führt, nun real oder vorstellt bzw. interpretiert wird, spielt dabei keine Rolle.

 

Unterschiedliche Sichtweisen und Erklärungen
Jedes Teilgebiet der Psychologie betrachtet Aggression anders und hat eine andere Definition dafür. Während sich die Sozialpsychologie zum Beispiel mit aggressivem Verhalten in einer Gruppe beschäftigt, versucht die klinische Psychologie, abweichendes Verhalten eines Individuums zu erklären. In der Pädagogik wird Aggression - insbesondere bei Kindern und Jugendlichen, die ihre Umwelt erkunden - als ein Verhalten eingeschätzt, welches darauf abzielt, Grenzen auszutesten und zu überschreiten, um zu sehen, was möglich ist.

 

Bei Erwachsenen tritt Aggression insbesondere in Situationen auf, bei denen Macht und Kontrolle im Spiel sind. Hier ist Aggression ein Signal der inneren Ohnmacht und Hilflosigkeit, das in Abwehr- und Angriffsverhalten mündet.

Im Gegensatz zum Gefühl der Wut ist Aggression im psychologischen Sinne meist destruktiv. 

 

Aggression versus Aggressivität und Abgrenzung von Gefühlen

Unter Aggressivität versteht man die die anhaltende (überdauernde) Bereitschaft eines Menschen, aggressives Verhalten aufzuzeigen. Zur Abgrenzung: Aggression ist ein Verhalten und im Gegensatz zu Ärger, Wut oder Hass kein Motiv oder Affekt handelt. Ein Affekt ist eine kurze und vorübergehende Gefühlsregung, die meist sehr intensiv ist und als Reaktion auf äußere Reize oder innere Vorstellungen auftritt. Aggression ist hingegen ein bewusstes, gesteuertes zielgerichtetes Handeln und keine Gefühlsregung und ebenso wenig ein zufälliges, unbeabsichtigtes Verhalten kein aggressives Verhalten. Insofern ist zwischen Affekten und Aggressionen zu unterscheiden.

 

Entscheidend ist die Absicht des Verhaltens: Aus Versehen oder zum Ziel der Schädigung. Tatsächlich ist es aber so, dass bewusstes, gesteuertes und zielgerichtetes Verhalten, das der Schädigung einer anderen Person gilt, automatisch gerne selbstwertdienlich verzerrt und vom Täter, der als "Aggressor" bezeichnet wird, in absichtsloses Verhalten umgedeutet wird.

 

Formen aggressiven Verhaltens

Aggressives Verhalten kann verbal oder körperlich erfolgen - und letztendlich in verbaler oder körperlicher Gewalt münden, sofern man Aggressionen nicht unter Kontrolle bekommt und man die konkreten Auslöser und Ursachen der individuellen Aggression nicht versteht. Wichtig ist, zu verstehen, durch welche Situationen, Reize und Gedanken Aggression ausgelöst wird. Denn Aggression bedeutet enormen Stress für einen selbst und für andere. Zudem kann übermäßige Aggression zu schweren sozialen Folgen wie Gewalt, Mobbing oder zu Kindes- und Freiheitsentzug führen.

 

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Aggression. Zum einen gibt es die instrumentelle Aggression (geplant, bedürfnisbefriedigend, "Mittel zum Zweck") und zum anderen die feindselige Aggression (defensiv, konternd). Letztere ist emotionsgeleitet. Darüber hinaus gibt es auch noch eine Mischform aus der instrumentellen und feindseligen Aggression.

 

Die instrumentelle - die sogenannte "kalte" - Aggression, wird weniger von aggressiven Gefühlen gesteuert, sondern vielmehr durch den Nutzen einer Handlung angetrieben. Hier steht nicht die Schädigung einer Person im Vordergrund, sondern die Zielerreichung. Die geschädigte Person (= Opfer) dient lediglich als ein "Mittel zum Zweck". 

 

Im Gegensatz zur instrumentellen Aggression ist die feindselige Aggression, die auch als "heiße" Aggression bezeichnet wird, eine - von negativen Gefühlen emotionsgeleitete -  impulsive Reaktion auf bestimmte Situationen und spezielle Reize bzw. Schlüsselreize bzw. Provokation. Auch gibt es Mischformen feindseliger und instrumenteller Aggression.

 

Bei der verbalen Aggression greift der Aggressor das Opfer rein verbal an, um es mit Worten zu zu verletzen (z. B. Beschimpfungen, Beleidigungen, Drohungen, Verwünschungen, Vorwürfe). Der beabsichtigte Schaden durch den Aggressor am Opfer ist bei der verbalen Aggression psychisch. Bei der physischen Aggression reicht das aggressive Verhalten von der Androhung von körperlicher Schädigung bis hin zur tatsächlichen Verletzung einer anderen Person (z.B. Schubsen, Treten, Schlagen, Vandalismus).

 

Ebenfalls gibt es die relationale Aggression: Hier ist es das Ziel des Aggressors, dem Opfer einen sozialen Schaden zuzufügen (z.B. Beispiel durch die Verbreitung von Gerüchten, mit der Absicht der sozialen Diffamierung mit dem Ziel, dem Opfer zu schaden). Diese Art der Aggression erfolgt meist indirekt, also ohne, dass das Opfer weiß, von wem genau die Schädigung ausgeht. 

 

Der relationalen bzw. indirekten Aggression steht die direkte Aggression gegenüber. Dieser wird jegliche Aggression, die sich direkt gegenüber dem Opfer äußert, zugeordnet. Darunter fallen etwa Schläge oder auch Beschimpfungen. Somit umfasst die direkte Aggression jegliche verbale und physische Aggression.

 

Neben den bereits genannten Ausprägung gibt es auch noch die passiv-aggressive Form der Aggression. Dabei handelt es sich um eine Persönlichkeitsstörung, die sich durch tiefgreifende negative Denkmuster und Einstellungen auszeichnet. 

Passiv-aggressive Personen fühlen sich häufig ungerecht behandelt und leisten einen passiven Widerstand gegenüber sozialen und beruflichen Anforderungen. Betroffene Personen weisen ein sogenanntes Trotzverhalten auf, wie es häufig in der Pubertät zu beobachten ist.

 

Ursachen für aggressives Verhalten

Die Ursachen für aggressives Verhalten sind vielfältig. Sie können in der Persönlichkeit des Betroffenen liegen und auf der persönlichen Disposition des Aggressors (Temperament, hoher Stresspegel) basieren oder durch das soziale Umfeld beeinflusst werden. Umweltbedingungen spielen eine Rolle bei der Entstehung von Aggressionen und deren Kanalisation in aggressives Verhalten (z.B. die Exposition gegenüber explosivem Verhalten, verbalem oder körperlichem Missbrauch in der frühen Kindheit).

 

Oft basieren Aggressionen und der Umgang damit auf erlerntem bzw. falsch gelernten Verhalten bzw. auf im Leben erworbenen Verhaltensmustern, die keine alternative Kanalisation kennen. Lernen am Vorbild (Modelllernen) kann ebenso eine Rolle spielen wie biologische Faktoren, Hormone (z.B. Testosteron) und Neurotransmitter.

 

Aggression ist ebenfalls ein psychischer Gesundheitszustand, der sich nach einem traumatischen Ereignis entwickeln kann und hier durch aufdringliche Gedanken über den Vorfall, wiederkehrende Not / Angst, Flashback und Vermeidung ähnlicher Situationen gekennzeichnet ist. Eine Posttraumatische Belastungsstörung kann folglich ebenfalls die Ursache für aggressives Verhalten und entsprechende Wutausbrüche sein, sofern keine Verarbeitung etwaiger Traumata erfolgt ist.

 

Aggressionsauslösende Situationen und Reize sind ebenfalls individuell. Physisch aggressive Kinder haben ihr aggressive Verhalten zumeist selbst in der eigenen Familie erfahren und ahmen die Aggression nach (Lernen am Modell / Vorbild). Psychische Probleme können ebenfalls ursächlich sein. Hinter Aggressionen und entsprechenden Wutanfällen kann auch eine Erkrankung oder genetische wie seelische Veranlagung stehen.

 

Aggressives Verhalten in Form einer Verhaltensstörung zeigt sich durch explosive Wut- und Gewaltausbrüche gekennzeichnet ist, bei denen der Aggressor unverhältnismäßig auf eine Situation reagiert. Das Verhalten kann von allein erfolgen, Reaktionen auf echte oder nur gefühlte bzw. herausinterpretierte Angriffe oder Verhalten bei Erleben von Ungerechtigkeiten oder bei hitzige Auseinandersetzungen sein. 

 

Was löst Aggressionen aus? – Theorien zur Entstehung von Aggression

Was genau Aggression auslöst, kommt auf die Theorie an, die die Entstehung von Aggression betrachtet. Die Triebtheorie von Freud geht zum Beispiel davon aus, dass Aggression angeboren ist. Das Modelllernen von Bandura geht hingegen von einem direkten oder auch indirekten (Beobachten) Lernprozess aus. Die Frustrations-Aggressionshypothese nimmt wiederum an, dass Aggression auf Frustration beruht und umgekehrt.

 

01. Triebtheorie nach Sigmund Freud

Mensch weist von Geburt an eine Reihe verschiedener Triebe und Bedürfnisse auf. Somit gilt die Aggression als unvermeidlicher Teil des menschlichen Ichs, der allenfalls kontrolliert, nicht jedoch verhindert werden kann.

Wird der Mensch in der Befriedigung eines Triebes gehindert, entsteht Aggression als Ausdruck dieses unbefriedigten Triebes.

 

02. Modelllernen nach Albert Bandura

Hier geht man davon aus, dass Aggression und aggressives Verhalten erlernt ist und ggf. abgeschaut wurde (Beobachtung).

 

03. Frustrations-Aggressionstheorie von John S. Dollard

Hier geht es um Aggression als das Produkt von Frustration. Aggressives Verhalten ist umso stärker, je größer die Frustration ist und umgekehrt.  Wenn Menschen auf Hindernisse oder unerfüllte Bedürfnisse stoßen, kann dies zu Frustration führen. Diese Frustration kann sich in Aggressionen äußern.

 

 

 

Begünstigende Faktoren für aggressives Verhalten

 

Stress: Echter oder gefühlter Stress

Ein hoher Stresspegel kann die Wahrscheinlichkeit von aggressivem Verhalten erhöhen. Stress kann durch verschiedene Faktoren wie Arbeitsdruck, zwischenmenschliche Konflikte oder persönliche Probleme verursacht werden.

 

Ungerechtigkeit oder Gefühl der Ungerechtigkeit
Das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, kann zu Wut und Aggression führen. Menschen reagieren oft aggressiv, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Rechte verletzt wurden.

 

Körperliche Schmerzen
Schmerzen können die Stimmung beeinflussen und zu aggressivem Verhalten führen.

 

Unzufriedenheit und Frust

Unzufriedenheit mit der eigenen Person, Rolle oder Situation können Aggressionen gegen sich selbst und andere herbeiführen und aggressives Verhalten begünstigen.

 

Negative Erfahrungen oder traumatische Erlebnisse
Gewalt, Missbrauch oder andere negative Erfahrungen und/oder traumatische Ereignisse können Aggressionen auslösen.

 

Soziale Reize
Äußere Bedingungen wie Hunger, Durst, Kälte oder Hitze können ebenfalls aggressives Verhalten beeinflussen.

 

 

Individualität
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Mensch auf dieselben Auslöser gleich reagiert. Die individuelle Persönlichkeit, das soziale Umfeld und die persönlichen Erfahrungen spielen eine Rolle bei der Entstehung von Aggressionen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Aggressionen öfter vorkommen und / oder ggf. außer Kontrolle geraten, ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Vor der Bearbeitung von Aggressionen sollte man dem Betroffenen sämtliche Möglichkeiten und Wege (Psychiater, Psychotherapeut, Desensibilisierung, Anti-Aggressions-Therapie und Anti-Aggressions-Training) aufzeigen.

 

 

Mögliche Maßnahmen, um Aggressionen abzubauen:

-  Sport treiben, um Adrenalin besser bzw. schneller abzubauen

-  Stressreduzierung zur Erhöhung der Aggressions- und Frustrationstoleranz

-  Entspannungstechniken (z.B. Atemtechniken) zur Beruhigung der Herzfrequenz

-  Selbsthypnose / Autogenes Training zur Erlangung der Selbstkontrolle 

-  Zurückschrauben der eigenen Ansprüche

-  Selbstwert-Coaching, um bei etwaigen Einschränkungen den eigenen Selbstwert wieder aufzubauen

-  Aggressionen mithilfe eines Boxsacks oder durch lautes Schreien kontrolliert herauslassen

-  Desensilisierung / Resilienztraining 

-  Schlagfertigkeitstraining, um Aggressionen verbal in Witz, Humor und souveräne Überlegenheit zu kanalisieren

-  Anti-Aggressions-Training, um Aggressionen und Aggressionspotential kontrolliert auszuleben und zu kontrollieren

 

Aggressionen zu unterdrücken, ist hingegen keine Lösung. Zudem beseitigt dies nicht den Kern des Problems bzw. der Aggressivität. 

Anti-Aggressions- und Anti-Konflikt-Training

Falsch gelernte Handlungsmuster
Insbesondere bei falsch gelernten Handlungsmustern hilft ein  

Anti-Aggressions- und Anti-Konflikt-Training, bei dem innere Muster erkannt durch neue neue Denkmuster ersetzt werden, die durch stetiges Wiederholen (Priming) von optimiertem (souveränem) Reaktionsverhalten umgelernt und verankert werden.

 

Durch Erfolgserlebnisse wird umgelernt und so ein neues Programm implementiert und in Gang gesetzt, so dass er 

Betroffene sich in den betreffenden Situationen beherrschen kann - und ambiguitätstolerant reagiert.

 

Das Trainieren von Ambiguitätstoleranz und anderen intelligenten Eigenschaften der Sozialkompetenz zählt ebenso dazu wie die Themen spontane Schlagfertigkeit, locker-souveräne Durchsetzung,  gewaltfreie Kommunikation und Status-Kommunikation.  Nichts desto trotz ist es parallel dazu ratsam, auch mal in die Tiefe zu gehen, um Auslöser / Ursachen / Traumata herauszufinden. Besonders hilfreich ist ein Resilienztraining zu Desensibilisierung. Hier lernt der Betroffene insbesondere die Reiz-Reaktionskette zu unterbrechen. 

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